Das sind die Lieblingsaktien der Österreicher

Das sind die Lieblingsaktien der Österreicher

Die Österreicher handeln am meisten mit ATX-Werten wie der Erste Group-Aktie von Andreas Treichl. Das ist nicht immer die beste Idee. Etwas mehr Internationalität brächte eine bessere Performance.

Möglichst bekannt. Möglichst nahe. Möglichst österreichisch. So lassen sich die privaten Aktienvorlieben der Austro-Anleger zusammenfassen. Zumindest ergeben das Daten, die von den beiden marktführenden Online-Brokern Direktanlage und Brokerjet erhoben wurden. Am gefragtesten waren 2013 Papiere von Andreas Treichls Erste Group. Wolfgang Eder schaffte mit der Voestalpine Platz zwei. Bronze holte sich RBI-CEO Karl Sevelda.

Von den 1,8 Milliarden Euro, die österreichische Privatanleger per Ende dieses Jahres in Aktien investiert haben werden, sollten bei einer Fortsetzung des bisherigen Trends mehr als die Hälfte in den ATX fließen. Ein Viertel wird in DAX-Werte gesteckt, der Eurozonen-Index EuroStoxx zieht immerhin noch knapp 20 Prozent an, den Schritt über den Atlantik Richtung Dow Jones wagen gerade zwei Prozent der Österreicher.

Genau in diesem geografischen Sicherheitsdenken - also vornehmlich in Unternehmen zu investieren, die innerhalb der Landesgrenzen liegen - könnte aber auch ein Grund für die latente Aktien-Aversion in Österreich liegen. Denn von den fünf meist gehandelten Austro-Titeln schaffte seit Jahresbeginn nur einer eine positive Performance: die Voestalpine. Nimmt man hingegen die jeweils fünf beliebtesten Aktien aus EuroStoxx, Dow Jones und DAX sind 60 Prozent der Werte im Plus. Bei einer breiteren geografischen Streuung wäre also im Schnitt eine bessere Jahres-Performance zu erzielen.

Laut Brokerjet-Chef Michel Vukusic diversifizieren die Österreicher aber nicht so sehr nach nationalen Kriterien sondern eher nach dem Motto: "Weg von Aktien, hin zu Derivaten.“ Der Grund: "Diese Produkte gewährleisten eine flexiblere Investmentstrategie.“ Immerhin erwartet der Experte "für die Wiener Börse, wo die Umsätze seit Jahren rückläufig sind, mit den aktuellen Kapitalerhöhungen von AT&S sowie Uniqa neue Impulse.“

Doch egal, ob die Aktie direkt gehandelt wird oder als Grundlage für ein Derivat fungiert - die Frage bleibt, ob der Anleger in Wien von einer allfälligen Belebung profitieren kann, wenn er seinen bisherigen Lieblingen treu bleibt. Die Antwort: Nur zum Teil. Unter den fünf meist gehandelten Titeln des ATX (Tabelle Seite 62) drängt sich nur die ohnehin schon erfolgreiche Voestalpine als Zukauf auf. Der Wert ist zwar von den Kennzahlen her nicht mehr ganz billig. Mit einem KGV von rund zwölf liegt er aber noch deutlich unter dem ATX-Schnitt von knapp 17. Dazu steckt auch im Chart noch Dynamik: Die kurz- und langfristigen Durchschnittslinien zeigen nach oben, der Aufwärtstrend bleibt intakt. Die Analysten von Goldmann Sachs sehen das Kursziel bei 38 Euro - ein Potenzial von mehr als zehn Prozent. Der Stahlkonzern habe "ein stärker als erwartetes Umsatzwachstum besonders in Zentral- und Osteuropa vorzuweisen“. Einen Wermutstropfen gibt es trotzdem: "Druck auf die Gewinne, besonders in Rumänien, und eine Verlangsamung des Gewinnwachstums im osteuropäischen Markt“, so die Analysten.

Jenseits der Top Fünf

Sucht man nach weiteren, wirklich verlockenden Werten aus Österreich, muss man die Top Fünf allerdings verlassen: Die OMV (ISIN AT0000743059) wurde laut Daten von Direktanlage am sechsthäufigsten gehandelt. Nabucco und Libyen beherrschten die Headlines, sorgten, teils unberechtigt, für eine skeptisches Grundstimmung und führten dazu, dass nicht einmal drei Prozent der privaten österreichischen Aktienkäufe auf die OMV entfielen. Trotzdem konnte der Titel seit Jahresbeginn um 25 Prozent zulegen. Die gute Nachricht: Die Aktie hat nach wie vor Potenzial. Legen sich die Unruhen rund um das US-Budget und steigt damit der Ölpreis, wird der Blick auf die guten Fundamentaldaten der Aktie frei. Diese ist mit einem für 2013 erwarteten KGV von rund acht sensationell billig, die Dividendenrendite von über drei Prozent ist solide. Die 200-Tages-Durchschnittslinie führt weiter nach oben. Viel spricht dafür, dass das Jahreshoch von knapp 40 Euro in absehbarer Zeit wieder erreicht wird. Die Rede ist von einem rund 15-prozentigen Kurspotenzial.

Auf geografische Distanz gehen

Um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, sollte der österreichische Privatanleger im Schnitt jedoch stärker auf internationale Werte setzen. Allzu weit von lieb gewonnen Gewohnheiten braucht er sich dabei nicht zu entfernen. Denn unter den bereits gut gehandelten Werten befinden sich solche, die man fallweise einfach nur stärker gewichten muss - darunter die Aktie von Volkswagen. Diese liegt bei den Österreichern sowohl im EuroStoxx, als auch im deutschen DAX im Spitzenfeld und schafft so eine Top-Platzierung. Ein Blick auf die Tabelle zeigt auch, dass das fundamentale Umfeld stimmt. Dazu kommen regulatorische Bedingungen, die VW-Chef Manfred Winterkorn in die Hände spielen: Aus Brüssel wird sich der Druck Richtung verschärfter CO2-Richtlinien verstärken. Unter den deutschen Automobil-Konzernen verfügt VW über die Flotte, die von strengeren Vorgaben am wenigsten betroffen sein wird. Dazu gibt es bereits marktreife Modelle im Elektromotoren-Bereich.

Bei den US-Werten bieten sich wiederum zwei US-Technologietitel mit verschiedenen Zeithorizonten an: Apple aufgrund charttechnischer Elemente und einem sensationellen Start der neuen iPhone-Generation für die kurzfristigen Anleger - und Microsoft für den langfristigen Investor. Der Windows-Hersteller hat mit dem Nokia-Deal und der neuen Tablet-Serie Surface gezeigt, dass er ernsthaft bereit ist, in den mobilen Ring zu steigen. Die Desktop- und Business-Produkte generieren in der Zwischenzeit genügend Cash, um weiterhin operativ erfolgreich zu sein und dabei auch noch eine für amerikanische Verhältnisse üppige Dividendenrendite von mehr als drei Prozent zu erzielen.

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