"Die Erholung in Europa ist absolut nachhaltig"

"Die Erholung in Europa ist absolut nachhaltig"

FORMAT: Es ist derzeit vom Comeback Europas bei den Aktienmärkten die Rede. Wie sehen Sie das?

Andreas Zöllinger: Investoren haben Europa lange gemieden. In den vergangenen Monaten gab es jedoch sehr große Mittelzuflüsse. Viele Investoren haben sich 2011 noch Sorgen gemacht, ob es Europa gelingt, aus den Problemen herauszukommen. Aber nach dem man gesehen hat, dass die Programme der Politiker und vor allem der Notenbanken greifen, ist das Restrisiko, dass die Eurozone auseinanderbricht, gegen Null geschrumpft. Das hat Europa in den Augen vieler Anleger wieder attraktiv gemacht.

Ist die Situation nachhaltig?

Zöllinger: Die Erholung ist absolut nachhaltig. Nur Staatsanleihen mit acht Prozent werden wir sicher nicht mehr bekommen, weil das Restrisiko eben nur mehr gering ist. Auch im ökonomischen Umfeld wurden deutliche strukturelle Verbesserungen gemacht. Die Gewinne der Unternehmen werden sehr wahrscheinlich wachsen. Ich würde sagen um sechs bis zehn Prozent. Es gibt sogar Schätzungen, die höher liegen. Das ist ein sehr gutes Umfeld, in dem europäische Aktien nach wie vor sehr günstig bewertet sind. Vor zwölf Monaten hätte man gesagt, europäische Aktien sind billig. Heute sagt man, sie sind attraktiv bewertet.

Wie beurteilen Sie europäische Aktien im Vergleich zu amerikanischen Papieren?

Zöllinger: Ein KGV von 13 ist im Verhältnis zu den USA sehr niedrig. Und auch im Vergleich zu anderen Märkten sieht Europa sehr gut aus. Beim Preis-Buchwert gibt es bei europäischen Aktien noch immer einen Abschlag von 30 Prozent zu US-Aktien. Viele Anleger haben sich lange auf den US-Markt konzentriert. Weil US-Aktien aus der Talsohle, die wir 2009 gesehen haben, viel schneller rausgekommen sind. Und das Risiko war damals in Europa noch sehr groß. Mittlerweile sind amerikanische Aktien aber zu hoch bewertet.

Woher kommt das Geld, das jetzt nach Europa fließt?

Zöllinger: Eine gute Frage. Wir beobachten, dass es noch nicht sehr stark aus dem Anleihen-Bereich kommt. Die Zuflüsse nach Europa kommen hauptsächlich aus Umschichtungen bei US-Aktien und sehr stark aus Bar-Mitteln. Aber das, worauf der Markt schon lange wartet, die große Rotation, dass Leute festverzinsliche Wertpapiere verkaufen und Aktien kaufen, findet noch nicht statt. Allerdings sind die Zinsen auf historischem Tiefststand. Wenn Leute merken, dass sie mit Anleihen Geld verlieren, dann wird Bewegung hinein kommen. Apple hat beispielsweise mit 17 Milliarden US-Dollar die größte Unternehmensanleihe aufgelegt. Wenn sie die zu Jahresbeginn gekauft haben, haben Sie in neun Monaten acht Prozent verloren. Natürlich wird Apple diese Unternehmensanleihe zurückzahlen, aber dazwischen sind Sie ordentlich im Minus. Sobald die Investoren das sehen, werden sie nachdenken und mehr in Richtung Aktien gehen.

Die Emerging Markets erleben gerade eine große Krise. Fließt auch von dort Geld nach Europa?

Zöllinger: Ich glaube schon. Es ziehen derzeit viele Anleger Geld aus den Emerging Markets ab. Und da wandert sicherlich auch ein Teil in den europäischen Aktienmarkt. Wir haben unsere Quote an den Emerging Markets seit einem Jahr deutlich herunter gefahren. China hat sich zwar in den letzten Monaten stabilisiert und wächst mit sechs Prozent. Aber es bleibt noch ein großes Fragezeichen.

China wächst mit sechs Prozent und Europa nur mit 1,5 Prozent...

Zöllinger: Es kommt immer auf den Standpunkt an und auf die Gewinnerwartungen der Wirtschaft. Die Erwartungen der Unternehmensgewinne wurden in Europa ganz klar nach oben genommen. In den USA gehen die Gewinnerwartungen hingegen nach unten. Und wenn die FED nun ihr billiges Geld reduziert, kann es dort sehr wohl zu Problemen kommen.

Europas Zentralbank stützt die Wirtschaft ja auch mit billigem Geld. Wenn diese Maßnahme endet, ist die Wirtschaft Europas stark genug, um alleine zu wachsen?

Zöllinger: Ich bin davon absolut überzeugt. Man muss sich nur in einen Notenbanker versetzen. Seine größte Furcht ist, einen Fehler zu machen, der die Wirtschaft abwürgt. Also nehmen die Notenbanker lieber in Kauf, dass wir ein paar Jahre eine etwas höhere Inflation haben, als dass sie den Geldhahn zu früh abdrehen. Außerdem können sie ihre Staaten dadurch entschulden. Ich bin überzeugt davon, dass Herr Draghi, Herr Bernanke, dessen Nachfolger und Herr Abe die Gelder weiter fließen lassen werden. Das Wirtschaftswachstum wird aber noch nicht so hoch sein. Deshalb ist eine Dividendenstrategie für den Anleger sehr wichtig.

In Österreich wird größtenteils in Sparbücher investiert. Sollen kleine Sparer jetzt auch Aktien kaufen?

Zöllinger: Aktien sind immer ein Risiko. Deshalb sollte man sich auf eine Dividendenstrategie konzentrieren. Wir haben bei unserem Dividenden-Fonds beispielsweise einen sehr klaren Fokus auf Qualitätsaktien und darauf, die Volatilität der Kurse zu reduzieren. Wir wollen eine zuverlässige, absolut wachsende Ausschüttung an die Kunden garantieren. Unser Dividenden-Fonds ist für Anleger geeignet, die jedes Jahr eine Ausschüttung erhalten wollen, die deutlich über dem Sparbuch liegt und kontinuierlich ist.

In welche Branchen investieren sie mit diesem Ansatz?

Zöllinger: Im Moment in Hochzinsanleihen, in die Branchen Industrie, Infrastruktur und einige sehr ausgewählte Telekom-Unternehmen.

Sind die Industriebetriebe der USA mittlerweile nicht attraktiver?

Zöllinger: Gerade die exportorientierten Länder in Europa wie Deutschland, Finnland, aber auch Österreich sind sehr interessant. Europa ist ein interessanter Standort. Sie haben ein sicheres Rechtssystem, sie haben gut ausgebildete Leute, ein akzeptables Lohnniveau. Eine sehr hohe Produktivität.

Ist Europa nicht ein Standort, der unter Überalterung leidet?

Zöllinger: Es stimmt, dass die Bevölkerung überaltert ist. Deshalb werden wir langfristig ein sehr niedriges Wachstum haben. Das ist für uns aber nicht so entscheidend, weil wir in Unternehmen investieren, die zwar ihren Standort in Europa haben, aber global agieren, also in die ganze Welt liefern.

Wenn jemand aber lieber in ETFs als in einen Fonds investiert?

Zöllinger: Gerade bei einer Dividendenstrategie brauchen Sie jemanden, der das aktiv mit einem Wachstumsansatz managt. Für eine Dividendenstrategie gibt es keine Alternative zu einem aktiven Ansatz. Da zahlt sich die Management-Gebühr mit Sicherheit aus.

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