"Die Finanzkonzerne haben die Politik gekapert"

"Die Finanzkonzerne haben die Politik gekapert"

FORMAT : Sie sind Hedgefondsmanager. Seit geraumer Zeit gelten Sie auch als Watchdog der Wall Street. Was hat Ihren Gesinnungswandel ausgelöst?

Michael Masters : Der Verlauf der Finanzmärkte hängt logischerweise davon ab, wo die großen Geldströme hinfließen. 2007 haben die Anomalien der Rohstoffpreise - von Öl bis hin zu Getreide - eklatant zugenommen. Der Einfluss von Spekulation wurde immer massiver. Seit 2008 habe ich mehrmals direkt vor dem US-Senat in Washington das Ausmaß analysiert. Damit wurde eine Lawine losgetreten und ein mediales Tohuwabohu ausgelöst.

Sie gelten nun als einer der schärfsten Kritiker der Banken. Was ist der Kern Ihrer Kritik?

Masters : Wenn man den Teufelskreis durchbrechen will, muss man das ausufernde OTC-Geschäft neu regulieren. Solche außerbörslichen Kontrakte auf Rohstoffe werden direkt zwischen Handelspartnern vereinbart und abgewickelt. Deshalb herrscht am OTC-Markt völliges Chaos. Die Geschäftsbeziehungen sind weit verzweigt und undurchschaubar. Niemand kann kontrollieren, welche Kontrahenten sich gegenüberstehen. Das erinnert an die Lehman-Pleite, als vorerst niemand exakt sagen konnte, wer vom Scheitern der Bank betroffen ist. Wohin das geführt hat, ist hinlänglich bekannt.

Haben Sie eine Lösung?

Masters : Ideal ist ein zentrales Clearing, also eine transparente Abwicklung der OTC-Deals. Die Wall Street hasst uns für diese Idee, schließlich verdienen die Beteiligten eine riesige Stange Geld mit Rohstoffspekulation. Die Banken kämpfen mit allen Mitteln dagegen. Sie werden das oberste Bundesgericht der USA damit befassen. Die tiefe Abneigung beruht darauf, dass die Kapitalhinterlegung bei Finanzmarkt-Transaktionen künftig deutlich höher sein wird müssen.

In den USA stehen Wahlen an. Die Republikaner sind den Kapitalmärkten wohlgesinnt. In Europa legt sich Großbritannien quer, sobald Finanzmarktregulierungen ins Spiel kommen. Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass OTC-Transaktionen trotzdem strenger reguliert werden?

Masters : In Großbritannien ist der Einfluss der Finanzlobby gewaltig. Die Finanzkonzerne haben die Politik gekapert. Ähnlich ist es in den USA. Mitt Romney, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, ist ein erfolgreicher Vertreter der Private-Equity-Branche. Aber die intensiven Vorbereitungen für die Änderungen laufen bereits seit rund zwei Jahren. Ich beziffere die Chance, dass eine neue Regulierung naht, mit über 50 Prozent.

Bis wann wird der Beschluss fallen?

Masters : Ich rechne damit, dass die Neuerungen in den USA bereits bis Jahresende unter Dach und Fach sein werden. Europa wird bald darauf nachziehen.

Was halten Sie von der viel diskutierten Einführung einer Finanztransaktionssteuer?

Masters : Das ist im Großen und Ganzen eine gute Idee. Die Steuer sollte für eine bessere Kapitalausstattung der Banken verwendet werden. Ein Teil sollte den Aufsichtsbehörden zugutekommen. Man muss das Niveau der Gehälter erhöhen, um gute Leute halten zu können.

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