Die Rückkehr der Rothschilds

Baron Benjamin de Rothschild erfüllt die Erwartung, die man vom Weltbild eines echten Kapitalisten hat, mit adeliger Verve: „Unter François Hollande dient die Steuer zur Enteignung. Er hat die Jagdsaison auf Reiche eröffnet. Deshalb werden jene Menschen, die nachhaltige Werte schaffen, das Land auch verlassen“, sagte er dem französischsprachigen Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilan“ vor kurzem.

Die Rückkehr der Rothschilds

Benjamin de Rothschild ist Nachfahre der von Mayer Amschels Sohn James begründeten Pariser Dynastie der Rothschilds. Aber natürlich lebt er in der steuerschonenden Schweiz. Verständlich – schließlich schätzte er 2010 sein eigenes Vermögen auf vier Milliarden Euro. „Aber es ist schwer, das so genau zu sagen“, gibt der Baron wenigstens zu.

Die 1953 von seinem Vater Edmond de Rothschild gegründete, auf Private Banking und Asset Management spezialisierte Finanzgruppe verwaltet 150 Milliarden Euro und ist in Amerika, Europa und im Mittleren Osten vertreten. Bereits vor vier Jahren war der Schritt nach Österreich mit einer eigenen Niederlassung geplant. Doch die Finanzkrise von 2008 durchkreuzte die Pläne. Jetzt starten die Rothschilds erneut Versuche, sich dem Reichtum in Österreich anzunähern.

Markt Österreich

Von Frankfurt aus will man institutionelle, aber auch private Anleger für Rothschild-Fonds interessieren. „In Österreich gibt es eine Fülle von institutionellen Investoren, Pensionsfonds, Stiftungen, große Privatvermögen. Diese Kunden sind für uns sehr wertvoll“, sagt Rupert Hengster, Manager der für Deutschland und Österreich zuständigen Edmond-de-Rothschild-Asset-Management-Niederlassung in Frankfurt. Denn mittlerweile steht der geschichtsträchtige Name nicht nur Großanlegern offen. Die Fonds können auch in kleineren Stückelungen mit 100, 500 oder 1.000 Euro gezeichnet werden. Zwar können Kleinanleger die Fonds nicht direkt bei der Rothschild Vermögensverwaltung kaufen, aber natürlich über ihre eigene Bank ordern.

Wolfgang Traindl, Leiter der Vermögensverwaltung der Erste Bank, empfiehlt seinen Kunden beispielsweise den Edmond-de-Rothschild-Signatures-Financial-Bonds-Fonds (ISIN: FR0011034495). Er investiert in Hybridanleihen von Banken und hat damit im ersten Jahr seines Bestehens bereits 30 Prozent zugelegt.

Hohe Gebühren

Beim Ausblick auf die Märkte halten sich die Rothschild-Fondsmanager an den Common Sense: Aktien haben gute Chancen und sind immer noch günstig bewertet. Auf der Anleihen-Seite sind sie hingegen vorsichtig. Dennoch beobachten sie den Anleihen-Sektor und investieren bei günstigen Gelegenheiten. Einziger Wermutstropfen bei den im Schnitt gut performenden Fonds: Für das private Publikum fressen die Gebühren einen guten Teil der Erträge weg. Deutschland- und Österreich-Manager Rupert Hengster: „Der Veranlagungsprozess für institutionelle und Retail-Fonds ist genau der gleiche. Großanleger zahlen aber eine geringere Gebühr, weil ihre Mindestveranlagung deutlich höher ist.“ Ein gewisser Standesunterschied muss bei den Rothschild-Anlegern also doch sein.