Die Klassische Lebensversicherung: Warum sie immer weniger bringt

Die Garantieverzinsung für Lebensversicherungen beträgt seit April nur noch zwei Prozent. Außerdem haben viele Assekuranzen die Gewinnbeteiligung reduziert. FORMAT analysiert die Auswirkungen.

Seit April ist der Kampf gegen die Altersarmut noch schwieriger geworden. Wer privat mit einer konservativen Er- und Ablebensversicherung vorsorgt, bekommt bei neuen Verträgen statt bisher 2,25 Prozent nur noch glatte zwei Prozent Garantieverzinsung. Bei der variablen Gewinnbeteiligung, die auch Altverträge betrifft, zeigt die Tendenz heuer wegen des tiefen Zinsniveaus von Staatsanleihen ebenfalls weiter abwärts. Nur noch bei zwei von 14 untersuchten Assekuranzen steht bei der Gesamtverzinsung eine Vier vor dem Komma. Viele Anbieter sind sogar auf 3,25 Prozent zurückgegangen. FORMAT zeigt, wer wie viel zahlt, was Neueinsteiger jetzt noch von klassischen Polizzen erwarten können und durch welche Maßnahmen die Auszahlung erhöht werden kann.

Das Ende der vollen Kapitalgarantie

Die Senkung der Garantieverzinsung auf zwei Prozent wurde von der Finanzmarktaufsicht FMA eingefordert, damit keine Assekuranz mehr auszahlen muss, als sie selbst verdient, und möglicherweise aufgrund der tiefen Anleihenzinsen ins Trudeln gerät. Diese amtliche Zinsreduktion hat naturgemäß einschneidende Folgen für die Mindestauszahlung am Ende der Laufzeit. Wenn ein heute 30-jähriger Mann 20 Jahre lang eine Prämie von 100 Euro einzahlt, bekommt er bei elf Instituten weniger garantiert zurück als die 24.000 Euro, die er insgesamt eingezahlt hat. Die Ursache: Die vierprozentige Versicherungssteuer und die sonstigen Kosten für die Polizzenvermittler und die Assekuranzen führen dazu, dass im Schnitt nur etwa 80 Prozent der Gesamtprämien in den Spartopf der Kunden wandern. Die zweiprozentige Mindestverzinsung reicht dann in vielen Fällen nicht mehr aus, damit aus diesen 80 Prozent am Ende wieder die vollen 100 Prozent der Prämien werden.

Wiener-Städtische-Chef Robert Lasshofer: „Die Situation am Kapitalmarkt bietet für klassische Lebensversicherungen keinen Rückenwind.“ Peter Thirring, Vorstand der Generali, die den Zielwert von 24.000 Euro ganz knapp verfehlt, sieht die Situation ähnlich: „Wir sind nicht glücklich über die vorgeschriebene Senkung der Mindestverzinsung. Allerdings wird in Deutschland die Mindestverzinsung ab kommendem Jänner sogar auf 1,75 Prozent reduziert.“ Thirrings Nachsatz: „Letztlich hängt aber der Gesamterfolg einer Lebensversicherung von der zusätzlichen Gewinnbeteiligung ab.“

Erst diese variable Zusatzzahlung führt zu echten Gewinnen, um die künftige Inflation auszugleichen und aller Voraussicht nach auch eine kleine Realrendite gutschreiben zu können. Bestbieter im Vergleich ist die Grazer Wechselseitige. Im Beispielsfall bekommt ein 30-jähriger Mann am Ende 31.741 Euro als unverbindlich prognostizierte Gesamtauszahlung offeriert, davon sind 24.592 Euro fix garantierte Versicherungssumme, die auch bei einem vorzeitigen Todesfall ausbezahlt würde. Bei Frauen liegen die Werte wegen des niedrigeren Ablebensrisikos branchenweit um etwa 200 bis 300 Euro höher. Bei der Grawe sind es genau 24.874 Euro fix beziehungsweise 32.119 Euro variabel. Grazer-Wechselseitige-Vorstand Günther Puchtler: „Wir haben bei den neuen Tarifen die Kosten gesenkt. Durch unsere konservative Veranlagung und unsere hohe Eigenkapitalausstattung können wir auch noch einen Spitzenwert bei der Gewinnbeteiligung bieten.“

Die ohnehin kleinen Unterschiede zwischen den Prämien für Frauen und Männer dürften branchenweit ein Auslaufmodell sein. Ab Ende 2012 sollen EU-weit Unisex-Prämien eingeführt werden. Generali-Vorstand Thirring: „Es fehlen noch die genauen Richtlinien. Ich gehe aber davon aus, dass die Unterschiede zwischen den Tarifen für Männer und Frauen verschwinden werden. Ob die künftige Einheitsprämie dann in der Mitte liegen wird, kann man aber noch nicht sagen.“ Den Kunden, die vorher schon eine Lebensversicherung abgeschlossen haben, kann das Thema Unisex aller Voraussicht nach aber egal sein, weil wohl nur neue Verträge betroffen sein werden.

Das Ende für die Klassik?

Angesichts der mageren Renditen für die klassische Er- und Ablebensversicherung stellt sich die Frage, ob diese konservativen Varianten überhaupt noch für die Vorsorge geeignet sind und wie man die Leistungen wenigstens ein wenig verbessern kann. Für Lasshofer sind Garantieprodukte jedenfalls weiterhin der Basisbaustein für die Pensionsvorsorge: „Ich stehe auf dem Standpunkt, dass man Pensionslücken aus der staatlichen Rente mit Garantieprodukten schließen sollte.“ Um trotzdem eine möglichst hohe Realrendite zu erwirtschaften, rät Lasshofer, bei neuen Verträgen die vertragliche Einzahlungsdauer kürzer zu wählen als die Polizzenlaufzeit. Hintergrund: Bei den letzten Prämien fallen immer noch Kosten wie etwa die Versicherungssteuer an, die durch die niedrigen Zinsen nicht mehr wettgemacht werden. Lasshofer: „Man sollte zum Beispiel als vierzigjähriger Kunde die Vertragslaufzeit auf den Pensionsstichtag mit 65 ausrichten, aber die Einzahlung zehn Jahre vorher beenden.

Eine andere Möglichkeit zur Vertragsoptimierung ist ein Verzicht auf teure Zusatzbausteine wie etwa eine Dread-Disease-Klausel, bei der die Versicherung schon bei schweren Krankheiten fällig wird, und die Reduktion der Vertriebsspesen, die in der Regel eine Jahresprämie übersteigen. Hier kann man versuchen, einen Rabatt auszuhandeln oder sogar eine provisionsfreie Direktionspolizze in der Zentrale der Versicherungen abzuschließen – die Geschäftsanbahnung ist zum Beispiel via Mail mit den Eckdaten der Person und der gewünschten Versicherung möglich.

Ein Weg, der auch den Inhabern bestehender Polizzen offensteht, ist der Umstieg von Monats- auf Jahresprämien. Bei fast allen Versicherungen kann man sich dadurch viel Geld sparen. Positive Ausnahme ist die s Versicherung, die seit April Polizzen anbietet, die ohne Aufschlag kalkuliert werden.

Selbst wenn man alle Optimierungsmöglichkeiten ausnutzt, kommt eine klassische Lebensversicherung nur langsam in die Gewinnzone. Ein Ausweg ist, wenigstens einen Teil des Vorsorgekapitals chancenreicher anzulegen. Uniqa-Vorstand Werner Holzhauser: „Bei unserem Produkt Flexsolution kann jeder Kunde festlegen, welchen Teil er in der klassischen Lebensversicherung und welchen Teil er in Fonds ansparen möchte. Die gewählte Aufteilung lässt sich jederzeit flexibel ändern.“

– Martin Kwauka

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