Die Verwandlungskünstler: Wandelanleihen als clevere Alternative zu Aktien

Die Verwandlungskünstler: Wandelanleihen als clevere Alternative zu Aktien

Die Natur macht’s vor: Aus unscheinbaren Raupen werden wundervolle Schmetterlinge. Wunder der Verwandlung gibt es auch an der Börse: Aus langweiligen Anleihen können Highflyer werden. Denn bei sogenannten Wandelanleihen können sich Anleihen als Aktien entpuppen.

Der unschlagbare Vorteil: Anleger kaufen indirekt eine Aktie und müssen sich erst Jahre später entscheiden, ob sie diese tatsächlich haben wollen. Denn mit Wandlern können Anleger mit geringem Risiko auf Aktien setzen und müssen nur geringfügig auf Renditechancen verzichten.

Wandelanleihen bieten sich deshalb gerade in schwierigen Börsensituationen wie dieser an. Sollten sich die Märkte nach der Korrektur erholen, partizipieren Anleger von den Anstiegen. Entwickelt sich der Kursrückgang zur ausgewachsenen Baisse, sind Anleger mit Wandelanleihen nach unten relativ gut abgesichert. Als Faustregel gilt, dass sie in Aufschwungphasen zwei Drittel der Kurszuwächse der Aktie mitmachen. Dafür vollziehen sie aber die Abwärtsbewegung nur zu einem Drittel mit.

Gutes Umfeld für Wandler

Dass die Papiere bei einer Rally gut mitziehen, belegen die Renditen seit Jahresbeginn bis Ende April. So stiegen europäische Wandelanleihenfonds im Schnitt um 7,1 Prozent. Im Vergleich dazu schnitten europäische Aktienfonds mit 8,1 Prozent nicht viel besser ab. Auch in den nächsten Monaten rechnen Experten mit anhaltend soliden Erträgen. „Das niedrige Zinsniveau ist ein ansprechendes Umfeld für Wandelanleihen, da sie höhere Renditen als Staatsanleihen bieten“, so Beat Thoma von Fisch Asset Management.

Anleger müssen beachten, dass sich jede Wandelanleihe im Prinzip aus einer Unternehmensanleihe und einer Option zusammensetzt. Das Recht, die Anleihe zu einem festgelegten Zeitpunkt zu einem bestimmten Wandlungspreis in Aktien zu tauschen, gewinnt an Wert, sobald sich der Aktienkurs dem Wandlungspreis annähert, da dann die Chancen auf attraktive Gewinne steigen. Sollte die Aktie wieder fallen, geht es auch mit dem Kurs der Wandelanleihe bergab. Einziges Risiko ist die Möglichkeit, dass der Emittent pleitegeht.

Emissionsvolumen steigt rasant

Die Aussicht auf solide Zusatzprofite führte in den vergangenen Monaten zu einer Renaissance der Papiere. Europäische Firmen haben heuer über 3,8 Milliarden Euro solcher Zwitterpapiere begeben. Neben bekannten Namen wie Siemens und Adidas platzieren vor allem kleinere Unternehmen solche Zwitterwesen. Das Angebot traf meist auf eine hohe Nachfrage. „Dieser Trend wird sich fortsetzen“, glaubt Experte Thoma.

Dennoch sind diese Spezialkonstruktionen nicht gänzlich ohne Risiko. Die Emittenten wählen diese Anlageform, weil sie nicht so hohe Zinsen zahlen müssen, wie es bei klassischen Firmenanleihen üblich ist. So weisen zwei Drittel der Wandelanleihen nur schwache Bonitätsnoten auf und stammen vergleichsweise selten von bekannten Firmen. Die Zinsen liegen im Schnitt zwei Prozentpunkte unter jenen von Firmenanleihen.

Aber private Anleger sollten ohnehin nicht nach Einzeltiteln Ausschau halten, dazu ist das Investment zu komplex. Denn Investoren müssen sowohl die Bonität des Unternehmens beurteilen als auch die Chancen am Aktienmarkt und sollten in der Lage sein, die Option, also das Wandlungsrecht, richtig zu bewerten. Zudem beginnt die Stückelung meist erst bei 50.000 Euro.

Anlegern bietet sich aber mittlerweile eine breite Auswahl von Fonds. Diese Instrumente haben jedoch recht unterschiedliche Anlageprofile. Manche Fonds investieren in Titel guter Bonität, andere wagen sich an Wandler aus wirtschaftlich angeschlagenen Ländern heran. Solche Investments sind zwar eine politische Wette und haben wenig mit klassischen Wandelanleihen zu tun, aber der Markt für diese Anleihen ist liquide, und die Papiere werfen hohe Renditen ab.

In den USA ist die Auswahl solcher Wandelanleihen am größten, denn zwei Drittel der Wandler werden von US-Firmen begeben. Die meisten dieser Zwitteranleihen laufen die nächsten vier, fünf Jahren – sofern sie nicht pleitegehen und wenn alles gut läuft von steigenden Kursen profitieren.

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Service

Die Suche nach dem besten Konto

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik

Geld & Service

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik