Börseprofi: Rettung mit Vorbehalt

Die Grundregeln für das 130 Milliarden Euro schwere Sanierungspaket für Griechenland stehen fest. Die Börsen reagierten trotzdem verstimmt. Zu viele Details sind noch ungelöst.

Die griechische Tragödie hat wieder einen Akt abgeschlossen. 130 Milliarden Euro sind es diesmal, die die Hellenen vor dem Bankrott schützen sollen – vorläufig. Die Börsen hatten die Freigabe des Rettungspakets bereits erwartet. Noch vor Bekanntgabe der Entscheidung markierte der deutsche Leit­index DAX zu Wochenbeginn mit knapp 7.000 Punkten ein neues Allzeithoch. Das entspricht einem Anstieg seit Jahresbeginn von rund 20 Prozent.

Wie schwer es ist, sich als Privatanleger zu positionieren, konnten die Teilnehmer des Anlegerspiels „Börseprofi 2012“ am eigenen Leib erfahren. Die Führenden erzielten seit dem Start Ende Jänner trotzdem ein Plus von acht Prozent. Auch wenn die Börsen am Wochenanfang in den Korrekturmodus schalteten, besteht weiter Luft nach oben. Helge Rechberger, Aktien­analyst bei Raiffeisen, glaubt jedenfalls nicht, dass die Hausse schon vorbei ist.

DAX bis Jahresende bei 7.400 Punkten

Bis Jahresende sieht er den DAX sogar bei 7.400 Zählern und den ATX bei 2.450. Rechberger: „Die Notenbanken fluten die Märkte mit frischem Kapital. Das ist der Hauptgrund für meine positiven Erwartungen. Im Moment steigen einfach alle Anlageklassen, egal ob Rohstoffe, Aktien oder Anleihen. Das ist eigentlich keine gesunde Entwicklung sondern zeigt, dass sich gerade wieder neue Blasen bilden.“ Vom Öffnen der Geldschleusen profitieren ganz besonders Banken, die derzeit unbegrenzt Kredite von der EZB bekommen. Sie können die billigen Mittel von der EZB sehr profitabel neu veranlagen. Rechberger: „Kreditinstitute werden derart großzügig unterstützt, dass sie in zwei Jahren wahrscheinlich besser dastehen werden als vor der Finanzkrise 2008.“

Diese Prognose ist in den Kursen von Banktiteln aber noch längst nicht eingepreist. Rechberger: „Bankaktien sind so massiv verkauft worden, dass diese Papiere ein starkes Aufwärtspotenzial haben.“ Ganz ohne Risiko ist ein Bankengagement freilich nicht. Das Rettungspaket der Griechen lässt viele Punkte offen. Rechberger hält das allerdings für nebensächlich: „Börsianer glauben nicht mehr, dass das Wohl von Europa an Griechenland scheitern kann. Es ist sogar bereits eingepreist, dass Griechenland letztlich doch pleitegeht.“

Carolina Burger

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