Deutsche Wirtschaft floriert: Rekordgewinne für die DAX-Börsenwerte

Börse Frankfurt: Viele deutsche Börsenkonzerne fuhren im 1. Quartal Rekordgewinne ein. FORMAT analysiert, wer auf der Überholspur ist.

Was haben Siemens-Lenker Peter Löscher, BMW-Chef Norbert Reithofer und Henkel-Manager Kasper Ror­sted gemeinsam? Sie übermittelten diesen Mittwoch ihren Anlegern die gute Kunde von Rekordergebnissen. BMW konnte selbst dem Ende April von Volkswagen reportierten Bombenergebnis Paroli bieten. VW hat zwar im ersten Quartal mit einem Gewinn von 1,6 Milliarden Euro und rund zwei Millionen verkauften Autos (davon allein 548.000 Stück in China) noch immer die Nase vorn. Aber mit einem zwischen Jänner und Ende März erzielten Gewinn von 1,2 Milliarden Euro erwischte der bayerische Autobauer den besten Jahresstart in der Unternehmensgeschichte und strotzt auch für das weitere Jahr vor Optimismus.

Der vom Österreicher Löscher geführte Elektrokonzern Siemens ist ebenfalls auf Erfolgskurs und erhöhte seine Gewinnprognose für das bis September laufende Geschäftsjahr auf 7,5 Milliarden Euro. Auch Konsumgütererzeuger Henkel, der Gesundheitskonzern Fresenius und Industriegasspezialist Linde trugen ihr Scherflein zur allgemeinen Jubelstimmung bei und lieferten bessere Quartalszahlen als erwartet.
Die Investoren reagierten rasch und trieben den deutschen Börsenindex DAX mit 7.600 Punkten auf den höchsten Stand seit Anfang 2008. In den vergangenen zwei Jahren zählt die Börse in Frankfurt mit einem Kursgewinn von insgesamt 53 Prozent zu den weltweit besten Plätzen für Investoren.

Gelungener Coup  

In die Riege der erfolgreichen Industriekapitäne reiht sich auch Karl-Ludwig Kley ein. Der Chef des Chemie- und Pharmariesen Merck nahm im Vorjahr 5,3 Milliarden Euro in die Hand und finanzierte damit die Übernahme der US-Biotechschmiede Millipore. Die Quartalszahlen machen es amtlich, dass Kley mit dem Deal goldrichtig lag. Die Übernahme Millipores half dem Geschäftsbereich Labor- und Life-Science auf die Sprünge. Zusätzlich konnte Merck als Weltmarktführer bei Flüssigkristallen vom florierenden Geschäft mit Flachbildfernsehern und Smartphones profitieren. In Zahlen: Gegenüber dem Startquartal des Vorjahres stieg der Profit um 77 Prozent auf 344 Millionen Euro. Der Gewinnsprung hinterließ auch beim Aktienkurs bereits deutliche Spuren. Seit Jahresanfang ist Merck mit 23 Prozent Kursplus der Leithammel aller DAX-Unternehmen.

Nun stehen Investoren vor der Frage, ob deutsche Aktien auch in nächster Zeit von der Rekordernte der Börsenkonzerne profitieren und bei welchen Papieren sich der Einstieg trotz der bereits erzielten Kursgewinne noch lohnt.

Anhaltender Superzyklus  

Die Experten sehen eine gute Basis für weitere Kurssteigerungen. Henning Gebhardt, Fondsmanager des Aktienfonds DWS Aktien Strategie Deutschland, des in der Jahreswertung mit einem Ertrag von 38,8 Prozent erfolgreichsten Deutschland-Depots: „In den vergangenen zehn Jahren wurden die Strukturen der deutschen Wirtschaft verändert, was eine Neupositionierung ermöglichte. Die Binnenkonjunktur entwickelt sich besser als erwartet, auch die Arbeitslosigkeit konnte nach und nach gesenkt werden. Für die deutsche Börse ist nun entscheidend, dass die Konjunktur von einem selbsttragenden Trend genährt wird.“ Auch Peter Conzatti, Manager des deutschen Nebenwertefonds Lupus Alpha Smaller German Companies, schätzt die Lage positiv ein: „Manche Beobachter orten bei deutschen Aktien einen länger anhaltenden Superzyklus. Ich sehe zumindest für heuer und nächstes Jahr sehr gute Voraussetzungen für weiter steigende Kurse. Entscheidend wird sein, wie lange die USA als wichtiger Exportpartner Deutschlands den Geldhahn noch offen halten. Erst wenn die Geldpolitik Amerikas deutlich restriktiver wird, müssen Investoren bei deutschen Aktien aufpassen.“

Bei den Kursgewinnen an der Frankfurter Börse wird sich laut dem Experten in nächster Zeit zwar das Tempo verringern, die Aufwärtstendenz ist aber ungebrochen. DWS-Manager Gebhardt: „Ich sehe kein Risiko, das die Kurse zum Absturz bringen könnte. Das ist nur denkbar, wenn bei der Lösung der europäischen Schuldenkrise tatsächlich etwas schiefgehen sollte.“ Im aktuell günstigen konjunkturellen Umfeld setzt Gebhardt verstärkt auf Aktien aus den Sektoren Chemie und Industrie, auch Pharmaaktien werden für den Fondsmanager „langsam wieder interessant“. Dagegen sind Titel aus defensiven Sektoren wie dem Telekom- und dem Versorgerbereich weniger prominent im DWS-Depot vertreten.

Gewinner der Finanzkrise  

Der Erfolg der DAX-Konzerne kommt nicht von ungefähr, die gesamte deutsche Wirtschaft ist nach jahrelanger Flaute wieder auf Wachstumskurs. Hans-Werner Sinn, Präsident des deutschen ifo Instituts für Wirtschaftsforschung: „Deutschland ist der Gewinner der Finanzkrise, weil die deutschen Banken das Geld nicht mehr nach Südeuropa verleihen, sondern lieber billige Kredite im eigenen Land vergeben. Das hat einen starken Investitionsboom ausgelöst.“

Wie stark die deutsche Börse tatsächlich ist, zeigen speziell die Kursverläufe deutscher Nebenwerte. Die Notierungen mittelgroßer Aktien des deutschen MDAX-Index sowie des SDAX, der die Kurse von Titeln aus der dritten Reihe widerspiegelt, stiegen in den vergangenen beiden Jahren gar um jeweils 86 Prozent. Nebenwertefondsmanager Conzatti: „Der MDAX-Index hat besonders von der Erholung der Maschinenbauer sowie von zyklischen Aktien profitiert. Der Leitindex DAX hat etwas weniger zugelegt, weil Aktien von Finanzwerten und Versorgern, an denen der Aufschwung vorbeigegangen ist, dort relativ hoch gewichtet sind.“
Geht es nach der Papierform, haben die Kurse deutscher Aktien weiter Luft nach oben. Bereits im Vorjahr fuhren jene 25 DAX-Konzerne, die außerhalb des Finanzbereichs tätig sind, mit insgesamt 53 Milliarden Euro einen Rekordgewinn ein. Laut Schätzungen der Analysten ist damit das Ende der Fahnenstange aber noch keineswegs erreicht. Es bestehen für heuer gute Chancen, dass die Unternehmensprofite um weitere zehn Prozent ansteigen.

Insgesamt haben die DAX-Unternehmen 2011 laut Schätzungen des Finanzdaten-Lieferanten Thomson Reuters realistische Aussichten auf neue Rekordgewinne. Laut dem Analysehaus ergäben die Gewinnsteigerungen rein rechnerisch ein Kursplus von 651 DAX-Punkten. Noch optimistischer fallen die Prognosen für das Jahr 2012 mit weiteren 733 Punkten aus. Danach wäre es nur eine Frage der Zeit, bis der DAX das bisherige Allzeithoch von gut 8.000 Punkten aus dem Jahr 2007 hinter sich lässt.

Zusätzlich sorgen die geringen Renditen sicherer Staatsanleihen dafür, dass Investoren weiter auf Aktien vertrauen. DWS-Fondsmanager Gebhardt: „Es gibt derzeit kaum vernünftige Anlage-Alternativen. Ein möglicher Inflationsanstieg würde die Attraktivität von Aktien sogar noch erhöhen.“

Die steigenden Gewinnerwartungen sorgen obendrein dafür, dass die Bewertung des Frankfurter DAX günstig bleibt. Gemessen an den Profiten für das Gesamtjahr 2011, bleibt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei den 30 deutschen Börsenschwergewichten mit einem Wert von 11,6 wohlfeil. Zum Vergleich: Seit 1988 waren deutsche Papiere mit einem lang­fristigen KGV-Schnitt von 15,5 deutlich teurer. Auch die Stärke des Euro kann der deutschen Exportindus­trie bisher nur wenig anhaben. Selbst ein Euro von mehr als 1,50 Dollar ist für viele Exporteure verkraftbar. Und so lange die Konjunktur Chinas nicht ins Stottern kommt, müssen sich auch die deutschen Auto­bauer keine allzu großen Sorgen um den Absatz ihrer Karossen im Reich der Mitte machen.

Robert Winter

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