Der neue Goldrausch

Die rasante Entwicklung des Goldpreises ist keine Blase. Die stark steigenden Förderkosten und die Unsicherheit an den Finanzmärkten sind die Basis für einen länger anhaltenden Boom.

"Keine Wette war in den Jahrhunderten der Währungsgeschichte sicherer zu gewinnen als die, dass ein Goldstück seine Kaufkraft besser bewahren würde als eine Banknote“, stellte einst der deutsche Ökonom Wilhelm Röpke fest, einer der Väter der sozialen Marktwirtschaft. So gesehen ist es vielleicht gar nicht das Gold, dass seit zehn Jahren laufend teurer wird, sondern umgekehrt sind es die Währungen, die an Wert verlieren. Für Ronald Stöferle ist diese Entwicklung angesichts der ausufernden Staatsschulden noch längst nicht vorbei. Der Goldexperte der Erste Bank sagt mutig einen Goldpreis von 2.000 Dollar pro Unze voraus – und das schon für Sommer 2012.

Explodierende Kosten

Joachim Berlenbach, ein deutscher Geologe, der elf Jahre in südafrikanischen Goldminen gearbeitet hat, will sich an solche punktgenauen Prognosen gar nicht erst heranwagen. Sicher sei nur, dass die Kosten der Goldproduktion in einem atemberaubenden Tempo steigen. Im Jahr 2001 reichten noch 263 Dollar, um eine Unze Gold zu fördern. Im Vorjahr mussten die größten 13 Minenunternehmen bereits 927 Dollar ausgeben. Der größte Kostenblock waren mit 417 Dollar die laufenden Produktionskosten. Berlenbach: „In einer Tagbaumine, in der gigantische Erdmassen bewegt werden, verschlingt allein der Diesel für die Lastwagen 30 Prozent aller Ausgaben.“ Ein Hauptgrund für die jahrelange Goldhausse ist also schlicht und einfach der teure Sprit. Das Rohöl macht den Betreibern auch sonst zu schaffen. Ein einziger Reifen für die Abraum-Fahrzeuge kostet inzwischen 60.000 Dollar – Tendenz weiter steigend.

Auf der anderen Seite sinkt die Ausbeute. In der südafrikanischen Kloof-Mine, in der Berlenbach in den 90er-Jahren arbeitete, konnte man damals pro Tonne Gestein 17 Gramm Gold gewinnen. Heute sind es bloß noch sieben. Berlenbach: „Kloof ist die zweittiefste Mine der Welt. Damals war sie auch eine der ertragreichsten. Ich glaube nicht, dass man dort in fünf Jahren überhaupt noch fördert.“

Dementsprechend glaubt Berlenbach nicht, dass der Goldpreis wieder einbricht wie nach dem letzten Boom im Jahr 1980, als der Preis durch Spekulanten kurzfristig auf 800 Dollar getrieben wurde. „100 Dollar weniger als heute sind jederzeit möglich, vielleicht auch 300 Dollar. Aber dann ist irgendwann der Punkt erreicht, wo die Kosten nicht mehr gedeckt sind. Und diese Gewinnschwelle wird immer höher.“ Berlenbach hat deshalb die Kosten des Vorjahres mit einer zehnprozentigen Steigerung bis zum Jahr 2015 hochgerechnet. Das Ergebnis: Dann kostet die Produktion einer Unze im Schnitt bereits 1.543 Dollar. Berlenbach sieht das eher als Untergrenze, möglicherweise steigen die Ausgaben auch um 20 Prozent im Jahr.

Was passiert, wenn der Preis unter die Kosten sinkt, hat der Geologe im Jahr 1997 selbst hautnah erlebt. Damals wurden ein nagelneuer Schacht eingemottet und zahlreiche Arbeiter gefeuert. Berlenbach: „Dann baute man nur noch das Gold ab, das am leichtesten erreichbar war – man hat sich sozusagen die Rosinen aus dem Kuchen gepickt. Das heißt aber auch, dass nur noch das niedriggradige Gestein übrigbleibt, was dann später erst recht die Förderkosten nach oben treibt. Südafrika leidet bis heute unter diesem Effekt.“

Bester Fonds der Welt

Für Berlenbach war dieses Preistief der Anlass, den Beruf des Geologen an den Nagel zu hängen und das gewonnene Wissen in der Finanzwelt zu nutzen – erst als Analyst, später als Fondsmanager. Er gründete mit anderen Geologen zusammen das Schweizer Investmenthaus Earth Ressources. Der am 1. Juli 2008 aufgelegte Goldminenfonds Earth Gold UI (ISIN DE000A0Q2SD8) hat gerade seinen dritten Jahrestag gefeiert – und das mit Pauken und Trompeten. Mit einem durchschnittlichen Jahresertrag von 31,9 Prozent (Stand 6. Juli) belegt der Fonds Platz eins im Dreijahresranking unter sämtlichen 17.000 Fonds, die das Fondshaus Morningstar beobachtet. Das Erfolgsrezept: Berlenbach und Kollegen schauen sich die Minen vor Ort genau an und investieren bevorzugt in kleinere Unternehmen, die nicht jeder kennt.

Erste-Banker Stöferle: „Die großen Konzerne kämpfen mit einer sinkenden Produktion, die sie durch sehr teure Zukäufe ausgleichen müssen.“ Barrick Gold, mit über 40 Milliarden Dollar Börsenwert der Branchenprimus, muss zum Beispiel jedes Jahr acht Millionen Unzen ersetzen. Dementsprechend blieb die Rendite von milliardenschweren Fonds wie dem renommierten Flaggschiff BlackRock World Gold auch hinter den kleinen Schnellbooten wie dem Earth Gold deutlich zurück.

Mit und ohne Hebel

Stöferle selbst betreut zwar keinen Fonds, ist aber verantwortlich für den Goldaktien-Basket, ein Anlagezertifikat der Erste Bank (ISIN AT0000A0DY51). Es enthält derzeit nur kanadische Unternehmen, weil Stöferle die politische Situation in vielen Förderländern zu heikel ist. Seit Start des Zertifikats im Sommer 2009 hat der Wert um insgesamt 120 Prozent zugelegt. Wem das noch zu wenig ist, der kann die Erträge noch zusätzlich hebeln. So ist das Turbozertifikat der RCB auf den Goldpreis mit der ISIN-Nummer AT0000A0FU61 derzeit mit einem Hebel von 3,2 unterwegs. Das im November 2009 um 7,3 Euro begebene Zertifikat kostet inzwischen mit 32 Euro mehr als das Vierfache. Allerdings geht der Hebel natürlich mit dem gleichen Tempo nach hinten los, wenn der Goldpreis fällt. Dafür hat dieses Turbozertifikat den Vorteil, dass es bei einem Kauf bis zum 30. September noch dauerhaft von der neuen Wertpapier-KESt befreit ist, während die beiden anderen genannten Investmentvehikel KESt-pflichtig sind.

Aktien oder physisches Gold?

Auch derjenige, der Gold in Form von Münzen kauft, bleibt von der KESt verschont – und wäre in den vergangenen 38 Jahren im Schnitt nicht schlechter gefahren als ein Besitzer von Goldminenaktien. Gerade in den letzten Monaten sind die Aktien nämlich der Entwicklung des Goldpreises deutlich hinterhergehinkt, was sich auch im Kursverlauf des Earth-Gold-Fonds und des Goldbaskets der Erste Bank bemerkbar macht. Die Ursache dieser Auseinanderentwicklung ist vor allem im Bereich der Psychologie zu suchen. Viele besorgte Anleger vertrauten nur noch auf physisches Gold und misstrauten allen Aktien – auch denen von Goldminen. Das könnte sich ändern, wenn die Anleger wieder stärker den Fakten vertrauen. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV, sind Goldminen so günstig wie lange nicht mehr.

Fazit: Es gibt viele Wege, um in das edle Metall zu investieren. Es kommt vor allem auf die Dosis an: Zwischen fünf und zwanzig Prozent des Vermögens macht Sinn. Dann kann man auch noch ruhig schlafen, wenn der Goldpreis zwischendurch eine Schwächephase durchmacht.

– Martin Kwauka

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