Börsen in Partystimmung

Die Börsen erlebten den besten Jänner seit dem Jahr 1994. FORMAT zeigt, welche Aktien weiter Kursfantasie haben, und ­analysiert Mischfonds, die auch bei Korrekturen auf Kurs bleiben.

Neues Jahr, neues Glück. Während Anleger im Vorjahr scharenweise vor Aktien Reißaus nahmen, strömt das Geld seit Jahresanfang wieder flott in Richtung Börse. Im Jänner sammelten die weltweiten Börsen knapp 3.000 Milliarden Dollar frisches Geld ein. Der gewaltige Geldfluss löste ein wahres Kursfeuerwerk aus und verhalf den Aktienmärkten laut der Nachrichtenagentur Bloomberg zum besten Jahresstart seit 1994.

Die beste Feierlaune herrscht bei An­legern, die in exotischen Gefilden investieren – und dazu gehört aus der Sicht mancher internationaler Investoren auch Österreich. Wer zu Jahresbeginn 10.000 Euro in indische Aktien investierte, blickt aktuell bereits auf ein Vermögen von 11.887 Euro. Zur Freude heimischer Anleger konnte die Wiener Börse im Jänner mit den besten Aktienmärkten der Welt mithalten und den Einsatz auf 11.203 Euro steigern. Dagegen sehen Sparer alt aus. Auf einem mit zwei Prozent verzinsten Sparbuch haben sich die 10.000 Euro nur auf 10.017 Euro vermehrt.

Good News

Geht es nach aktuellen Zahlen, ist ein abruptes Ende des Börsenbooms nicht in Sicht. So ist etwa die US-Wirtschaft laut vorläufigen Zahlen im Schlussquartal 2011 mit einem Plus von 2,8 Prozent stärker gewachsen als erwartet. Mitte der Woche wurde die Hoffnung weiter geschürt, nachdem der aktuelle ISM-Einkaufsmanagerindex eine Belebung im verarbeitenden US-Gewerbe widerspiegelt. Auch wichtige Konjunktur­indizes von China und Indien weisen auf einen Anstieg der Geschäftstätigkeit hin. Gleichzeitig ist die Inflation in vielen aufstrebenden Staaten rückläufig.

Dazu kommt, dass an vielen Börsen trotz der Jänner-Rally die Einstiegskurse nach wie vor günstig sind. Frédéric Leroux, oberster Anlagestratege der französischen Fondsgesellschaft Carmignac: „Ich habe eine klare Botschaft: In nächster Zeit bergen die Schwellenländer die besten Anlagechancen. Die Börsenbewertung ist sehr günstig, chinesische Aktien sind sogar um 35 Prozent unterbewertet“.

Trotz des wiedererwachten Optimismus der Anleger ist es unwahrscheinlich, dass das Kursfeuerwerk an den Börsen in dem Tempo weitergeht. Noch gilt es, bei der Lösung der europäischen Staatsschuldenproblematik wichtige Hürden zu nehmen. Dazu kommt, dass auch die Wirtschaft der USA noch nicht ganz aus dem Schneider ist und dass niemand mit Sicherheit sagen kann, ob in Europa nicht doch noch Banken unter die Räder kommen. Darüber hinaus sorgt die laufende Gewinnsaison am Alten Kontinent für lange Gesichter unter Aktionären. 59 Prozent der 600 größten europäischen Konzerne, die bereits aktuelle Ergebniszahlen für 2011 gelegt haben, könnten die Erwartungen der Analysten nicht erfüllen.

Börsenparty ohne Kater  

Deshalb sind Anleger gut beraten, nur mit Vorsicht zu investieren und vor allem Aktien zu kaufen, die relativ krisensicher sind. Dazu gehören zum Beispiel Aktien des IT-Konzerns Apple, der fast jedes Quartal mit neuen Gewinnrekorden überrascht. Selbst wenn der Handyabsatz einmal schwächelt, gewinnt Apple auf Kosten früherer Platzhirsche wie Nokia oder Motorola. Nur der koreanische Apple-Konkurrent Samsung kann mit seinen Smartphones mithalten – die Aktie zeigte zuletzt kräftige Lebenszeichen. Ein besonderer Trumpf von Samsung ist der ausgewogene Regionalmix: Der stärkste Absatzmarkt ist China mit einem Drittel des Geschäfts, Amerika und Europa folgen mit je einem Fünftel. Der Rest entfällt vor allem auf den Heimmarkt und das übrige Asien.

Auch der deutsche Gesundheitskonzern Fresenius oder der weltgrößte Uhrenhersteller Swatch sind momentan hervorragend positioniert. An der Wiener Börse bergen viele Aktien gute Chancen auf Kursgewinne, schließlich gehörte Wien im Vorjahr zu den weltweiten Schlusslichtern und hat deswegen einiges Aufholpotenzial. Alois Wögerbauer, Fondsmanager des 3-Banken-Österreich-Fonds, des zuletzt besten Austro-Aktienfonds, zählt Lenzing und OMV zu seinen besonderen Favoriten: „Lenzing hat einen sehr attraktiven Produktmix und ist damit weniger konjunkturanfällig als oft angenommen. Bei der OMV hat zwar das Management in der Vergangenheit nicht immer strategisch klar agiert, aber die Aktie notiert unter dem Buchwert und zahlt hohe Dividenden.“

Fonds mit Autopilot  

Wer beim laufenden Börsenboom dabei sein will, ohne bei einer Trendwende am falschen Fuß erwischt zu werden, sollte zu flexiblen Mischfonds greifen, die wie eine Vermögensverwaltung agieren. Der Vorteil dieser Produkte: Die Fondsmanager passen ihre Anlagestrategie rasch an das jeweilige Börsenwetter an, indem sie die Aktienpositionen reduzieren oder rechtzeitig absichern. Das ersparte Investoren nach der Börsenparty von 2009 und 2010 im Vorjahr ein böses Erwachen. Im Krisenjahr 2011 kamen die elf von FORMAT ausgesuchten Produkte mit einem verschmerzbaren Durchschnittsverlust von 0,6 Prozent nahezu schadlos durch die schwierige Börsen­phase.

Damit eignen sich diese Allwetterfonds ganz hervorragend für langfristige Basisinvestments – und sind auch für konservative Anleger einen Blick wert. Diese sollten vor allem auf die maximalen Verluste eines Jahres schauen. So pendelte der Carmignac Patrimoine selbst in den Problemjahren 2008 und 2011 um die Null. Auch der Ethna-Aktiv kann sich mit einem maximalen Jahresminus von 3,9 Prozent sehen lassen. Deutlich aggressiver agierten zum Beispiel der Kapital Plus, der ­Pioneer Global Balanced und der UniRak. Sie gehörten damit im Boomjahr 2010 zu den besten, im Jahr 2008 fielen dafür spürbare Verluste an.

Generell gilt: Flexible Mischfonds weichen naturgemäß relativ stark von vorgegebenen starren Investmentindizes ab. Dieser Mut macht sich einmal mehr und einmal weniger bezahlt. Deshalb lohnt es sich, nicht das ganze Geld auf eine Karte zu setzen, sondern mehrere Eisen im Feuer zu haben.

Bombenstart in den Februar  

Nach dem Kärntner Motto „Wenns laft, dann lafts“ begannen die Börsen dank guter Zahlen aus China auch den zweiten Monat des Jahres mit stark steigenden Kursen. Der Wiener ATX konnte vergangenen Mittwoch sogar gleich drei Prozent zulegen. Das setzt professionelle Investoren, etwa von Versicherungen oder Pensionskassen, die bisher die Kursanstiege verpasst haben, unter enor­men Stress. Früher oder später sind sie ­gezwungen, auf den fahrenden Zug aufzuspringen – und damit noch viele frische Milliarden in die Börse zu pumpen.

Robert Winter, Martin Kwauka

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Service

Die Suche nach dem besten Konto

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik

Geld & Service

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik