Die Newcomer im Zockerparadies

Die neuen Hedgefonds „light“ versprechen mehr Transparenz und Sicherheit. FORMAT analysiert, welche Produkte gut laufen und wie Österreichs Alternativfonds-Pionier Superfund abschneidet.

John Paulson wird es verschmerzen, dass ihm die Anlage-Fortuna momentan nicht hold ist. Heuer griff der Hedgefondsmanager, der mit einem Vermögen von 16 Milliarden Dollar im jüngsten Milliardärsranking des US-Magazins „Forbes“ Platz 39 belegt, bei seinen Investments bereits mehrmals daneben. In Summe rutschte der von Paulson gelenkte Hedgefonds Paulson Advantage Plus seit Jahresbeginn mit minus 20 Prozent tief in die roten Zahlen. Mittelbar von Paulsons Problemen sind jene Anleger betroffen, die in den DB Paulson Global investierten. Der von der Deutschen Bank aufgelegte Hedgefonds mit EU-Domizil investierte nach Paulsons Strickmuster und verlor seit Jahresanfang 13 Prozent.

Im Gegensatz dazu läuft das Werkel bei anderen EU-Hedgefonds der neuesten Generation rund. Zu den Top-Produkten zählt etwa der Long-Short-Fernostaktienfonds Henderson China (ISIN LU0327786744). Seit Juni 2008 erzielten die Fondsmanager Caroline Maurer und Andrew Mattlock trotz Finanzkrise einen Gesamtertrag von 67,2 Prozent. Der Einstieg in den Fonds, der aus steuerlicher Sicht blütenweiß ist, ist ab 2.500 Euro möglich.

Hedgefonds „light“

Das gemeinsame an dem China-Fonds und dem Paulson-Fonds der Deutschen Bank: Beide Produkte unterliegen, anders als herkömmliche Hedgefonds, dem EU-Rechtsregime. Diese landläufig als „Newcits“ bezeichneten Hedgefonds weisen gegenüber den bisherigen Alternativfonds mehrere Vorteile auf.

Der Einstieg ist in manchen Fällen bereits ab 1.000 Euro möglich, während die Latte bei etablierten Hedgefonds häufig bei 50.000 Euro und höher liegt. Weiterer Pluspunkt: Die Anbieter von Newcits-Fonds müssen garantieren, dass Anleger die Fondsanteile innerhalb einer Frist von maximal zwei Wochen verkaufen können. Im Gegensatz dazu ist bei klassischen Hedgefonds, die in Steuerparadiesen registriert sind, Geduld gefragt, ist doch ein Ausstieg oft nur nach einer mehrmonatigen Frist oder gar erst nach einem Jahr möglich.

Alexandra Bolena, Hedgefonds-Expertin bei dem Wiener Anlageberater Absolute Return Consulting (ARC): „Wegen der höheren Transparenz und der deutlich besseren Liquidität sind eigentlich nur noch Newcits-Fonds an den Mann zu bringen.“ Wie bei herkömmlichen europäischen Aktien- und Anleihenfonds ist bei Newcits-Produkten auch eine verpflichtende Trennung von Fondsmanagement und Verwahrung des investierten Geldes bei einer Depotbank obligatorisch. Zusätzlich gelten strenge Regeln zur Risikobegrenzung, die Investments müssen zum Beispiel ohne Hebel auskommen.

Bei der Anlage der investierten Gelder genießen die Hedgefonds „light“ aber gegenüber herkömmlichen Fonds-Produkten mehr Freiheiten: Sie können sowohl auf steigende („long“) als auch fallende Kurse („short“) setzen, was sich gerade in schwierigen Börsenphasen bezahlt machen kann.

Wunderwaffe oder Rohrkrepierer

Anleger stehen nun vor der Frage, ob es sich bei der noch jungen Riege der inzwischen 500 Newcits-Fonds nur um einen Marketing-Gag der Fondsindustrie handelt oder ob sie tatsächlich das Zeug dazu haben, die neuen Wunderwaffen der Geldanlage zu werden. Superfund-Gründer Christian Baha zählt mit dem Ende 2010 lancierten Super fund Blue Marktneutral bis jetzt nicht zu den Senkrechtstartern. Seit dem Start hat die Publikumsversion des Long-Short-Aktienfonds, in den ab 2.000 Euro investiert werden kann, einen Verlust von 3,2 Prozent eingefahren. Auch die anderen Alternativfonds nach Luxemburger Recht, die Superfund mit relativ geringen Mindestinvestments an Kleinanleger adressiert, kamen bisher nicht so recht vom Fleck (siehe Substory ).

Wegen Erfolgs geschlossen

Mit einem Drei-Jahres-Ertrag von 46,4 Prozent kam das Asien-Pazifik-Depot Schroder Asian Total Return (ISIN LU0372739705, Einstieg ab 1.000 Euro) auf Drei-Jahres-Sicht weit besser über die Runden. Wer angesichts dieser guten Bilanz Fondsanteile kaufen will, muss sich aber gedulden. Schroders-Fondsmanager Robin Parbrook: „Die Strategie des Fonds funktioniert nur bis zu einem Volumen von rund einer Milliarde Dollar gut. Nachdem diese Marke erreicht wurde, sind bis auf Weiteres keine Neuinvestments möglich.“

Dagegen können Anleger in den Henderson Pan European Alpha (ISIN LU0264597617, Drei-Jahres-Ertrag 29,8 Prozent), der in Aktien aus dem EWR-Raum investiert, nach wie vor ab einem Mindesteinsatz von 2.500 Euro einstiegen. Auch der Absolute Insight Credit Fund (ISIN IE00B3CLDN55) ist weiterhin offen. Er brachte es mit Long-Short-Veranlagungen in alle möglichen Anleihenkategorien von Unternehmensanleihen bis hin zu Asset Backed Securities und Credit Default Swaps auf Jahressicht auf insgesamt 24,9 Prozent Ertrag – und das ohne nennenswerte Schwankungen. Bei diesem Fonds ist der Einstieg ab 3.000 Euro möglich, die Anteile können wöchentlich verkauft werden.

Anleger, die wissen wollen, wie die breite Masse der europäischen Hedgefonds „light“ im Rennen liegt, finden im Internet beim britischen Informationsdienst Citywire eine eigene Newcits-Datenbank. Schon ein kurzer Blick darauf zeigt, dass man auch bei Newcits-Fonds um die Suche nach den besten Produkten nicht herumkommt. Wie bei herkömmlichen Fonds fallen die Leistungen der Fondsmanager höchst unterschiedlich aus.

– Robert Winter

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