Das Anlage-Abc nach Zypern

Das Anlage-Abc nach Zypern

Trotz steigender Börsen beweist die Krise in Zypern, dass Anleger auf der Hut bleiben müssen. Eine scharfe Korrektur ist jederzeit möglich. Es ist wichtig, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.

Ein Schuss vor den Bug. Die von der EU-Politik hausgemachte Krise in Zypern hat Anleger wachgerüttelt und an die fragile Situation in der Eurozone erinnert. Zwar hielten sich die Kursverluste an den Börsen bislang in Grenzen und waren vor allem auf den Bankensektor in Südeuropa begrenzt, allerdings sollten Anleger diesen Warnschuss als Mahnung begreifen. Denn die Art und Weise, wie rasch Börsianer wieder zur Tagesordnung - also zu steigenden Kursen - übergegangen sind, zeigt, dass die Risikoneigung bereits ein eher ungesundes Niveau erreicht hat. Das beweist auch ein Blick auf den VDAX, der die Volatilität des deutschen Leitindex misst und demnach ein Barometer für die Nervosität an den Märkten ist. Trotz kurzfristiger Zypern-Troubles befindet sich der VDAX nahe seinem Fünfjahrestief, bei einem Kurs von rund 14,3 Punkten.

Zum Vergleich: Im Juni vergangenen Jahres, am Höhepunkt der Spanien-Krise, schnellte der Volatilitäts-Index auf über 30, zum Zeitpunkt der Lehman-Pleite waren es sogar 74 Punkte. Man hat sich also an den Aufwärtstrend an den Börsen gewöhnt und lässt sich von negativen politischen Einflüssen kaum noch aus der Ruhe bringen. Auch das politische Patt in Italien kann daran nichts ändern: Die Börsen wollen steigen.

ATX und DAX können bereits ein Plus von drei beziehungsweise fünf Prozent ausweisen. Noch schöner fällt die Zwischenbilanz in den USA und Japan aus, dort können sich Anleger über einen Rekordstand beim Dow Jones und ein Plus von rund 14 Prozent freuen, in Japan sind es immerhin plus neun Prozent. Die Gefahr eines empfindlicheren Rückschlags ist aber jederzeit gegeben. Denn die Indizes notieren nahe ihren Rekordständen, dementsprechend ungünstig erscheint das Chancen-Risiko-Verhältnis. Wenngleich die Aufwärtstrends und jedes neue Hoch für weiter steigende Kurse sprechen.

Getrieben wurde die Rally bislang aber hauptsächlich von institutionellen Anlegern, die sich zunehmend den Wechsel von Anleihen zu Aktien zutrauen. Anders sieht die Situation bei Privatanlegern aus. In Europa wie auch in den USA haben sehr viele Kleinanleger die jüngsten Kursfeuerwerke verpasst. "Es sieht nicht so aus, als ob die Privatanleger schon auf den Markt zurückgekommen sind“, erklärt Joseph Veranth, Chief Investment Officer bei Dana Investment, gegenüber Bloomberg. "Die Leute sind nicht überzeugt, dass der Aufwärtstrend echt ist. Sie haben sich zweimal böse die Finger verbrannt und hegen noch Zweifel.“ Diese Zweifel werden aber laufend kleiner, je länger die Rally dauert. Langsam steigen auch die Privaten ein. Das ist durchaus nicht verkehrt, aber man sollte die gebotene Vorsicht walten lassen.

Euro wird zum Sorgenkind

Bei genauem Hinsehen sind Warnsignale an den Märkten zu vernehmen. Besonders beim Euro. Anders als die Börsen lässt sich die Gemeinschaftswährung nämlich sehr wohl vom politischen Chaos in Zypern und Italien anstecken. So fiel der Euro seit dem Wahlpatt in Rom zuerst von 1,35 Dollar auf 1,30, um nach dem Zypern-Debakel unter die 1,30-Dollar-Marke abzutauchen. Das ist zwar kein Beinbruch, denn die lahmende europäische Wirtschaft kann einen schwachen Euro gut gebrauchen, es ist aber doch ein Indiz für einen neuerlichen Vertrauensverlust der Eurozone. Ebenso ist die gestiegene Nervosität an anziehenden Notierungen beim Schweizer Franken gegenüber dem Euro messbar.

Abzulesen ist genau das auch an den Anleihen-Renditen: So suchen Anleger wieder vermehrt Schutz in sicheren Häfen. Dazu zählen allen voran Deutschland und Österreich. So fiel die Rendite heimischer Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit Mitte der Woche auf ein Jahrestief von 1,68 Prozent. Nur einmal waren die Renditen bisher noch tiefer - am 10. Dezember des Vorjahres. Apropos sicherer Hafen: Das zuletzt in vielen Medien schon "angezählte“ Gold erlebt Zypern-bedingt ebenfalls ein Comeback: Das als Krisenwährung geeichte Edelmetall konnte die Marke von 1.600 US-Dollar je Feinunze bis Redaktionsschluss wieder zurückerobern.

Stop-Kurse sind Pflicht. Anleger sollten aus der aktuellen Situation daher zwei Schlüsse ziehen: zum einen, dass es jederzeit zu einer scharfen Korrektur kommen kann. Auslöser dafür gäbe es einige: Eine Abkehr von der allzu lockeren Geldpolitik der Notenbanken in den USA und Europa zählt genauso dazu wie eine Zuspitzung des politischen Chaos in Italien - Stichwort Beppe Grillo und Neuwahlen - oder ein um sich greifendes Misstrauen gegenüber den Banken aufgrund der Maßnahmen in Zypern.

Um sich davor zu schützen, sollten Anleger jedenfalls immer mit Stop-Kursen arbeiten, also bei Aktien ein Stop-Loss-Limit einziehen, um die Kursgewinne seit Juni 2012 abzusichern. Je nachdem, wie hoch die Kursgewinne bereits sind, sollte der Stop fünf bis zehn Prozent unter dem aktuellen Kurs liegen, damit man im Fall steigender Volatilität nicht frühzeitig aus dem Markt "geschüttelt“ wird.

Die zweite Lehre aus der Zypern-Krise und der gestiegenen Nervosität: Kursrückgänge bei chancenreichen Einzeltiteln sollte man für Nachkäufe nutzen und dabei immer den Markt im Auge behalten. Bestes Beispiel dafür ist aktuell der US-Technologieriese Apple, wo sich eine Bodenbildung abzeichnet und eine kräftige Erhöhung der Dividende eine langfristige Kursabsicherung bedeutet.

Das Thema Ausschüttungen sollten sich Anleger generell zu Herzen nehmen, denn die Dividendensaison kommt Mitte April so richtig ins Rollen. Dabei gilt es auch, an der Wiener Börse bei den Perlen in dieser Disziplin abzustauben. Im ATX glänzen Post, Immofinanz und die OMV mit Renditen zwischen 3,5 und 5,5 Prozent. Zahltag ist im Mai beziehungsweise September (Immofinanz).

Finger weg heißt es dagegen bei den Bank-Aktien Südeuropas. Das beweisen die jüngsten Probleme in der Eurozone sehr deutlich. Die griechischen Banken sind trotz zwischenzeitlicher Rally wieder am Boden der Realität angekommen und markierten Mitte der Woche neue Allzeittiefs.

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