Die Geldbörse wird elektronisch

Die Geldbörse wird elektronisch

Die lästige Beule im Sakko hat endlich ein Ende. Immer öfter lässt sich der Schokoriegel im Supermarkt oder auch das Weckerl beim Bäcker mit den neuen Bankomat- und Kreditkarten ohne Pin-Eingabe kontaktlos bezahlen. Das neue Plastikgeld wird schneller, flexibler und immer beliebter.

Es ist die Near-Field-Technologie, die der elektronischen Geldbörse zum Durchbruch verhilft. Die Karte muss nicht mehr vorher aufgeladen, nicht mehr in einen Terminal gesteckt und nicht durch einen Pin aktiviert werden. Man braucht die Karte einfach nur auf den Terminal zu halten und schon werden Beträge bis zu einer maximalen Höhe von 25 Euro ohne Code abgebucht.

Unterschiedliche Systeme sind im Einsatz. Sowohl Kreditkarten wie Visa und Mastercard als auch die klassische Bankomatkarte buchen die Beträge unmittelbar vom Konto ab - allerdings nur, wenn darauf das NFC-Logo zusehen ist. Zusätzlich bietet der Kartenhersteller Paylife auf den Maestro-Bankomatkarten auch die elektronische Geldbörse "Quick“ an, die vorher bei einem Automaten mit maximal 400 Euro aufgeladen werden kann. Der Vorteil dieser elektronischen Geldbörse ist, dass auch bei Beträgen über 25 Euro keine Pin-Eingabe erforderlich ist. Peter Neubauer, Geschäftsführer von Paylife: "Man läuft also nicht Gefahr, das Konto zu überziehen. Zudem ist das auf dem Chip gespeicherte Geld auch anonym übertragbar.“ Aber wie beim Bargeld ist beim Verlust der Karte das Geld weg.

Anders bei den Systemen mit einer direkten Kontoabbuchung. Heimo Hackel, Vorstandsvorsitzender von Card Complete: "Damit Kartendiebe nicht das gesamte Konto leer räumen, wird nach jeder sechsten Transaktion der Pin abgefragt. Das maximale Risiko für die Konsumenten liegt also bei 150 Euro.“

Obwohl die Konsumentenschützer bei der großflächigen Einführung der neuen NFC-Technologie vor den vielen Risiken warnten, ist bisher wenig passiert. Jennifer Wassermann, Rechtsexpertin des Vereins für Konsumenteninformation: "Im Mai gab es ein paar Beschwerden, aber in der Zwischenzeit ist keine einzige mehr bei uns eingegangen.“

Boomendes Geschäft

Man könnte glauben, dass die geringe Zahl an Beschwerden an der geringen Nutzung der NFC-Funktion liegt. Das Gegenteil ist der Fall. Seit Frühjahr 2013 ist das kontaktlose Bezahlen kein Pilotprojekt mehr, sondern es wird großflächig umgestellt. Card-Complete-Chef Hackel: "Von uns sind bereits 7.000 NFC-taugliche Terminals und 150.000 Karten am Markt. Jeder neue Terminal hat diese Funktion.“

Auch beim zweitgrößten Terminal- und Kartenhersteller, Paylife, ist man auf Expansionskurs. Spätestens in zwei Jahren sollen alle 67.000 Stationen auf kontaktloses Bezahlen umgestellt sein. Paylife verzeichnete in den vergangenen zwölf Monaten bereits eine Million Transaktionen bei Beträgen unter 25 Euro. Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei den Payment Services Austria. Das Unternehmen, das alle heimischen Bankomatkarten betreut, stellt gerade die 8,7 Millionen in Österreich aktiven Karten bis 2015 auf NFC-Technologie um. Bis Ende 2013 werden bereits 3,4 Millionen NFC-taugliche Bankomatkarten im Umlauf sein. Waren es bei Einführung im Mai 2013 gerade mal 5.000 Transaktionen, die ohne Pin erfolgten, so verbuchte man im Oktober schon 150.000 Einsätze der elektonischen Brieftasche.

Paylife-Geschäftsführer Neubauer: "Insgesamt macht das derzeit nur ein Promille unseres Gesamtgeschäftes aus, ist aber unser größter Wachstumsmarkt.“ Der Grund: Schon heute werden 90 Prozent aller Beträge über 100 Euro mit einer Karte bezahlt, aber nur 10 Prozent der Kleinbeträge unter 25 Euro. Hier galt bislang noch: Cash is king. Doch Handelsriesen wie Spar, Rewe, Hofer oder große Elektronikketten haben ein vitales Interesse an der Direktbuchung. Das elektronische Geld ist leichter zu handhaben.

Übrigens findet auch der Fiskus elektronisches Geld besser. Es lässt sich leichter zurückverfolgen als Bargeld.

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