Der große Deal

Der große Deal

Diesen Juli beginnt ein historischer Prozess – und zwar in Form von Verhandlungen zwischen der EU und den USA. Das Ziel: Nichts weniger als die Schaffung der aktuell und historisch größten Freihandelszone der Welt mit rund 800 Millionen Einwohnern und einem kumulierten Jahres-BIP von 34 Billionen Euro.

Im Vorfeld haben sich US-Unternehmen bei ihrer Regierung deutlich in Stellung gebracht. 367 Parteien haben sich Ende Mai zu zweitägigen offiziellen Hearings angemeldet, darunter so illustre Branchen-Schwergewichte wie Ford, Chevron, Intel, Wal-Mart oder FedEx - in fast allen Fällen suchen die Amerikaner aggressiv nach einem leichteren Zugang zu den EU-Märkten, meist mittels Forderung nach Zollsenkungen. Stellt sich die Frage, wie gut europäische Mitbewerber für diese Invasion gewappnet sind, und was das für die jeweiligen Aktien bedeutet.

Das große Rennen

Eines der relevantesten Duelle wird wohl das zwischen Ford und Volkswagen sein. Und da werden sich die Deutschen warm anziehen müssen, werden diese in letzter Zeit doch immer wieder mit enttäuschenden Zahlen im Hoffnungsmarkt China konfrontiert. Beobachter schreiben dies der lokalen Medienberichterstattung zu, die insbesondere die Deutschen getroffen hat: "Ich denke, das langsamere Wachstum ist zum Teil auf diese Sendung von CCTV zurückzuführen, die Volkswagen und einer chinesischen Marke Qualitätsmängel vorgeworfen hat“, sagt Wang Yanxue, Analyst bei Huachuang Securities in Peking gegenüber Dow Jones Newswire. VW musste noch dazu im ersten Quartal einen Auslieferungsrückgang von mehr als neun Prozent hinnehmen. Zwar verzeichnet auch Ford am europäischen Markt ein Absatzminus von 13 Prozent. Allerdings ist der US-Konzern dabei, seine internationale Präsenz auszubauen. Und mit dem Ford Focus hat das Unternehmen im Vorjahr vielleicht nicht das beste, aber meist verkaufte Auto der Welt hergestellt. Das KGV der Deutschen liegt deutlich unter dem des amerikanischen Konkurrenten, der ungebrochene Aufwärtstrend bei Ford und die starken internationalen Initiativen lassen die US-Aktie trotzdem als bevorzugtes Investment aus dem Vergleich hervorgehen.

Der US-Einzelhandelsriese Wal-Mart lobbyiert nicht nur in Richtung niedrigerer Zölle, er will auch die Auszeichnungsvorgaben bei Gemüse gelockert sehen - in Europa bekanntlich ein sensibles Thema. EU-Parlamentspräsident Martin Schuld hat bereits erklärt, "gut etablierte Vorsorgeprinzipien“ bei der Lebensmittelsicherheit, wie etwa die GVO (Anm.: Gentechnisch veränderte Organismen)-Kennzeichnung sowie beim Klonen, Copyright und Patente auf europäischer Seite müssten erhalten bleiben“. Einer der schwergewichtigsten europäischen Konterparts zu Wal-Mart ist Frankreichs Carrefour. Um es kurz zu machen: Auch hier geht das Duell der Aktien zu Gunsten der Amerikaner aus. Bei keiner Kennzahl liegen die Franzosen vorne.

Abschottung der Gasvorkommen

In eine vollkommen andere Richtung gehen die Bemühungen von Chevron. Während sich die meisten US-Konzerne für möglichst leichte Marktzugänge stark machen, will Chevron die USA von der Konkurrenz abgeschottet sehen, ihr den Zugang zu den spektakulären Schieferöl- und gasvorkommen der Vereinigten Staaten verwehren. "Investitionen wie das Entwickeln von Schiefergas-Feldern und die knappe Ressourcenlage in den USA und Europa verlangen nach einem langfristigen Engagement und substanziellen privaten Kapitalinvestitionen“, hieß es in einem Brief an die zuständige US-Handelsbehörde. Bedeutet übersetzt: Wenn Washington will, dass seinen Forderungen nach Investitionen in den Infrastrukturbereich des Mineralölsektors Folge geleistet wird, soll man Chevron und anderen US-Ölkonzernen die Europäer vom Leibe halten. Wie schwierig es in Europa - und speziell Österreich ist - Schiefergas-Exploration politisch durchzusetzen, hat Chevrons Branchenkollege OMV am eigenen Leib erfahren müssen. Der Vergleich der beiden Unternehmensaktien geht für die Österreicher relativ gut aus. Sie ist etwas günstiger bewertet als der US-Riese und liegt auch bei der Dividendenrendite leicht vorne. Allerdings hat die OMV seit Jahresbeginn rund 30 Prozent an Wert gewonnen - eine phantastische Performance, bei der man aber schön langsam an Gewinnmitnahmen denken kann. Langfristig ist also trotz höherer Bewertung Chevron der interessantere Wert.

Buy american

Auch im IT-Bereich gibt es zwischen den jeweiligen Branchenvertretern Reibungspunkte. Drängen die Amerikaner hier wieder auf eine Senkung der Zölle, pochen die Europäer auf ihre strengeren Patentrechte. An der Speerspitze der US-Lobbyisten steht hier der Chiphersteller Intel - einer der härtesten Konkurrenten der deutschen Infineon. Im Transportbereich drängt FedEx auf eine Erhöhung der Grenze für länderübergreifenden, zollfreien Versand auf 800 US-Dollar. Derzeit liegt dieser Betrag bei 200 Dollar. Wird auf diese Weise der Marktzugang für US-Botendienste erleichtert, könnte sich die niederländische TNT Express, die eben erst einer Übernahme durch UPS entkommen ist, schneller auf der Einkaufliste der US-Mitbewerber wiederfinden als gedacht. Die EU-Behörden haben den Deal noch verhindert. Die aufgrund der Übernahmefantasie schon sehr hoch bwertete TNT empfiehlt sich nicht zum Kauf. Für die beiden Aktien aus dem IT-Bereich gilt aufgrund des Mixes an Fundamentaldaten aber das selbe wie für den Auto-, Öl-, und Handelssektor: Buy american!

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