Bis 2020 könnte sich der Wert von "Exotenaktien" erneut verdoppeln

Der Aufstieg der Schwellenländer geht weiter. In 20 Jahren, so eine neue Studie, wird die Börse in Shanghai die Wall Street überholen. Schon bis 2020, so Schwellenland-Guru Mark Mobius, verdoppeln sich die Kurse.

Der 74-jährige Investment-Guru Mark Mobius liebt weiße Flecken auf der Landkarte der Investoren. Auf der Jagd nach den besten Schwellenländer-Aktien bringt es der in Singapur lebende Experte auf 200.000 Flugmeilen im Jahr, um Unternehmen vor Ort zu durchleuchten.

Für Anleger, die vor zehn Jahren in den von Mobius gelenkten Asien-Aktienfonds Templeton Asian Growth eingestiegen sind, hat sich der Einsatz des nicht müde werdenden Geldverwalters gelohnt. Trotz Finanzkrise steht seit September 2000 ein Euro-Gesamtertrag von 143 Prozent zu Buche.

Auch beim Aufspüren lukrativer Investments an derzeit noch unpopulären Börsen wie Nigeria, Vietnam oder Pakistan beweist Mobius ein gutes Händchen, konnte der im Oktober 2008 gestartete Templeton Frontier Markets Fund doch bis dato einen Gesamtertrag von 51 Prozent erzielen.

Solch hohe Renditen sind natürlich nicht über Jahre hinweg möglich, in Summe haben die Schwellenländerbörsen weiter die klar besseren Karten als die Aktienmärkte der Industriestaaten. Bis zum Jahr 2020 rechnet Mobius „bei Schwellenländeraktien neuerlich mit Kursgewinnen in der Größenordnung von100 Prozent“.

Wachablöse bis 2030

Und das ist noch längst nicht das Ende des spektakulären Aufholprozesses. Laut einer aktuellen Studie der US-Bank Goldman Sachs wird Chinas Börse dem US-Aktienmarkt in den nächsten beiden Jahrzehnten den Rang des Leithammels ablaufen. Aktuell sind 32 Prozent aller weltweiten Aktienveranlagungen US-Unternehmen, Chinas Anteil liegt bei elf Prozent. Bis zum Jahr 2030 soll es China auf 28 Prozent bringen, während die US-Börsen auf 23 Prozent des Weltaktienkapitals zurückfallen werden.

Auch auf globaler Ebene zeichnet sich eine Staffelübergabe ab. Die Berechnungen von Goldman Sachs gehen davon aus, dass der globale Wert der Börsenkonzerne von derzeit 43.000 Milliarden Dollar bis 2030 auf 145.000 Milliarden Dollar ansteigt. Den Schwellenländerbörsen insgesamt wird bis 2030 zugetraut, ihren Anteil an dem stark wachsenden Kuchen auf 55 Prozent zu erhöhen. Franklin-Templeton-Fondsmanager Mark Mobius: „Ich halte diese Schätzungen für realistisch.“ Das würde Geldströme in riesigen Dimensionen bewegen. Mobius: „Heute haben Großanleger wie Versicherungen und Pensionskassen nur drei bis acht Prozent in Schwellenländeraktien investiert. Da besteht starker Aufholbedarf“ (siehe Interview ).

Auch beim Wachstum der Volkswirtschaften und bei der vergleichsweise geringen Höhe der Staatsverschuldung könnten die aufstrebenden Staaten die nächsten Jahrzehnte federführend bleiben.

Darüber hinaus sitzen sie auf einem dicken Polster an Fremdwährungsreserven, von dem die Industrieländer nur träumen. In chinesischen Safes waren Ende 2009 insgesamt Dollarvorräte in Höhe von 2.416 Milliarden gebunkert, Russland hatte Reserven von 417 Milliarden Dollar. Die USA sind mit Fremdwährungsreserven im Gegenwert von 120 Milliarden Dollar oder Deutschland mit 60 Milliarden Dollar vergleichsweise mager bestückt.

Zusätzlich ist der Strom der Börsengänge und Kapitalerhöhungen in den Schwellenländern trotz Finanzkrise keineswegs versiegt. Allein von Jänner bis August flossen so 210 Milliarden Dollar frisches Geld in die Kassen der Börsenkonzerne der aufstrebenden Staaten.

Bewertung im grünen Bereich

Obwohl die Schwellenländerbörsen auf Jahressicht bereits gute Erträge brachten – der MSCI-Emerging-Markets-Index für weltweite Schwellenländeraktien weist, in Euro gerechnet, ein Jahresplus von 32 Prozent aus –, droht noch keine Überhitzung. Per Ende Juli lag das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der weltweiten Exotenaktien auf Basis der Gewinnschätzungen bis Mitte 2011 bei einem Wert von 11. Zum Vergleich: In der Phase des Schwellenländerbooms von Mai 1988 waren Exotenaktien mit einem Durchschnitts-KGV von 28 ungleich teurer bewertet.

Trotz dieser günstigen Vorzeichen gesteht Mark Mobius ein, dass bei manchen Schwellenländeraktien bereits Vorsicht geboten ist. Zwischendurch müssen Anleger sogar mit herben Rückschlägen rechnen, wobei die Hauptprobleme im westlichen Finanzsystem liegen. Mobius: „Es muss wieder einen Crash geben. In zwei Jahren wird die nächste Blase platzen.“

Bis es so weit ist, sind Anleger gut beraten, dem Rat von Profi Mobius zu folgen, indem sie zu Schwellenländeraktien greifen. So bieten neben dem im Fünf-Jahres-Vergleich führenden Templeton Asian Growth breit gestreute Schwellenländeraktienfonds wie der Aberdeen Global Emerging Markets gute Chancen. Aufseiten der heimischen Banken lohnt sich ein Blick auf den Volksbank Pacific Invest oder den Raiffeisen Eurasien-Aktien.

– Robert Winter, Martin Kwauka

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