Der Staat spekuliert mit: Ab 1. April werden 25 Prozent der Kursgewinne kassiert

Finanzministerin Maria Fekter kann sich schon die Hände reiben. Ab dem 1. April kassiert der Fiskus von jedem Wertpapiergewinn 25 Prozent KESt. Verschont bleiben nur Altbestände von Aktien und Fonds, die schon vor dem 1. Jänner 2011 angeschafft wurden.

Allerdings ist die neue Vermögenszuwachssteuer nicht völlig wasserdicht. Es bleiben auch in Zukunft noch einige Schlupflöcher wie Goldmünzen oder Fondspolizzen übrig. FORMAT beschreibt, was künftig auf die Anleger zukommt, wo die größten Fallstricke lauern und welche Möglichkeiten bleiben, die Steuerlast zu verringern.

So schlägt die Steuer zu

Wer eine Aktie oder ein anderes Wertpapier erfolgreich verkauft, muss ab April 25 Prozent des Gewinns mit dem Staat teilen. Dafür entfällt die bisherige Spekulationsfrist von einem Jahr. Das kann allerdings für Zocker von Vorteil sein: Während man bisher bei Gewinnen aus Aktien, die kürzer als ein Jahr auf dem Depot lagen, laut Gesetz bis zu 50 Prozent Einkommenssteuer zahlen musste, sinkt die Abgabe auf pauschal 25 Prozent. Die Steuer wird wie bei der Sparbuch-KESt anonym von der Bank abgeführt. Die Zeiten, in denen man vergessen konnte, etwaige Gewinne in der Steuererklärung anzugeben, sind also vorbei.

Grundsätzlich werden Gewinne und Verluste gegeneinander aufgerechnet. Wer also in einem Jahr erst 1.000 Euro Verlust macht und später 1.000 Euro Gewinn, zahlt nichts.

Alle Eier in einen Korb

Allerdings müssen beide Transaktionen bei der gleichen Bank erfolgen. Wenn der Gewinn bei der Bank A anfällt und der Verlust bei der Bank B, hilft nur noch ein späterer Ausgleich via Steuererklärung, was natürlich zur Deklaration der gesamten Bestände führt. Deshalb macht es Sinn, die Depotposten noch im März bei einem Geldinstitut zu konzentrieren. Ernst Huber, Chef der direktanlage.at: "Derzeit übertragen pro Tag 20 bis 50 unserer bisherigen Kunden jene Wertpapiere, die bisher noch bei anderen Banken lagen, zu uns.“ Grundsätzlich ist das unproblematisch, die anfallenden Übertragungsspesen der Altbank werden meist vom neuen Institut übernommen. Man sollte allerdings aufpassen, dass die bisherige Bank alle noch vor dem Jahr 2011 angeschafften KESt-freien Altbestände entsprechend kennzeichnet, sodass der KESt-freie Status nicht verloren geht.

Übrigens dürfen Anleger, um einen weiteren positiven Aspekt der neuen Wertpapier-KESt zu nennen, künftig Verluste aus Aktien mit Zinseinnahmen aus Anleihen gegenrechnen (allerdings nicht mit Zinsen von Konten oder Sparbüchern). In der Praxis wird das bei cleveren Anlegern dazu führen, dass am Jahresende festgestellt wird, wie hoch die Anleihen-KESt ausfiel, um dann noch entsprechende anderweitige Kursverluste zu realisieren.

Achtung: Bei einem einzigen Gemeinschaftsdepot, zum Beispiel dem eines Ehepaares, erfolgt diese Gegenrechnung von Gewinnen und Verlusten genauso wie bei einem Einzeldepot. Liegen aber zwei Gemeinschaftsdepots vor, kann die Saldierung nur über den späteren Steuerausgleich erfolgen, und das selbst dann, wenn beide Konten bei einer Bank liegen. Deshalb sollte man eine Zusammenlegung ins Auge fassen.

Extrem aufpassen sollten Anleger, die Depotbestände erst ab April übertragen. Dann droht nämlich ein Super-GAU, wenn Fehler passieren und die bisherige Bank den Übertrag irrtümlich als generellen Verkauf abrechnet und von allen betroffenen Posten die Kursgewinn-KESt abzieht. PwC-Steuerexperte Thomas Strobach: "Die-se KESt lässt sich nicht einmal über eine spätere Steuerveranlagung zurückholen.“

Sonderfall 2012

Im Rumpfjahr zwischen 1. April und 31. Dezember 2012 werden Verluste und Gewinne von den Banken nicht sofort saldiert. Stattdessen erfolgt die Anrechnung aller Verluste erst Anfang 2013. Wer heuer laufend intensiv handelt, läuft also Gefahr, sehr viel Steuern vorweg zu bezahlen und lange auf die Refundierung warten zu müssen.

Das langfristig gravierendere Problem ist allerdings, dass der Gesetzgeber keinen Verlustvortrag vorsieht. Wer zum Beispiel in einem Börsen-Crash-Jahr die Reißleine zieht, viele Positionen mit Verlust abstößt und per Saldo 10.000 Euro Minus macht, bleibt auf diesen sitzen. Erzielt er im folgenden Jahr 10.000 Euro Gewinn, muss er volle 2.500 Euro KESt abführen, ohne unter dem Strich reicher geworden zu sein. Nächster Pferdefuß: Sämtliche Spesen werden vom Fiskus ignoriert. Beispiel: Ein Fondsanleger kauft Fonds um 1.000 Euro plus 50 Euro Ausgabeaufschlag und verkauft den Fonds um 1.050 Euro. Per Saldo war das ein Nullsummenspiel, man muss aber trotzdem für 50 Euro Scheingewinn KESt zahlen. Dieses Verfahren ist verfassungsrechtlich bedenklich, allerdings können Anleger erst dann klagen, wenn ihnen tatsächlich Verluste entstanden sind.

Der gemeine Wert

Für Aufregung sorgen dürfte auch eine Sonderregel für Wertpapiere, die zwischen 1. Jänner 2011 und Ende März 2012 angeschafft wurden. Als Basis für eine künftige KESt-Berechnung wird von den meisten Banken aus Gründen der Vereinfachung nicht der tatsächliche Anschaffungskurs herangezogen, sondern der sogenannte gemeine Wert, der seinen Namen durchaus zu Recht trägt. Dabei handelt es sich laut Gesetz generell um den Schlusskurs des 31. März 2012 (allenfalls ein totaler Crash im März könnte noch zur Berechnung eines Korrekturfaktors führen). Dieses für die Banken bequemere Verfahren wird in der Praxis zu erheblichen Unstimmigkeiten führen. Beispiel: Ein Anleger kaufte im Juni 2011 eine Aktie um 100 Euro. Zum Stichtag 31. März ist der Kurs auf 80 gefallen, bis zum Verkauf im Oktober 2012 steigt der Kurs aber wieder auf die ursprünglichen 100. Die Bank geht von einem Gewinn von 20 Euro (von 80 auf 100) aus und zieht fünf Euro KESt ab, ohne dass ein wirklicher Gewinn vorliegt. Auch in diesem Fall bleibt nur der Ausweg, die tatsächlichen Verhältnisse in der Steuererklärung offenzulegen. Natürlich gibt es auch Gewinner: Wer zum Beispiel im Börsentief im Oktober 2011 kräftig auf Einkaufstour ging und jetzt mit hohen Gewinnen dasteht, braucht diese nicht zu versteuern.

Es gibt nur wenige Banken, die sich die Mühe machen, die tatsächlichen Einstiegskurse heranzuziehen. Eine davon ist die UBS in Österreich. Bei fast allen anderen heißt es unisono: Das war uns zu kompliziert.

Letzte Auswege vor der KESt

Grundsätzlich gilt die KESt nur für Wertpapiere. Wer also Goldmünzen kauft und in einen Safe legt, bleibt auch weiterhin unbesteuert (wobei er genau genommen die Münzen ein Jahr halten muss, bevor diese verkauft werden).

Nur noch kurzfristig steuerschonend wirken spezielle Zertifikate. RCB-Expertin Heike Arbter: "Wer jetzt noch im März ein Zertifikat kauft, das unter dem Ausgabepreis notiert, kann den Aufholgewinn steuerfrei behalten. Erst der Teil des Profites, der jenseits des Emissionspreises entsteht, unterliegt der KESt.“

Akuten Handlungsbedarf haben Anleger, die an einer Gesellschaft etwas mehr als ein Prozent besitzen, etwa an einer familieneigenen GmbH. TPA-Steuerexperte Roland Reisch: "Hier sollte man, wenn es sinnvoll ist, den Anteil noch vor April auf unter ein Prozent reduzieren, etwa durch eine Schenkung oder eine Verschmelzung auf eine andere Gesellschaft. Dann bleibt man dauerhaft von der neuen KESt befreit.“

Martin Kwauka

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