Die Zinsen sind am historischen Tief. Die bange Frage: Wie lange noch?

Die Zinsen sind am historischen Tief, erste Anzeichen deuten auf einen Anstieg hin. Kreditnehmer sollten sich langsam mit Fixzinsen oder Zinsobergrenzen absichern.

Für Häuslbauer, die einen Kredit zurückzahlen, herrschen im Moment paradiesische Zustände. Der 3-Monats-Euribor, jener Leitwert, der meist als Basis für Kreditzinsen herangezogen wird, notiert seit einem Jahr unter einem Prozent, aktuell bei 0,89 Prozent. Besonders Altkredite profitieren vom niedrigen Zinsniveau. Für neue Kreditnehmer sieht die Welt nicht ganz so rosig aus, da die Banken ihre eigenen Margen kräftig angehoben haben: Für an den Euribor gebundene neue Hypotheken müssen mittlerweile Aufschläge von 1,25 bis 3,0 Prozent in Kauf genommen werden. Ziemlich günstig sind aber auch diese Kredite immer noch.

Die bange Frage: Wie lange? Katja Fries, Finanzierungsspezialistin der Erste Bank: „Wir haben bei den Zinsen ein historisches Tief. Langsam gibt es jedoch Anzeichen, dass der Euribor steigen könnte. Jetzt ist die richtige Zeit, über eine Absicherung der Zinsen nachzudenken.“ Manche Experten rechnen innerhalb weniger Jahre mit einer Verdoppelung oder Verdreifachung der Zinslast, was für viele Haushalte zu schweren finanziellen Belastungen führen würde. 94 Prozent der Kredite von privaten Haushalten sind nämlich variabel verzinst.

FORMAT zeigt Möglichkeiten, wie sich Kreditnehmer sowohl mit Alt- als auch Neukrediten gegen steigende Zinsen absichern können.

Umstieg auf Fixzinsen

Das einfachste Szenario ist, von variablen auf fixe Zinsen umzusteigen. Laut Auskunft der Banken ist das auch jederzeit möglich und meist nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden. Ausnahmen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien fallen dafür 30 Euro an, die Bawag verrechnet für die Kreditvertragsänderung gar 300 Euro. Ein Blick auf die Angebote bei Privatkrediten zeigt, dass sich ein Wechsel in manchen Fällen durchaus auszahlen würde. Bei der Oberbank zahlen Kreditnehmer aktuell 4,375 Prozent pro Jahr für eine variable Verzinsung, die Bindung auf fünf Jahre kostet Zinsen von 4,5 Prozent. Das zahlt sich allemal aus. Allerdings bieten nicht alle Banken eine feste Verzinsung für Konsumkredite an, was oft mit der kürzeren Laufzeit und mehr Flexibilität für die Kunden begründet wird. In solchen Fällen wäre eine Umschuldung ein Ausweg.

Ähnlich ist das Bild bei Hypothekarkrediten. Die RLB NÖ-Wien veranschlagt 2,375 Prozent für ein variabel verzinstes Darlehen. Wer sich auf zehn Jahre bindet, zahlt 3,875 Prozent pro Jahr. Häuslbauer, die von stark steigenden Zinsen ausgehen, sind mit dem festen Zinssatz sicher besser dran, obwohl am Anfang ein bisschen tiefer in die Tasche gegriffen werden muss.

Deckelung nach oben

Wer sich noch nicht von seinem variabel verzinsten Kredit trennen und von den aktuell tiefen Zinsen profitieren möchte, der kann sich mittels sogenannten Zinscaps nach oben hin absichern. Dieses Produkt wird derzeit aktiv von allen Banken – Ausnahme: Bawag – angeboten. Christian Tunkl, Finanzierungsexperte der RLB NÖ-Wien: „Der Vorteil gegenüber dem Fixzins ist, dass Kunden die derzeit wirklich tiefen Zinsen weiter mitnehmen können.“

Mit dem Zinscap wird der Basiszinssatz, also meist der 3-Monats-Euribor, gedeckelt, bleibt aber variabel. Dafür zahlt der Kreditnehmer eine einmalige Prämie und versichert sich so gegen ein zu hohes Zinsniveau. Bei der Erste Bank kostet eine Deckelung des Euribor auf 3,5 Prozent bei einer Laufzeit bis Ende 2024 eine Prämie von einmalig 4,85 Prozent des Kreditbetrags. Falls der Euribor während der Laufzeit zum Beispiel auf 5,5 Prozent steigt, bekommt der Kunde von der Bank 2,0 Prozent gutgeschrieben. Grundsätzlich gilt: Je niedriger der Cap und je länger die Laufzeit, desto höher ist die Prämie.

Zinscaps gibt es auch für kürzere Laufzeiten. Die Bank Austria bietet unter anderem eine Deckelung bei 3,0 Prozent auf fünf Jahre. Die Prämie für diesen Cap beträgt 4,0 Prozent der Kreditsumme. Zinscaps sind ab einem Kreditvolumen von 50.000 Euro möglich. Bei Darlehen ab 250.000 Euro steht auch eine jährliche Zahlung der Prämie offen. Gerade für neue Hypotheken sollte man unbedingt mehrere Angebote von unterschiedlichen Banken einholen.

Tauschgeschäft zur Absicherung

Neben festen Zinsen und Zinscap gibt es in Form des Zinsswaps ein weiteres Modul zur Absicherung, das jedoch von den Finanzinstituten nicht so aktiv beworben wird. Mit einem Zinsswap lassen sich bei Altkrediten ansteigende Zinsen im Zaum halten. Der Zinsswap ist ein Termingeschäft zwischen Bank und Kunde, bei dem der Kreditnehmer von der Bank immer den aktuellen Euribor erhält, mit dem er den Kredit zurückzahlt. Fritz Galavics, Experte der Bank Austria: „Ganz vereinfacht gesagt, verpflichtet sich der Kunde, der Bank auf eine bestimmte Laufzeit einen fixen Zinssatz zu zahlen.“ Wie beim Cap wird auch beim Zinsswap eine Marge von zwei bis drei Prozent verrechnet.

Derzeit bietet die Bank Austria einen Zinsswap von 2,29 Prozent auf den Euribor mit einer Laufzeit von fünf Jahren an. Das bedeutet, obwohl der 3-Monats-Euribor aktuell bei 0,89 Prozent notiert, muss der Kunde 2,29 Prozent zahlen. Steigt der Euribor aber in den nächsten Jahren über 2,3 Prozent, profitiert der Kunde. Bank-Austria-Spezialist Galavics: „Wenn man von einem steigenden Euribor ausgeht, würde ich den Swap empfehlen. Die Frage ist, wo die persönliche Schmerzgrenze liegt. Mit einem Swap ist man flexibler, weil er nicht Teil des Kreditvertrags ist. Ich kann ihn auf alte Kredite aufstülpen, aber auch jederzeit auflösen.“

– Ingrid Krawarik

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