Dividenden: Tschechische Telefonica O2 brilliert mit 12,1, die Post mit 11 Prozent

Die Dividendensaison läuft jetzt an. Während viele Konzerne die Ausschüttung drastisch kürzen, zahlen andere Unternehmen sogar zweistellige Renditen aus. FORMAT zeigt interessante Papiere.

Stuart Rhodes hat derzeit kein leichtes Leben. Der Manager des M&G Global Dividend, der in seinem Fonds strategisch auf dividendenstarke Aktien setzt, hatte heuer viele Hiobsbotschaften zu verkraften. Zahlreiche Unternehmen mussten eingestehen, dass im Zuge der Finanzkrise die Dividenden drastisch reduziert oder sogar ganz gestrichen werden. Fondsmanager Rhodes: „So hohe Dividendenkürzungen hat es in den letzten 50 Jahren nicht gegeben. In den USA erwarten wir im Durchschnitt 35 Prozent weniger Ausschüttung. Selbst General Electric musste zum ersten Mal seit 1938 die Dividende senken.“ Doch es gibt auch Musterschüler wie etwa die Österreichische Post. Regina Parhammer, Fondsverwalterin des ebenfalls auf ausschüttungsstarke Aktien spezialisierten Volksbank Dividend Invest (ISIN AT0000A07S04): „Die Post ist eine positive Überraschung, denn sie wird heuer ihren Anlegern 2,5 Euro pro Aktie inklusive Sonderdividende zahlen. Das entspricht, gemessen am aktuellen Aktienkurs, einer Rendite von elf Prozent.“ Der tschechische Kommunikationswert Telefonica 02 schüttet sogar 12,1 Prozent aus – das ist etwa der dreifache Ertrag von sicheren Staatsanleihen.

Belohnung fürs Warten
Gerade in volatilen Krisenzeiten ist die Dividende ein willkommenes Zubrot für Anleger und eine Prämie für das Warten, bis die Börsen wieder alte Höhen erreichen. Bei langfristigen Investments macht sie einen erheblichen Anteil der Gesamtrendite aus und war bislang auch verlässlicher als die Höhe der Unternehmensgewinne. Das Beispiel von General Electric zeigt allerdings, dass viele Unternehmen von der Stärke der Krise überrascht wurden und nun mit Traditionen brechen müssen. Jan Ehrhardt, Manager des DJE Dividende & Substanz Fonds (ISIN LU0159550150): „Unternehmen werden künftig nicht mehr so unbedacht Dividenden zahlen. Außerdem ist die Dividendenpolitik kein leichtfertiges Spiel. Ein Vorstand, der Ausschüttungen zugesagt hat, kann sich später schwer davor drücken, sonst verliert er an Glaubwürdigkeit.“ In Europa haben die großen Riesen Allianz und Deutsche Bank, aber auch Telekomkonzerne wie Nokia und Ericsson aufgrund der düsteren wirtschaftlichen Aussichten die Dividende drastisch reduziert. Bestes Beispiel für Österreich ist der Ziegelhersteller Wienerberger, der im vergangenen Jahr noch vier Prozent Rendite an die Anleger blechte, 2009 aber lieber sanieren möchte und deshalb die Divi­dende ausfallen lässt.

Spreu vom Weizen trennen
Doch auch Unternehmen, die noch mit hohen Zahlungen locken, sollte man genauer unter die Lupe nehmen. Da sich die Ausschüttungen am Aktienkurs orientieren und höher werden, je tiefer der Kurs sinkt, locken derzeit auch unattraktive Titel mit extrem hohen Dividendenrenditen. Auf dem Papier mögen diese noch ansehnlich erscheinen – ob sich die Unternehmen in schwierigen Zeiten überhaupt eine Dividende leisten können, ist eine andere Frage. Künftige Ausfälle sind daher programmiert.
Von Geschenken à la „Bäumchen rüttel dich, Bäumchen schüttel dich, wirf Gold und Silber über mich“ wie im Märchen vom Aschenputtel hält M&G-Fondsmanager Rhodes überhaupt nichts: „Anleger sollten sich jetzt nicht von hohen Prozenten blenden lassen, sondern auf Unternehmen schauen, die ihre Dividenden in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht haben. Ein gutes Beispiel ist der US-Pharma- und Kosmetikkonzern Johnson & Johnson, der seit 46 Jahren jährlich die Ausschüttung steigert.“ Rhodes gefallen auch Titel wie Coca-Cola und Nestlé, die er langfristig in sein Portfolio gebucht hat.

Orientierungshilfe Cashflow
Eher skeptisch ist Rhodes hingegen bei den Dividendenversprechen des Chemieriesen BASF, der sechs Prozent Rendite zahlen will: „Die sollten das Geld eher zur Sanierung verwenden, dort wäre es besser eingesetzt.“ Nicht ganz so negativ sieht Oliver Pfeil, Manager des DWS Top Dividende (ISIN DE0009848119) die Entwicklung von BASF: „Der Konzern hat zehn Jahre die Dividende nicht gekürzt, diese Politik werden sie wohl weiter verfolgen.“ Pfeil setzt im Fonds derzeit auf zyklische Sektoren und Versorger sowie auf dividendenstarke Titel wie France Télécom mit über neun Prozent Rendite. Pfeil: „Wenn die Dividende nicht gekürzt wird und die operativen Gewinne hoch genug sind, um hohe Ausschüttungen vorzunehmen, dann sind das Zeichen, dass es einem Unternehmen gut geht.“ Wer sich Dividendentitel ins Depot legen möchte, sollte zur Orientierung auch einen Blick auf den Cashflow des Unternehmens werfen, der ein Anzeichen dafür ist, ob die Dividende auch durch hohe Cash-Erträge gedeckt ist. Dividenden­experte Ehrhardt: „Investoren sollten die frei verfügbaren Mittel über eine Zeitspanne von fünf bis zehn Jahren begutachten. Ich bevorzuge Titel, deren Cashflow stabil ist, wie zum Beispiel den Energieerzeuger RWE oder das Bauunternehmen Bilfinger Berger.“

Finanztitel stark gelitten
Ganz anders ist die Situation der Banken, die traditionell als ausschüttungsfreundlich galten. Fondsverwalterin Parhammer, die sich bereits im Vorjahr von ihren Positionen im Finanzsektor getrennt hat: „Finanztitel waren früher gute und sichere Dividendenzahler. Da gibt es jetzt immens viele Kürzungen und Ausfälle.“ Und das wird auch noch eine Weile so bleiben. „Durch die jüngsten Regierungsinterventionen sind bei einigen Finanzinstitutionen Ausschüttungen für mindestens ein Jahr praktisch gestrichen“, sagt Sonja Schemmann, Managerin des Schroder Global Equity Yield (LU0248166992), die Titel wie JP Morgan und UniCredit wegen Dividendenkürzungen verkaufte, eine deutsche Börse im März jedoch neu ins Portfolio mit aufnahm. Schemmann setzt derzeit vor allem auf Titel aus der US-Gesundheitsbranche wie Pfizer und Merck, also auf Unternehmen, die eine gute Dividende zahlen und bei denen die Wachstumsfantasie weiter intakt ist.

Nichts überstürzen
Investoren, die Aktien von Unternehmen im Portfolio haben, die ihre Dividende gekürzt oder komplett gestrichen haben, sollten einen kühlen Kopf bewahren. „Das Schlimmste wäre jetzt, diese Titel sofort zu verkaufen, da zahlt man nur drauf“, warnt M&G-Fondsmanager Rhodes, der die amerikanischen Finanzunternehmen Wells Fargo und US Bancorps weiter im Portfolio belässt, obwohl sie ihre Dividende komplett gestrichen haben. „Das sind grundsätzlich extrem gute Unternehmen, die sicher wieder eine Dividende zahlen werden, sobald sie sich saniert haben.“ Wer hingegen schon wieder damit liebäugelt, Positionen aufzubauen, kann es langsam angehen und sollte sich auf Stock-Picking konzentrieren. Schließlich gibt es nach den starken Korrekturen am Aktienmarkt derzeit eine Vielzahl an guten Papieren zu niedrigen Einstiegskursen. Volksbank-Expertin Parhammer: „Jetzt ist eine gute Gelegenheit, schrittweise in Tranchen zu investieren.“ Anleger, die zu dividendenstarken Titeln greifen, sollten auf die Mischung achten. Fondsmanager Ehrhardt: „Für das Grundportfolio sind defensive Titel gut, man sollte es aber auf jeden Fall mit wachstumsstarken Papieren anreichern.“

Dividendenaktienfonds im Vergleich
Wer die Aktienauswahl einem Fondsmanager überlassen möchte, hat die Auswahl unter mehreren Dividendenaktienfonds (siehe Grafiken zu DJE Dividende & Substanz , DWS Top Dividende , Schroder Global Equity Yield und Volksbank Dividend Interest ). Einige haben allerdings die Krise nur mit Blessuren überstanden. Hauptgrund war der hohe Anteil von ausschüttungsfreundlichen Bank- und Ölaktien, die aber 2008 besonders unter Druck gerieten. Jan Ehrhardt, Manager des derzeit besonders erfolgreichen DJE Dividende & Substanz, verdankt sein gutes Abschneiden auch der hohen Bargeldquote im Fonds. Derzeit hält er noch 35 Prozent in Cash. Ehrhardt: „Wir sind zwar noch nicht voll investiert, aber zuversichtlich. Bis der Weltmotor wieder anspringt, kann bis 2010 dauern.“

Von Carolina Burger, Ingrid Krawarik

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