Die Tipps der Börsen-Gurus

Die Börsen steigen heuer wie entfesselt. Die Umschuldung Griechenlands sorgt für zusätzlichen Schub. Fünf Star-Fondsmanager verraten ihre persönlichen Lieblingsaktien, die man jetzt kaufen sollte.

Die Anleger sind zurück. Schon der Start im Jänner lief besser als seit Jahrzehnten. Jetzt sorgen die Umschuldung in Griechenland und positive Konjunkturzahlen aus den USA für weitere Kurssprünge. Der DAX, der im vergangenen Herbst unter die 5.000er-Marke zu fallen drohte, übertraf Mitte der Woche wieder die wichtige 7.000er-Hürde. Auch sonst werden die runden Zahlen gleich in Serie gefeiert: Der japanische Nikkei knackte 10.000 Punkte, der amerikanische Dow Jones notiert wieder über 13.000, und der breiter gefasste S&P steht kurz vor dem Durchbruch bei der 1.400er-Latte.

Das Ende der Fahnenstange, so glauben die meisten Experten, ist damit noch längst nicht erreicht. Viele Aktionäre, darunter auch wichtige Großinvestoren wie Versicherungen und Pensionskassen, haben die Rally verschlafen und springen jetzt erst auf den fahrenden Zug auf. Selbst ein Kursrückschlag wäre kein Malheur. Das wäre für vorsichtige Anleger die erhoffte Gelegenheit, doch noch etwas günstiger einzusteigen. FORMAT befragte deshalb fünf renommierte Fondsmanager nach ihren fünf Lieblingsaktien. Die Bandbreite reicht von soliden Dividendentiteln bis zu spekulativeren Titeln aus den Schwellenländern.

Auffällig: Praktisch alle genannten Titel haben ein ausgesprochen solides Geschäftsmodell wie zum Beispiel Brauereien. Spekulative Wetten auf Finanzaktien fehlen. Eine Ausnahme ist die russische Sberbank, eine vergleichsweise solide Sparkasse, als indirekte Wette auf den Ölpreis. Dazu ist der Ölsektor mit Titeln wie Chevron und Ophir Energy gleich mehrfach vertreten. Schließlich ist ein steigender Ölpreis im Augenblick eine der wichtigsten Gefahren für die Börsenentwicklung. Sollte der Konflikt im Iran eskalieren, können Ölaktien die Gesamtperformance des Depots zumindest teilweise retten.

8,6 Prozent Jahresplus seit 2002

Wohl prominentestes Mitglied in der Jury ist Graham French, Manager des M&G Global Basics. Während andere Weltaktienfonds in den vergangenen zehn Jahren unter dem Strich keinerlei Gewinn erzielten, schaffte French einen durchschnittlichen Jahresgewinn von 8,6 Prozent und liegt damit an der Spitze der Konkurrenz.

French ist bei aller Vorsicht durchaus optimistisch: "Die Aktien profitieren von der Niedrigzinspolitik der Notenbanken, die USA kämpfen sich zurück auf den Wachstumspfad, und auch aus China kommen positive Signale.“ Gleich drei seiner fünf Lieblingsaktien sind Minenaktien, darunter sein bestes Investment aller Zeiten, die australische Iluka Resources .

Ähnlich zuversichtlich für Rohstoffaktien ist auch Nick Price. Der Star-Fondsmanager des Fidelity EMEA, der in Russland, im Nahen Osten und Afrika investiert, zählt die südafrikanische Goldmine Harmony Gold und den Ölkonzern Ophir Energy zu seinen Top-Titeln. Auch die halbstaatliche Sberbank in Russland ist indirekt ein Nutznießer der hohen Ölpreise, weil der gesamte Wohlstand des Landes am Öl hängt. Price: "Für die nächsten zehn Jahre erwarte ich bei der Sberbank eine Ausweitung des Kreditvolumens von über 15 Prozent im Jahr. Da die Sberbank mehr als 50 Prozent der Spareinlagen Russlands verwaltet, kann sich die Bank im Vergleich zu ihren Mitbewerbern günstig refinanzieren.“

Auffälligerweise finden sich gleich zwei Brauereien unter den 25 Tipps der Gurus. Price setzt auf die zweitgrößte Brauerei der Welt, die südafrikanisch-britische SABMiller . Andreas Zöllinger, Manager des Dividendenfonds BlackRock European Equity Income, bevorzugt die belgische Anheuser-Busch InBev . In Zeiten, in denen die Weltwirtschaft mit milliardenschweren Liquiditätsspritzen aufgepäppelt wird, sind auch Flüssigkeiten ganz anderer Art gefragt: Die Anheuser-Aktie erzielte heuer bereits einen Kursgewinn von 15,8 Prozent,

Austro-Hoffnungsträger. Für Alois Wögerbauer, Chef der 3-Banken-Generali-Fonds und selbst Fondsmanager eines Österreich-Aktienfonds, ist die Wiener Börse durchaus einen Blick wert. Ein aktueller Kauftipp ist Lenzing - und das selbst nach einem spektakulären Kursanstieg von 31 Prozent seit Jahresbeginn. Wögerbauer: "Die Lenzing-Viskosefasern auf Basis von Holz haben viele Vorteile gegenüber herkömmlichen aus Baumwolle. Mit einem aktuellen KGV von unter 10 sind die mittelfristigen Chancen des Unternehmens noch längst nicht eingepreist.“

Chemie ist auch ein Thema für Volksbank-Fondsmanager Ulrich Baumann. Ihm sticht derzeit der US-Gigant DuPont ins Auge: "Es gibt kaum Branchen, die auf DuPont verzichten können.“ Ein weiterer Chemietitel ist die norwegische Yara , die weltweite Nummer eins für Stickstoffdüngemittel. Baumann: "Yara ist in über 50 Ländern der Welt aktiv, 40 Prozent der Umsätze stammen bereits aus Schwellenländern. Die Nitratpreise sind seit Juli 2009 um 150 Prozent gestiegen, die Aktie aber nur um 50 Prozent.“

Das starke Standbein in den Schwellenländern ist eine weitere Gemeinsamkeit vieler empfohlener Unternehmen. In Zeiten, in denen viele Industriestaaten noch jahrelang unter Sparpaketen leiden werden, zählt das starke Wachstum in Asien, Lateinamerika und Afrika doppelt.

- Carolina Burger, Martin Kwauka

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