Die Hoffnungsträger 2011: Der Aktientest von FORMAT

AT&S ist der Sieger des diesjährigen Aktientests von FORMAT. Auf Platz 2 folgen ex aequo Semperit, Immofinanz und RHI. Den ATX sehen die Experten Ende 2011 zwischen 2.500 und 3.300 Punkten.

Ein Vorstandswechsel kann wahre Wunder bewirken. Das zeigt der Gewinner des Aktientests für 2011, AT&S. Im Sommer erfolgte die Übergabe des Chefsessels an Andreas Gerstenmayer, im September begann die Aktie wie eine Rakete zu steigen. Jetzt wurde AT&S mit einer Durchschnittsnote von 1,38 Sieger im FORMAT-Börsenranking.

Als Leiterplattenhersteller schwimmt AT&S auf der mobilen Internetwelle, profitiert vom Smartphone-Boom und rüstet auch das iPad von Apple aus. Günther Artner, Analyst der Erste Bank: „Der frühere Chef, Harald Sommerer, hat den Konzern gut aufgestellt, der neue Boss, Gerstenmayer, steigerte die Kapazitäten genau im richtigen Moment. Das Risiko hat sich ausgezahlt.“ Durch den starken Auftritt in China und Indien nutzt der österreichische Konzern die Kauflust in den aufstrebenden Schwellenländern. Wolfgang Matejka, Chef von Matejka & Partner, nennt einen weiteren Pluspunkt: „AT&S ist der Konkurrenz in puncto Technologie immer zwischen drei und sechs Monaten voraus.“ Die Kehrseite der Medaille sind die hohen Fixkosten des Unternehmens. Artner: „Würden die Kapazitäten nur von 99 auf 90 Prozent fallen, wäre das schon ein Drama.“ Solange der Hunger nach iPad & Co nicht gestillt ist, sollte die Fantasie für die AT&S-Aktie weiter intakt sein.

Dauerbrenner mit Gummi

Glaubt man Cheuvreux-Chef Alfred Reisenberger, so dürfte auch Semperit, der Zweitplatzierte im ATX-Ranking „noch eine kleine Perle sein“. Im letzten Jahr Dritter, hat sich der Kautschuk- und Kunststoffproduzent nun auf den zweiten Platz vorgekämpft. Cashcow des Unternehmens ist die Sparte Sempermed, in der medizinische Handschuhe produziert werden und die knapp 50 Prozent zum Gesamtumsatz beisteuert. Der Konzern möchte in Zukunft aber auch verstärkt in die Medizintechnik investieren.

Frischen Wind bekommt Semperit durch Neo-Vorstand Thomas Fahnemann, der schon beim Feuerfestkonzern RHI die Kastanien aus dem Feuer geholt hat. Artner: „Fahnemann ist für seinen aggressiveren Wachstumskurs bekannt. Wenn der auf die Tube drückt, dann laufen die Geschäfte auf Hochtouren.“ Der Kurs der Semperit-Aktie ist zwar schon kräftig gestiegen, international gilt der Branchenprimus aber nach wie vor als günstiger Nebenwert. Die Expansion in den Schwellenländern dürfte den Aktienkurs weiter beflügeln. Matejka: „Allein China baut 30.000 neue Spitäler, da werden überall Handschuhe gebraucht.“

Immobilien im Turnaround

Schon eine Weile her ist der Chefwechsel beim heimischen Immobilienriesen Immofinanz, der sich ex aequo mit Semperit und dem Feuerfestkonzern RHI die Silbermedaille teilt. Das Refinanzierungsproblem des Konzerns hat der für sein Durchsetzungsvermögen bekannte Immofinanz-Chef Eduard Zehetner mit einem schlauen Schachzug gelöst. Nachdem eine Kapitalerhöhung ins Wasser gefallen war, kaufte der Konzern kurzerhand Aktien zurück und legte so die Basis für eine neue Wandelanleihe 2011. Alois Wögerbauer, Fondschef der 3-Banken Generali: „Den Turnaround hat die Immofinanz zwar noch nicht abgeschlossen, aber es läuft alles in die richtige Richtung.“

Immobilientitel stehen übrigens generell wieder in der Gunst der Experten. Friedrich Erhart, Fondsmanager des Pioneer Austria Stock: „Der Immobilienmarkt in Österreich und Deutschland hat sich bereits heuer erholt, nächstes Jahr dürfte Osteuropa an der Reihe sein.“ Grundsätzlich notieren alle Immobilientitel nach wie vor weit unter ihrem tatsächlichen Wert. Die Immofinanz-Aktie wird sogar immer noch mit einem Abschlag von rund 50 Prozent zum Buchwert gehandelt. Wögerbauer: „Wenn ich dem ATX zehn Prozent zutraue, so hat die Immofinanz die Chance, den Leitindex um 20 Prozent zu schlagen.“

Feurige Aussichten

Vom 100 Millionen Euro schweren Restrukturierungsprogramm, das Exboss Fahnemann auf Schiene brachte, profitiert das Feuerfestunternehmen RHI. Den zweiten Platz hat sich der Konzern mehr als verdient. Solange die Wirtschaft floriert, braucht sich der neue Chef Henning E. Jensen auch nicht zu sorgen. Reisenberger: „Zyklische Werte wie RHI sind die Profiteure des Aufschwungs. Der Konzern stellt Produkte her, die stark nachgefragt sind und die niemand in der gleichen Qualität herstellen kann.“

Eine der Stärken des Unternehmens sind die eigenen Rohstoffquellen, mit denen etwa 50 Prozent des Eigenbedarfs gedeckt werden. In Österreich besitzt RHI drei Minen, auch in China, Italien und der Türkei werden Magnesit und Dolomit abgebaut. Für Birgit Kuras, Aktienchefin der Raiffeisen Centrobank, ist die Feuerfest-Aktie ein klarer Kaufkandidat: „Die RHI hat für das vierte Quartal 2010 ein starkes Ergebnis in Aussicht gestellt. Als globaler Marktführer profitieren sie deutlich vom Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern.“ Eine Kaufgelegenheit ist der Feuerfestkonzern auch deshalb, weil die RHI-Aktie Schätzungen zufolge auch im nächsten Jahr mit einem Kurs- Gewinn-Verhältnis von 9,6 sehr günstig bewertet ist.

Gemischte Gefühle

So einig sich die Börsenprofis beim Gewinner AT&S waren, so unterschiedlich wurden die nachfolgenden Titel bewertet. Semperit auf Platz zwei hat zwar fünf klare Kaufempfehlungen, allerdings auch dreimal die Note „Befriedigend“ eingeheimst. Im Vergleich dazu hat der Sechstplatzierte conwert nur einen Dreier eingefahren. Ein weiteres Paradebeispiel ist Mautsystemhersteller Kapsch TrafficCom, der vor zwei Jahren noch an zweiter Stelle rangierte, diesmal aber auf Platz acht verwiesen wurde. Neben drei „Sehr gut“ schleicht sich auch ein „Genügend“ in die Bewertung ein.

Volksbank-Fondschef Simbürger: „Die Aktie ist heuer schon dermaßen gut gelaufen, die überholt sich gerade selbst. Für mich ist sie schon zu hoch gehypt, zu viele Positivmeldungen sind bereits im Kurs eingepreist.“ Dem kann Wolfgang Matejka nur widersprechen: „Kapsch ist die Absicherung für Regierungen, um sich transparent Geld vom Steuerzahler zu holen. Damit wird Kapsch zum gesuchten Partner.“ Der familiengeführte Konzern rittert derzeit um einen zwei Milliarden Euro schweren Auftrag in Frankreich. Dazu könnten weitere Projekte in Dänemark, Slowenien und Ungarn kommen.

Kapsch ist übrigens ein weiteres mittelständisches österreichisches Unternehmen, das mit seinen Mautsystemen an der Weltspitze mitmischt. Der Aktienkurs hat sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. RCB-Aktienchefin Kuras: „Natürlich besteht Potenzial für weitere Kurssprünge, Gewinnmitnahmen sind aber durch den extremen Wertanstieg jederzeit möglich.“

Wesentlich günstiger, aber dennoch umstritten ist der heimische Mineralölkonzern OMV. Salus-Alpha-Investor Roland Neuwirth betrachtet die Aktie mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Die OMV ist möglicherweise die billigste Ölaktie der Welt. Trotzdem wird sie von ausländischen Investoren kritisch beäugt. Wohl auch deshalb, weil die OMV von einem Manager gelenkt wird, der eine Anklage der Staatsanwaltschaft am Hals hat.“ Das Unternehmen profitiert unter anderem vom stabil hohen Ölpreis, musste aber in der Vergangenheit in puncto Verbund-Fusion und MOL-Debakel einige strategische Niederlagen einstecken. Erste-Bank-Analyst Artner: „Meine Hoffnung ruht auf Gerhard Roiss, der den Konzern 2011 als neuer Vorstand leiten wird. Das könnte auch die Skepsis ausländischer Investoren zerstreuen.“

Und noch ein Titel polarisiert. Die Strabag hat immerhin drei Kaufempfehlungen, aber genau wie Kapsch Traffic-Com auch einen Vierer im Talon. Thomas Neuhold, UniCredit-Aktienchef: „Die Strabag hat kaum Schulden und ist noch immer sehr billig. Die Kooperation mit Oligarch Oleg Deripaska eröffnet dem Unternehmen gute Chancen auf dem wieder erstarkten russischen Baumarkt.“ Skeptischer bewertet Börsenexperte Matejka den Baukonzern: „Obwohl sie den Auftrag in Höhe von 3,5 Milliarden Euro für die Fußball-WM 2018 bekommen haben, sind Finanzierungen in Russland nicht einfach. Auch die Marge ist nicht besonders hoch. Die Strabag ist für mich einfach unberechenbar.“

Abgestraft sind weiterhin Bankenwerte, die aktuell ein noch schlechteres Image haben als die OMV. Dass die Austro-Banken im Ausland meist recht profitabel operieren, spiegelt sich noch nicht im Aktienkurs wider. Cheuvreux-Chef Reisenberger: „Finanzinstitute werden grob unterschätzt. Das Thema mit den faulen Krediten wird im ersten Halbjahr 2011 den Höhepunkt erreichen, ab dann wird es für Erste Bank und Raiffeisen wieder besser laufen.“

Intercell, vor zwei Jahren noch Sieger im Aktientest, rangiert nur noch auf Platz 19. Am Anfang der Woche musste Intercell eingestehen, dass die Entwicklung eines Impfpflasters gegen Durchfälle wegen Wirkungslosigkeit gestoppt werden musste.

Fazit für 2011

Ganz allgemein wird der ATX im nächsten Jahr wohl ähnlich schwankungsgefährdet sein wie heuer, schon allein deshalb, weil die Staatsschuldenproblematik noch lange nicht gelöst ist. Die befragten Börsenprofis rechnen für Ende 2011 mit einem ATX-Endstand zwischen 2.500 und 3.300 Punkten. Wie das Aktienranking zeigt, dürfte 2011 das Jahr für jene Unternehmen sein, die sich mit Nischenprodukten weltweit einen festen Platz erobert haben. Salus-Alpha-Investor Neuwirth: „Anleger sollten sich auf jene Werte konzentrieren, die vom Export ihrer Produkte profitieren und auf einer Wachstumswelle reiten.“

– Carolina Burger, Ingrid Krawarik

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