Cash von der Börse: Welche Konzerne die höchsten Dividenden zahlen

Bei vielen Börsenkonzernen ist der Geldhahn weit offen. FORMAT beschreibt, welche Aktien mit hoher Dividendenrendite aufwarten und worauf bei der Steuer zu achten ist.

Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu. So kann sich Investorenlegende Warren Buffett, mit geschätzten 47 Milliarden Dollar immerhin drittreichster Mensch der Welt, heuer über ein angenehmes Zubrot freuen. Dem Großaktionär des weltgrößten Rückversicherers Munich Re winkt eine hohe Ausschüttung, liegt die Dividendenrendite des deutschen Konzerns laut aktuellen Schätzungen doch bei 5,1 Prozent. In Summe wird immerhin mehr als die Hälfte des Jahresgewinns der Munich Re von 2,43 Milliarden Euro an die Aktionäre weitergereicht.

Buffett ist freilich nicht der Einzige, der bei Aktieninvestments neben den Kursanstiegen auch die jährlichen Dividenden im Auge hat. Und die langfristige Entwicklung gibt ihm Recht: Welche Ertragskraft Ausschüttungen auf lange Sicht haben, zeigt eine deutsche Untersuchung. Wer zwischen 1990 und Ende 2010 30.000 Euro in den CDax-Index, der den Kursverlauf sämtlicher börsennotierter Unternehmen inklusive der Dividenden abbildet, investierte, der hatte nach 20 Jahren 69.000 Euro. Ohne Dividenden wären daraus nur vergleichsweise magere 36.000 Euro geworden.

Viele Fondsmanager und Vermögensverwalter raten gerade jetzt zu Papieren mit hohen Ausschüttungen. Der Grund: Einerseits ist das Image der als sicher geltenden Staatsanleihen ramponiert, und andererseits ist das Renditeniveau der Zinspapiere wegen der Nachwirkungen der Finanzkrise erbärmlich niedrig. Die Folge: Viele solide Konzerne zahlen mehr Dividende, als selbst zehnjährige Bundesanleihen an Zinsen einbringen, und dazu winken bei manchen Papieren auch noch Kurssteigerungen.

Viva España

Ein gutes Beispiel dafür ist der spanische Telekomkonzern Telefónica. Karl Freidl, Leiter des Portfoliomanagements des Bankhauses Krentschker: „Für das Geschäftsjahr 2010 wird der Gewinn je Aktie auf 1,71 Euro geschätzt. Davon werden rund 1,5 Euro je Aktie als Dividende ausgeschüttet.“ Die hohe Dividende – beim aktuellen Kurs rund sieben Prozent – ist somit durch den Profit gedeckt, was für langfristige Anleger beruhigend ist. Freidl: „Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn ein Unternehmen die Ausschüttungen aus dem eingefahrenen Gewinn bedient und nicht auf die Substanz zurückgreift.“ Darüber hinaus ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von sieben auch noch äußerst günstig bewertet, zumal bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes im Wachstumsmarkt Lateinamerika generiert wird. Im Schnitt sehen die Analysten daher auch ein Kurspotenzial von 15 Prozent.

Doch auch ohne Kursgewinne sind die Dividendenkaiser attraktiv. So hinkt etwa die Aktie der Telekom Austria seit Anfang 2010 der Entwicklung des Wiener Leitindex ATX hinterher. Alois Wögerbauer, Chef der 3Banken-Generali-Fondsgesellschaft: „Aber selbst wenn der Aktienkurs in drei Jahren immer noch bei zehn Euro liegen sollte, können Anleger dank der hohen Dividendenrendite von 7,3 Prozent gut verdienen.“

Hochprozentige Branchen

Weltweit gelten Konzerne aus den Bereichen Telekommunikation, Energieversorgung und Pharma als zuverlässige Zahlmeister der Börse. So greift etwa der australische Telekom- und Mobilfunkspezialist Telstra besonders tief in die Tasche: Die Dividendenrendite liegt aktuell bei unglaublichen 14,3 Prozent. Ähnlich spendierfreudig gibt sich der brasilianische Versorger Light mit einem Wert von 10,9 Prozent. Experte Freidl: „Mein Favorit unter den ausschüttungsstarken Versorgern ist das italienische Öl- und Erdgasunternehmen Eni. Die deutschen Pendants aus dem Energiesektor kämpfen dagegen mit der neuen Atomsteuer, die die Gewinne anknabbert.“

Anleger sind auch gut beraten, neben der Höhe der Ausschüttung auch auf die Dividendenpolitik zu achten. In diesem Punkt hat der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé Vorbildwirkung. Obwohl die aktuelle Dividendenrendite in Höhe von 3,09 Prozent im Vergleich zu den Top-Werten moderat ausfällt, überzeugt das 1867 gegründete Unternehmen mit seiner Kontinuität. Seit 1997 stieg die Dividende je Aktie, in Schweizer Franken gerechnet, jährlich im Schnitt um 13,7 Prozent.

Die Dividendenjagd hat freilich auch ihre Tücken: Anleger, die etwa kurzfristig Kasse machen wollen, indem sie eine Aktie knapp vor der Ausschüttung kaufen, stehen wider Erwarten nicht zwangsläufig auf Seite der Gewinner. Sie kassieren zwar die Dividenden, müssen aber den tieferen Aktienkurs nach der Ausschüttung in Kauf nehmen. Anlageprofi Karl Freidl: „Wenn eine Aktie vor Ausschüttung bei 100 Euro notiert und die Dividende 5 Euro beträgt, sinkt der Aktienkurs auf 95 Euro. Wegen dieses Preisabschlages steige ich lieber nach der Ausschüttung ein, und das auch nur, wenn es an der Börse keine großen Ausschläge gibt.“ Fonds-Chef Wögerbauer pflichtet bei: „Schwankt die Börse rund um den Ausschüttungstag stark, kippt das Modell. Ich kenne noch keine empirische Untersuchung, die einen positiven Effekt nachweist.“

Doppelstrategie nutzen

Wer sich die aufwendige Suche nach einzelnen Aktien ersparen will, kann auch in ausgesuchte Aktienfonds investieren, die neben dem Kurspotenzial auch auf hohe Dividendenrenditen setzen. So sind etwa im Welt-Aktienfonds M&G Global Dividend ( ISIN GB00B39R2S49 ) der weltgrößte Methanolanbieter Methanex, die Banco do Brasil und Telefónica am höchsten gewichtet. Der DJE Dividende & Substanz ( ISN LU0159550150 ) setzt auf deutsche Konzerne wie Bilfinger Berger und RWE sowie auf den russischen Nickel- und Paladiumproduzenten Norilsk Nickel. Beim Gesamtertrag hat der Dividenden-Fonds von M&G derzeit mit einem 12-Monats-Plus von 25,9 Prozent die Nase vorne.

Steuer frisst Dividende

Anleger, die wegen des Dividenden-Zubrots zu ausländischen Aktien greifen, müssen die steuerlichen Gegebenheiten berücksichtigen. Thomas Strobach, Steuerexperte von PwC: „Bei deutschen Aktien beträgt die Dividendenbesteuerung 36,5 Prozent. Den Unterschied zur österreichischen KESt von 25 Prozent können sich Anleger aber wieder zurückholen.“ Bei japanischen Papieren macht die Jagd auf Dividenden wegen der hohen Besteuerung dagegen überhaupt keinen Sinn.

– Carolina Burger, Robert Winter

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