Die Besten im Osten: Slowenien ist auch im Vorjahr eine Klasse für sich geblieben

Der FORMAT Strategic Performance Test 2009 für Osteuropa zeigt, welche Unternehmen nachhaltige Werte für Aktionäre schaffen. Defensive Aktien wie Pharma und Stromerzeuger liegen an der Spitze. Slowenien hat generell die besten Bilanzen.

Der slowenische Pharmakonzern Krka scheint den Platz an der Sonne fix gebucht zu haben. Der Generikaspezialist wurde im FORMAT Strategic Performance Test für Osteuropa Landessieger – und das zum dritten Mal in Folge. Sowohl in der Einjahreswertung 2008 als auch im Dreijahresvergleich 2006 bis 2008 darf sich Krka über die Goldmedaille freuen. Das international agierende Unternehmen punktet durch beständiges Wachstum, eine hohe Eigenkapitalrentabilität und profitiert vom Branchenmonopol im eigenen Land.

CEE unter der Lupe
Bereits zum siebten Mal analysierten Contrast-Chef Werner Hoffmann und ein Expertenteam des Unternehmens- und Strategieberaters die wichtigsten Unternehmen an den Börsen Laibach, Prag, Budapest und Bukarest. Es galt, herauszufinden, welche Unternehmen in der CEE-Region 2008 besonders gut wirtschaften und wo das Geld der Anleger unzureichend arbeitet oder gar vernichtet wird. Die Analyse erfolgte anhand von vier Kennzahlen: der Eigenkapitalrendite, dem Jahreswachstum, das sich aus der Steigerung von Umsatz und Anlagevermögen ergibt, der Anlegerrendite (Kursentwicklung plus Dividenden) und dem sogenannten Return-Spread – jener Kennzahl, die sich aus der erzielten Rendite auf das Gesamtkapital abzüglich der Kapitalkosten ergibt. Gemeinsam sind diese vier Indikatoren eine gute Orientierung für Aktionäre, die in Osteuropa nach guten Einzelaktien suchen.

Weiterhin Wachstumsvorsprung
Die Krise hat in Osteuropa Spuren hinterlassen – aber die Dynamik ist noch nicht zum Erliegen gekommen. Werner Hoffmann, Contrast-Geschäftsführer: „Zwar hat sich der Aufholprozess der CEE-Region verlangsamt, im Vergleich zu Österreich sind die Ostländer aber 2008 immer noch stärker gewachsen.“ Wie 2007 liefert die Börse Laibach auch im Vorjahr das beste Ergebnis. Nach dem Traumresultat von 78 Prozent Plus im Jahr 2007 verlor der slowenische SBI-Index 2008 nur ein Prozent. Zum Vergleich: Der ATX musste mit minus 48 Prozent kräftig Federn lassen. Noch schlimmer traf es Rumänien. Der ROTX-Index der Börse Bukarest verlor im Vorjahr 82 Prozent.

Laibach auf dem Siegespodest
Auch bei der Wachstumskennzahl sind die slowenischen Unternehmen eine Klasse für sich. Mit einem Plus von 18 Prozent verweist Laibach die Konkurrenz aus Ungarn (elf Prozent) und Tschechien (acht Prozent) auf die Plätze. Österreich fährt mit plus sieben Prozent knapp vor Rumänien den vierten Platz ein. Bei der Eigenkapitalrendite liegt Österreich mit acht Prozent hinter Tschechien (19 Prozent) und Rumänien (neun Prozent) gemeinsam mit Slowenien auf Platz drei (siehe Grafik ) . Die Reihung innerhalb der Länder erfolgte nach einem Punktesystem, wobei der beste Konzern 25 Punkte erhielt. Maximal waren 100 Punkte zu erreichen. Für die Einjahreswertung wurde die Bilanz 2008 herangezogen, für die Dreijahreswertung die Jahresabschlüsse 2006 bis 2008. Da der Test in der gleichen Methodik seit elf Jahren auch für österreichische Unternehmen durchgeführt wird (siehe Österreichs härtester Aktientest ) , lassen sich auch länderübergreifende Vergleiche ziehen.

Strom und Pharma an der Spitze
Eines sticht sofort ins Auge: Defensive Titel wie Stromerzeuger und Pharmakonzerne liegen mit Ausnahme von Rumänien vorne. Contrast-Chef Hoffmann: „In turbulenten Zeiten behaupten sich meist defensiv ausgerichtete Unternehmen, weil sie die Krise nicht so spüren. Gerade Energieversorger wie die ungarische Émász und tschechische Konzerne wie Prazska Energetika und CEZ sollten gut durch die schwierigen Zeiten tauchen.“ Gar nicht gut lief es hingegen für den ungarischen Mineralölkonzern MOL, der sich für 2007 noch mit dem Lorbeerkranz schmücken durfte. Diesmal war nur Platz acht im Dreijahresranking möglich. Auch die ungarische Großbank OTP hat es aufgrund der Finanzkrise arg erwischt: Im Dreijahresvergleich vom zweiten auf den zehnten Platz zurückgefallen, scheint die OTP in der Einjahreswertung für 2008 nicht einmal mehr auf.

Bank trotzt Krise
Nicht in allen Ostländern sind Finanztitel von den aktuellen Turbulenzen schwer gezeichnet. Rumänien tanzt ein wenig aus der Reihe. Während das Einjahresranking ein Chemiekonzern vor einem Ölbohrunternehmen und einem Schiffsbauer anführt, liegt die BRD-Bank im Dreijahresvergleich an der Spitze. „Das hat mich doch etwas überrascht, weil die Bankentitel sonst relativ schlecht abgeschnitten haben. Bei der rumänischen BRD wirken die guten vergangenen Jahre noch massiv nach. Man darf nicht vergessen, dass Rumänien 2008 noch ein halbes Jahr geboomt hat, bevor der Einbruch kam“, erklärt Contrast-Chef Hoffmann. Und: „Natürlich hilft, dass die französische Société Générale mehr als 58 Prozent am Unternehmen hält. In volatilen Zeiten wirkt ein starker Kernaktionär stabilisierend.“ Ebenfalls gut durch die Krise schwamm die tschechische Komercni Banka, die es in beiden Testkategorien unter die besten drei im Landesranking schafft.

Trüber Ausblick
Für 2009 sieht Contrast-Chef Hoffmann dunklere Wolken aufziehen: „Für börsennotierte Unternehmen wird das ein ziemlich schwieriges Jahr. Slowenien und Tschechien sollten sich aber relativ stabil halten – das Ausmaß der Probleme entspricht etwa dem österreichischen Niveau.“ Ungarn hat mit BIP-Prognosen von minus 6,5 Prozent deutlich mehr zu kämpfen. Hoffmann: „Es würde mich trotzdem nicht überraschen, wenn beim kommenden Test der Bilanzen 2009 in Ungarn wieder dieselben Firmen vorne liegen.“ Zum ungarischen Triumvirat gehört 2008 übrigens auch das Spirituosen-Familienunternehmen Zwack Unicum, das sich als Frischling sowohl in der Einjahreswertung als auch im Dreijahresranking hinter Energiekonzern Émász beziehungsweise hinter Pharmariese Humet mit Platz zwei in Szene setzt. Erfahrungsgemäß sollten nach dem Wilhelm-Busch-Motto „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ die Unicum-Geschäfte weiter florieren. Schließlich bietet das Kräuter-Destillat auch frustrierten Investoren stabile 40 Prozent.

Von Ingrid Krawarik

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Service

Die Suche nach dem besten Konto

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik

Geld & Service

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik