„Bis 2030 übernehmen die
Börsen der Schwellenländer das Zepter“

Franklin-Templeton-Fondsmanager Mark Mobius im FORMAT-Interview über den Boom von Exotenstaaten und den nächsten Börsencrash.

Format: Herr Mobius, ich gebe Ihnen 10.000 Euro zur Veranlagung in Schwellenländeraktien. Wie investieren Sie mein Geld?

Mobius: Ich lege 5.000 Euro in Aktien aus Asien und 4.000 Euro in einen weltweit gestreuten Schwellenlandfonds. Die restlichen 1.000 Euro investiere ich in Lateinamerika.

Format: Wie halten Sie es mit Ihrem eigenen Vermögen?

Mobius: Ein Drittel liegt in von mir gelenkten Schwellenländeraktienfonds. Ein weiteres Drittel ist in Immobilien veranlagt, den Rest halte ich in Cash.

Format: In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Kurse weltweiter Schwellenländeraktien im Schnitt verdoppelt. Welchen Ertrag halten Sie bis 2020 für möglich?

Mobius: Ich rechne bei Schwellenländeraktien neuerlich mit Kursgewinnen in der Größenordnung von100 Prozent.

Format: Der Geldstrom in die Exotenbörsen hält an. Laut Goldman Sachs könnte bis 2030 deutlich mehr Kapital in Schwellenländeraktien investiert sein als in Papiere der etablierten Börsen. Ist diese Prognose realistisch?

Mobius: Das halte ich für durchaus möglich. Nicht zuletzt wegen des hohen Wirtschaftswachstums. Bereits jetzt kommt rund die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung aus den Schwellenländern. Bis 2012 wird das Bruttoinlandsprodukt der Emerging Markets um jährlich 8,4 Prozent wachsen, in den Frontier Markets, das sind Staaten wie Nigeria, Vietnam oder Pakistan, sogar um 9,9 Prozent. Im direkten Vergleich verläuft die Erholung in der entwickelten Welt mit durchschnittlich plus 2,9 Prozent bis 2012 deutlich langsamer.

Format: Was heißt das für Anleger?

Mobius: Aktuell sind rund 30 Prozent des weltweiten Aktienkapitals an den Schwellenländerbörsen investiert. Großanleger aus Industriestaaten wie Pensionskassen und Versicherungen halten in ihren Aktienportfolios aber erst einen Exotenaktien-Anteil zwischen drei und acht Prozent. Da besteht noch enormer Aufholbedarf.

Format: Ist die Bewertung von Exotenaktien nicht schon zu teuer?

Mobius: Nein. Die Papiere des 11,3 Milliarden Dollar schweren Templeton Asian Growth Fund weisen im Schnitt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,4 auf. Die Aktien des MSCI-Europe-Index sind mit einem KGV von 15,1 vergleichsweise teuer. Das gilt auch für die Papiere des MSCI-USA-Index, die im Mittel ein KGV von 16,3 haben.

Format: Welche der bekannten Exotenbörsen bieten jetzt die besten Chancen?

Mobius: Ich habe im Asienfonds Thailand, Indien und Indonesien übergewichtet. Besonders gut gefällt mir auch die Türkei.

Format: Sie suchen doch immer nach ganz neuen Ideen. Was sind Ihre drei Lieblinge unter den von Anlegern noch weitgehend unbeackerten Börsen der sogenannten Frontier Markets?

Mobius: Ich mag unpopuläre Börsen, die viele Investoren meiden. Meine aktuellen Favoriten sind Pakistan, Vietnam und Nigeria. Oft wird geglaubt, dass Nigeria mit seinen 150 Millionen Einwohnern einzig vom Ölreichtum lebt. Das stimmt nicht, es gibt bei Bankaktien, bei Brauereien oder in der Zuckerindustrie gute Anlagemöglichkeiten. Dem trägt der Templeton Frontier Markets Fund Rechnung. Mit der United Bank of Africa, der Zenith Bank und der Ecobank Transnation sind gleich drei nigerianische Finanzwerte unter den Top-Positionen des Fonds.

Format: Welche Rendite ist mit Aktien solcher Frontier Markets möglich?

Mobius: Ich rechne mit Erträgen, wie sie an den heute schon etablierten Schwellenländerbörsen in den späten 1980er-Jahren erzielt wurden. Die Frontier Markets weisen aktuell ein ähnlich hohes Wirtschaftswachstum auf, die politische Lage verbessert sich, viele Unternehmen wachsen sehr schnell. Ich habe selbst in den Frontier Markets Fonds Geld investiert und den Einsatz verdoppelt. Dabei liegt die Bewertung der Aktien des Fonds mit einem KGV von 8,7 immer noch sehr niedrig. Trotzdem muss man immer aufpassen. Eine Schwellenlandbörse, die in einem Jahr besonders boomt, kann im nächsten Jahr Probleme bekommen.

FORMAT: Welche Börsen kommen ganz neu hinzu?

Mobius: Seit kurzem besteht die Möglichkeit, in die Börse von Palästina zu investieren. Libyen haben wir im Visier, dort wird es losgehen, sobald wir rechtliche Fragen gelöst haben.

FORMAT: Das erst kurz bestehende Fondssegment für Nebenwerte boomt derzeit ganz besonders heftig. Sie lenken selbst einen Fonds für asiatische Small Caps. Der Fonds legte auf Jahressicht um 66 Prozent zu. Kann es in dieser Tonart weitergehen?

Mobius: Durch die vielen Börsengänge und Kapitalerhöhungen bleiben die Chancen intakt. Welche Erträge möglich sind, zeigt etwa die Aktie des chinesischen Unternehmens China High Speed Gear. Wir haben über einen Private-Equity-Fonds beim Börsengang in die Aktie investiert. Seither ist der Kurs um das 17-Fache gestiegen.

FORMAT: Gibt es generell bei Schwellenländeraktien Anzeichen für eine Überhitzung, die für einen Ausstieg sprechen?

Mobius: Bei manchen Papieren ist bereits jetzt Vorsicht geboten. Die vom brasilianischen Ölkonzern Petrobras geplante Kapitalerhöhung von 65 Milliarden Dollar ist irrational hoch. Wenn mehr solche Pläne auftauchen, könnte es an der Börse Brasiliens gefährlich werden.

FORMAT: Besteht auch generell Grund zur Sorge um Exotenbörsen?

Mobius: Wirklich gefährlich wird es erst dann, wenn sich an mehreren Exotenbörsen eine Blase bildet, wenn Aktien, gemessen an der Bewertung wie damals im Jahr 2000 bei der Hightech-Blase, fürchterlich teuer werden. All das ist jetzt an den Exotenbörsen nicht der Fall. Die Bewertungen sind noch lange nicht außer Kontrolle geraten.

FORMAT: Schwellenland-Börsen entwickeln sich aber zunehmend parallel mit etablierten Märkten und reagierten schon in der Vergangenheit sehr heftig bei einem Crash der Industrieländer-Börsen wie der Wall Street. Manche Untergangspropheten sehen ja bereits den nächsten weltweiten Crash nahen …

Mobius: Es muss immer wieder einen Crash geben. Ich warte auf das nächste Platzen einer Börsenblase in etwa zwei Jahren.

FORMAT: Was macht Sie da so sicher?

Mobius: Die Banken und Investmentunternehmen arbeiten nach wie vor mit enorm hoher Hebelwirkung und versuchen nach wie vor, mit Derivaten viel Geld zu machen. Der weltweite Derivatemarkt hat ein Volumen von rund 60.000 Milliarden Dollar, die gesamte globale Wirtschaftsleistung erreicht dagegen aktuell 5.800 Milliarden Dollar. Der Faktor beträgt somit 10:1. Dieses riesige Spielcasino wird die Ursache für den nächsten Crash sein. Deswegen werden auch die Schwankungen an den Börsen weiter hoch bleiben.

FORMAT: Wird auch die Inflation ansteigen, wie viele Anleger fürchten?

Mobius: Generell wird es Inflation immer geben, die Regierungen werden nicht aufhören, geborgtes Geld auszugeben. Präsident Obama hat zum Beispiel gerade ein neues Konjunkturpaket angekündigt. Das wird die Teuerung mittelfristig anheizen.

FORMAT: Ist das nicht eine schlechte Nachricht für Anleger?

Mobius: Nicht unbedingt. Solide Unternehmen können bei Inflation ihre Preise anheben und damit auch ihre Gewinne steigern.

Interview: R. Winter, M. Kwauka

Zur Person:

Mark Mobius, 74, gilt als „Altmeister der asiatischen Aktie“ und als „Yul Brynner der Wall Street“. Der in Hempstead im US-Staat New York geborene Mobius hält ein Doktorat des Massachusetts Institute of Technology. Er studierte zusätzlich in Boston, Wisconsin, New Mexico und Kioto. Der in Singapur lebende Experte, zu dessen Hobbys Training im Fitnesscenter und Mountainbiken zählen, beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Schwellenländeraktien.

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