"Diese Rally wird ein schnelles und schreckliches Ende haben"

Berühmt wurde er in Österreich durch einen im angesehenen Finanzmagazin "Barron’s“ im Februar 1985 erschienenen Artikel: Ein gewisser James B. Rogers äußerte sich dort auffallend positiv über einen "unterentwickelten, aber hochinteressanten Emerging Market“. Gemeint war die Börse Wien. Was danach geschah, ist Legende.

"Diese Rally wird ein schnelles und schreckliches Ende haben"

Die Wiener Börse wurde aus ihrem damals schon 16 Jahre währenden Dornröschenschlaf wach geküsst. Innerhalb eines Jahres stieg der Wiener Börse Kammer Index um 200 Prozent. Zunächst waren es ausländische Spekulanten, die Rogers’ Empfehlung folgten. Dann zog das heimische Anlegerpublikum nach.

4.200 Prozent

Jim Rogers hat aber eine noch beeindruckendere Performance als die der Börse Wien hingelegt. Der von ihm gemeinsam mit George Soros in den 1970er-Jahren gegründete Quantum-Fonds brachte es in zehn Jahren auf einen Zuwachs von 4.200 Prozent. Der S&P-Index schaffte in dieser Zeit 47 Prozent. Rogers stieg 1980, im Alter von 37 Jahren, aus, blieb aber weiterhin als Investor aktiv. Seine Empfehlungen waren stets gefragt. 1999 empfahl er gegen die herrschende Marktmeinung den Kauf von Gold. Damals zu einem Preis von 250 US-Dollar die Unze. Jetzt liegt der Preis bei 1.650 US-Dollar. Für 2013/2014 erwartet Rogers eine Rezession (siehe Interview).

Im Dezember 2007 verkaufte Rogers sein Apartment in New York für 16 Millionen US-Dollar und zog nach Singapur. In seinem soeben erschienenen Buch "Die Wall Street ist auch nur eine Straße“ beschreibt er sein Leben und die Investmentchancen in Asien. Rogers: "Das 19. Jahrhundert war das von Großbritannien. Das 20. Jahrhundert das der USA. Das 21. Jahrhundert ist das von Asien.“

FORMAT : Sie haben 1985 die Wiener Börse wach geküsst. Was halten Sie heute von diesem Markt? Würden Sie wieder österreichische Aktien kaufen?

Jim Rogers : Österreich ist ein wunderbares Land. Es ist mein absolutes Lieblingsland in Europa, aber ich würde hier und in Europa für die nächste Zeit mit Aktien sehr vorsichtig sein.

Im vergangenen Jahr hat der ATX aber ein Plus von 27 Prozent erzielt. Und für 2013 erwarten Analysten auch ein gutes Ergebnis. Warum sind Sie skeptisch?

Jim Rogers : Es werden im Augenblick viele gute Nachrichten lanciert. Aber die haben meistens keinen realen Hintergrund. In Europa finden heuer wichtige Wahlen statt. Italien wählt im März, und Frau Merkel will im Herbst wiedergewählt werden. Da ist es sehr wichtig, dass gute Nachrichten verbreitet werden. Vorwahlzeiten sind immer gut für die Börsen. Aber man muss auch an die Zeit nach den Wahlen denken.

Glauben Sie nicht, dass sich die Aktienkurse heuer gut entwickeln werden?

Jim Rogers : Wahrscheinlich schon. Aber das ist eine von den Zentralbanken ausgelöste Rally. Der Anstieg der Aktienkurse hat keinen fundamentalen Grund. Anleger, die jetzt investieren, müssen sehr vorsichtig sein. Denn diese Rally wird ein schnelles und schreckliches Ende haben.

Wann könnte das der Fall sein?

Jim Rogers : Man muss sich nur ansehen, was gerade passiert. Die japanische Zentralbank druckt Geld ohne Ende. Der Yen hat abgewertet, und die Kurse japanischer Aktien sind gestiegen. In den USA haben wir dieselbe Situation. Präsident Obama lässt die Notenbank ihre Gelddruckmaschinen anwerfen. Er nennt das "Quantitative Easing“. US-Aktien steigen. Und in Europa hat die Zentralbank versprochen, Staatsanleihen von notleidenden Ländern im unbegrenzten Ausmaß aufzukaufen. Die Rally, die wir jetzt sehen, ist eine Zentralbank-Rally. Es wird Geld gedruckt, und das muss irgendwohin fließen. Die Zinsen sind niedrig, also fließt das Geld in Aktien. Aber die fundamentalen Probleme der einzelnen Volkswirtschaften, ihre hohe Verschuldung werden dadurch nicht gelöst. Ich fürchte daher, dass wir Ende 2013 oder 2014 in eine Rezession schlittern werden.

Wie legen Sie dann Ihr Geld an?

Jim Rogers : Ich investiere zum Beispiel in russische Aktien, Anleihen und auch in den Rubel selber. Russland ist stark unterbewertet. Niemand mag Putin. Viele Anleger haben noch Angst, dass sie ihr Geld nicht mehr aus dem Land bekommen. Aber das Land verändert sich und hat langfristig sicherlich eine große Zukunft. Das sind die Grundlagen, nach denen man langfristig investieren sollte.

Russland ist Ihrer Meinung nach besser als die USA, Asien oder China?

Jim Rogers : In den USA würde ich kein Geld anlegen. Aber asiatische Märkte sind natürlich sehr interessant. In Asien liegt die Zukunft. Deshalb bin ich auch von New York nach Singapur gezogen. Ich finde speziell, dass Myanmar für Anleger langfristig große Chancen bietet.

Und wo sehen Sie kurzfristige Chancen?

Jim Rogers : In Japan. Dort können Anleger ausnützen, dass die japanische Nationalbank die Märkte mit Geld überschwemmt und damit die Aktienkurse antreibt. Denn japanische Aktien sind um 75 Prozent gefallen. Amerikanische Aktien sind hingegen fast auf einem Höchststand.

Wenn Sie für 2013/2014 eine drohende Rezession sehen, sollte man dann nicht weiter Gold kaufen?

Jim Rogers : Nein. Der Goldpreis ist auf einem sehr hohen Wert. Ich würde kein Gold mehr kaufen. Den Goldbestand, in dem ich investiert bin, halte ich aber.

Und wie sieht es mit Rohstoffen aus?

Jim Rogers : Ich würde nicht in Öl investieren. Aber ich sehe große Chancen in der Landwirtschaft. Weltweit wird mehr konsumiert als produziert. In vielen Ländern der Welt sind Nahrungsmittel immer wieder knapp. Aber niemand will mehr Landwirt sein. Die jungen Leute wollen ins Internet- oder Marketing-Business. Die Bauern sterben aus. Deshalb habe ich einen eigenen ETF (Exchange Traded Fonds, Anm.) für landwirtschaftliche Indizes gegründet.

Haben Sie noch ein paar Geheimtipps für Anleger?

Jim Rogers : ETFs sind der beste Weg für jeden, um überall zu investieren. Und ich beobachte gerade Bulgarien. Ich habe noch nichts gekauft, aber es gibt gute Chancen.