"Das Grundübel bleibt, dass die Staaten nicht mit Geld umgehen können"

Luca Pesarini, Manager des Mischfonds Ethna-Aktiv, über seine betont konservative Strategie und Anleihen, die immer noch gute Erträge versprechen.

FORMAT: Das erste Quartal lief an den Börsen ganz hervorragend. Sie hielten aber in Ihrem Mischfonds Ethna-Aktiv E selbst im März nur 8,5 Prozent Aktien, obwohl Sie sich früher schon bis auf 30 Prozent bewegt haben. Trauen Sie dem Boom nicht?

Luca Pesarini. Wir sind tatsächlich weniger in Aktien investiert, daher kann ich Ihre Frage verstehen. Aber letztlich ist es meine Aufgabe, das Vermögen meiner Kunden zu bewahren. Tatsache ist, die Verschuldung bleibt ein globales Problem. Durch die riesigen Geldspritzen der Europäischen Zentralbank wird das Ganze nur kosmetisch vertuscht. Die hohe Liquidität wird zur Spekulation genutzt und treibt jetzt nicht nur den Ölpreis in ungerechtfertigte Höhen, sondern auch Gold und Aktien.

Ihre vorsichtige Strategie wird sich angesichts dieser Analyse heuer wohl kaum ändern.

Ja, das Jahr wird sehr holprig werden. Das Grundübel bleibt, dass die Staaten nicht mit dem Geld umgehen können und die Banken zu wenig reglementiert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das ändert, liegt meines Erachtens unter drei Prozent. Und ich sage noch etwas: Die nächste Krise wird wirtschaftlich noch anspruchsvoller.

Bisher lag der Abstand zwischen zwei Krisen etwa bei fünf Jahren. Sie glauben demnach, der totale Crash ereignet sich schon bald?

Ich bin an sich ein Optimist und will mich nicht als Crashprophet profilieren. Deshalb nur so viel: Die nächste Krise lässt sich nicht mehr mit viel Geld lösen.

De facto sind Sie derzeit ein Anleihenfonds mit Schwerpunkt sichere Häfen. Da kann man doch kaum etwas verdienen.

In der Tat ist es schwierig, weil die Zinsen absichtlich so tief gedrückt werden. In Japan wurde sogar vor kurzem eine 20-jährige Anleihe mit null Prozent Zinsen und Kurs 100 aufgelegt. Damit diese überhaupt gekauft werden, wurden sie von der Erbschaftssteuer befreit. Trotzdem fangen wir jetzt nicht an, irgendwie zu zocken. Wenn es keine sinnvollen Ideen gibt, warten wir lieber ab. Zum Großteil halten wir betont solide Staatsanleihen von Deutschland oder Norwegen und einen hohen Anteil Liquidität.

Wie hoch liegt derzeit die aktuelle Anleihenverzinsung im Ethna-Aktiv?

Aktuell bei durchschnittlich 5,16 Prozent.

Wo kommen die her, wenn viele Papiere fast gar nichts abwerfen?

Zum Beispiel von Unternehmesanleihen oder von australischen Staatsanleihen, bei denen es noch 6 Prozent zu holen gibt. Dazu halten wir auch einen Anteil von 12 Prozent an Nachranganleihen von Banken und Versicherungen, bei denen sich die Rendite bei 8 bis 10 Prozent bewegt.

Ist das nicht ein hohes Risiko?

Wir beschränken uns auf die soliden Adressen. Im vergangenen Herbst haben die Papiere trotzdem kräftiger geschwankt, als wir erwartet haben. Wenn man aber diese Schwankungen aushält, kann man durchaus gut verdienen. Im ersten Quartal hat der Fonds 2,5 Prozent zugelegt. Für das Gesamtjahr strebe ich 5 bis 6 Prozent an, was sicher eine Herausforderung ist.

Das Interview führte: Martin Kwauka

Zur Person: Luca Pesarini, 50, ist geborener Italiener und schloss in Deutschland ein Betriebswirtschaftsstudium ab. Er arbeitete danach unter anderem als Vorstand bei Julius Bär Deutschland. 2001 gründete er die Schweizer Fondsgesellschaft Ethna und machte sich einen Namen als auffallend krisenfester Investor.