Das Match der Superbörsen

Das Match der Superbörsen

In den USA und in China sind die Machtverhältnisse geklärt. FORMAT analysiert, welche der beiden Supermächte Aktien-Anlegern bessere Chancen bietet.

Die Machtfragen sind entschieden. In den USA bleibt Präsident Barack Obama vier weitere Jahre am Ruder, in China wird Xi Jingping als neuer Chef der Kommunistischen Partei das Sagen haben. Die Frage, welche der beiden Weltmächte, die um die wirtschaftliche Vorherrschaft rittern, sich in den nächsten Jahren besser entwickeln wird, stellen sich auch Anleger: Ist es besser, das Geld an der New Yorker Börse arbeiten zu lassen, obwohl die USA in einer Krise sind, oder bieten die Konzerne im aufstrebenden Reich der Mitte die größeren Chancen auf Kursanstiege?

Stichwort Kursanstiege. Was manche überraschen wird: Auf Dreijahressicht haben Investoren mit US-Aktien in Euro gerechnet knapp 58 Prozent Rendite erzielt, während es die Börse von Hongkong nur auf plus 23 Prozent brachte (siehe Chart ). Ab Ende September folgte die Kehrtwende, die US-Börse verlor drei Prozent, während die Kurse in China um vier Prozent zulegten.

Experten raten, generell mit Maß und Ziel in die Börsen einzusteigen. Robert Karas, Aktienchef der Schoellerbank: "Müsste ich jetzt 100.000 Euro in US- oder China-Aktien investieren, würde ich 70.000 Euro an der Wall Street und 10.000 Euro in Hongkong anlegen. Die restlichen 20.000 Euro blieben als Manövriermasse am Konto.“ Weniger US-Optimismus legt Ulrich Baumann, Leiter des Aktienfondsmanagements der Volksbank Invest, an den Tag. Baumann: "Wer jetzt einsteigen will, kann 40 Prozent des Geldes in China und 20 Prozent an der Börse New York investieren. Der Rest sollte in Cash gehalten werden.“

Eine Möglichkeit zum Einstieg liefern ausgesuchte US- und China-Aktien. Um die Top-Picks der Börsen herauszufiltern, hat FORMAT die Einzelwerte einem Check unterzogen. Dazu wurden die Konzerne anhand der Kennzahlen Kurs-Gewinn-Verhältnis, Dividendenrendite, Kurs-Buchwert-Verhältnis und Analystenempfehlungen gereiht und mit Punkten versehen - je niedriger die Punkteanzahl, desto besser kommen die Aktien im Ranking weg (siehe Tabellen ).

Speziell in Amerika gibt es Umstände, welche die Börseneuphorie dämpfen. So droht etwa die Erholung der US-Wirtschaft wegen der ausstehenden Lösung um die "fiskalische Klippe“ abzuflauen. Experte Baumann: "Amerika läuft Gefahr, sich selbst ins Out zu stellen. Bis März 2013 sollte eine Einigung auf dem Tisch liegen. Bis dahin bin ich für die US-Börse eher skeptisch.“

Vor der US-Wahl galten Gesundheitsaktien als Profiteure eines Sieges von Obama, Papiere von Rüstungskonzernen wären bei einem Sieg des republikanischen Kandidaten Mitt Romney eher gestiegen. Problem für Investoren: Bei Aktien beider Sektoren sind die wichtigsten Kursbewegungen schon vor dem Wahltag passiert. Deshalb ist es etwa für den breiten Einstieg in Gesundheitsaktien schon zu spät.

Plafond erreicht

Die Gewinnerwartungen für US-Konzerne liegen auf einem sehr hohen Niveau. Dieses Level wird auf Basis der Prognosen für das erste Quartal 2013 nicht zu halten sein. Noch dazu haben die größten 500 Börsenunternehmen extrem viel Cash angehäuft: nämlich 3.800 Milliarden Dollar, das entspricht einem Anteil von 14 Prozent aller Vermögensbestände. Die Ursache: Wegen der unsicheren Lage bleiben die Konzerne in der Deckung und sind nicht bereit, neue Investitionen in Angriff zu nehmen.

Noch dazu spricht die Statistik eindeutig gegen einen Boom der US-Börse. War doch jeweils das auf eine Präsidentenwahl folgende erste Quartal just das jeweils schlechteste im Vierjahreszyklus der Präsidentschaft.

Doch noch ist an der Wall Street nicht aller Tage Abend, das nahende Weihnachtsgeschäft könnte speziell bei Konsumelektronik-Aktien für Kursanstiege sorgen. Gut möglich, dass etwa die Aktie des Computerkonzerns Apple zumindest einen Teil der jüngsten Kursrückschläge aufholt. Auch der Internet-Suchdienst Google ist gut positioniert. Anleger, die nicht auf das schnelle Geld aus sind, haben längerfristig mit günstig bewerteten Papieren des Ölsektors wie dem Ölfeld-Servicedienstleister Schlumberger gute Karten. Weiterhin Vorsicht ist bei Papieren aus dem Rohstoff- und Minensektor angebracht.

Für Chinas Börse spricht, dass Aktien mit einem für das Gesamtjahr 2012 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11 auch im direkten Vergleich zu US-Papieren sehr günstig bewertet sind: Zweitere weisen im Schnitt ein KGV von 14 auf. Aber wie in den USA hat auch die chinesische Politik bis in das Frühjahr 2013 dringende Hausaufgaben zu erledigen. Noch ist offen, wie die überfällige Liberalisierung des Kapitalmarkts aussehen wird, wie der neue Parteichef Xi Jinping die Korruption in den Griff bekommen will und wie mit den Problemen in Chinas Schattenbankensystem verfahren wird. Deshalb sollten Anleger vorsichtig bleiben und nennenswerte Neuinvestments bis zum großen Parteikongress im März aufschieben.

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die beliebten Aktien von Glücksspielkonzernen wie Galaxy Entertainment oder Wynn Macau, die auf der Halbinsel Macao Zockerparadiese betreiben, unter Druck kommen werden. Chinas neuer Parteichef plant, das Glücksspiel einzudämmen.

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