Biotech-TREND: Biotechnologie-Aktien
haben Blue-Chip-Qualitäten bewiesen

Biotech-Forscher arbeiten an besseren Medikamenten, nutzen die Wunder der Natur und erschließen neue Märkte. Anleger hoffen 2009 wieder auf ein erfolgreiches Jahr.

Lamellengeckos können kopfüber Glasscheiben hochlaufen und stundenlang an der Zimmerdecke hängen, ohne den Halt zu verlieren. Der Grund: Die Reptilien haben Billionen feinster Härchen an den Zehen, die etwa 200 Nanometer (ein Nanometer ist etwa 70.000 mal dünner als ein menschliches Haar) breit und lang sind. Diese Härchen sorgen für die ausgesprochen hohe Haftungsfähigkeit der Geckos. 2008 ist es Forschern erstmals gelungen, ein spezielles Klebeband für die Medizin zu entwickeln, bei dem das Gecko-Prinzip kopiert wird. Von dem bereits an Tieren ­getesteten Klebeband können in Zukunft auch Menschen profitieren, indem Operationswunden einfach zugeklebt werden, das Nähen von Wunden wird obsolet. „Bionik ist in der Biotech-Forschung bereits enorm wichtig. Immer öfter ist die Natur das Vorbild für Innovationen“, betont Hans Leitner, Fondsmanager des Espa Stock Biotec.

Bester Sektor an der Börse  
Biotechnologie ist aber nicht nur im Forschungsbereich erfolgreich. Während alle anderen wichtigen Aktiensektoren auf Jahressicht heftige Verluste brachten, blieben einzig Biotech-Papiere im grünen Bereich. In Zahlen: Euro-Anleger verloren seit Mitte Dezember 2007 mit Bank­aktien 53,3 Prozent ihres Einsatzes, die Kursrückgänge von Weltaktien beziffern sich auf 38,1 Prozent. Hingegen konnten Biotech-Papiere sogar um 6,7 Prozent zulegen. „Seit Ausbruch der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass Unternehmen aus dem Biotechnologie- und dem Pharmasektor konjunkturresistenter sind als Konzerne anderer Branchen“, erklärt Roland Maier, Chef der börsen­notierten Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech, die ähnlich wie ein Fonds veranlagt.

Früchte der Forschung  
Es gibt mehrere Faktoren, die neben der geringen Abhängigkeit von der Konjunktur für die Biotech-Branche sprechen. Einerseits wird sich der Trend, dass Pharmaunternehmen Biotech-Firmen übernehmen, 2009 fortsetzen. Experte ­Maier: „Als Käufer kommen besonders große Pharmakonzerne infrage, die noch keine Akquisitionen gemacht haben. Das sind etwa Pfizer, Sanofi Aventis und ­Bristol-Myers.“ Die zahlreichen Übernahmen verändern die gesamte Struktur der Gesundheitsbranche. Erich Lehner, Biotech-Experte bei Ernst & Young: „Biotechnologie ist bereits ein fixer Teil der Geschäftsstrategie von Pharmaunternehmen.“ Während sich die Pharmariesen immer mehr auf den Vertrieb neuer Medikamente konzentrieren, liefern die Biotech-Labors die nötigen innovativen Arzneien, die im Idealfall bahnbrechend sind. Roland Maier: „Das Schweizer Biotech-Unternehmen Actelion hat ein Mittel gegen Schlaflosigkeit in der Pipeline, das 2009 auf den Markt kommen könnte. Es ist das erste Mittel überhaupt, das dort ansetzt, wo der Schlaf-Wach-Zyklus gesteuert wird.“

Fettleibigkeit als Wachstumschance
Riesiges Marktpotenzial haben Pharma- und Biotechnologie im Diabetes-Bereich. Fondsmanager Leitner: „Allein in den USA verursacht die Fettleibigkeit der Bevölkerung jährliche Gesundheitskosten von Hunderten Milliarden Dollar. Ein Rückgang ist nicht zu erwarten, weil sich das Essverhalten nicht ändert.“ Darüber hinaus strecken die Forscher der Biotech-Labors ihre Fühler nach neuen Anwendungsbereichen aus. Neben den Innovationen aus der Bionik spielen Nahrungsergänzungsmittel eine bedeutende Rolle, deren weltweiter ­Absatz bereits bei rund 20 Milliarden Dollar jährlich liegt, Tendenz stark ­steigend. Neue Märkte eröffnen die Aktivitäten der Forscher im Bereich der alternativen Energie, wo Proteine in Entwicklung sind, die es ermöglichen, Abfälle aus ­Biomasse Gewinn bringend zu verwerten. Auch die Ölmultis finden an den Neuheiten aus den Biotech-Labors zusehends Gefallen. So haben BP, Chev­ronTexaco oder ExxonMobil Kooperationen mit Biotech-Unternehmen ab­geschlossen, die Öl fressende Bakterien entwickeln. Diese könnten bei einer Ölpest wegen der enorm hohen Kosten für die Reinigung ganzer Küstenstriche ­extreme Einsparungen bringen.

Biotech-Investment 2009
Die Finanzkrise trifft auch den Gesundheitssektor. Ernst-&-Young-Experte Lehner: „Für die Biotech-Branche wird die ­Finanzierung schwieriger, neue Börsengänge sind unwahrscheinlich.“ Bei der Geldanlage im Biotech-Bereich ist es in der Regel aber ohnehin besser, auf ­Aktien bereits etablierter Firmen wie Genentech (derzeitiger Börsenwert 61 Milliarden Euro), Amgen (47 Milliarden Euro), Gilead Sciences (31 Milliarden Euro) oder die Austro-Aktie von ­Inter­­cell, den diesjährigen Sieger im ATX-Ranking von FORMAT, zu setzen. Wem ein Engagement in Einzeltitel zu riskant ist, der sollte wegen der Streuung zu Fonds greifen. Dabei kommt die Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech infrage, wo man jetzt günstig einsteigt: BB Biotech wird aktuell an der Börse mit einem Abschlag von 20,6 Prozent zum Nettoinventarwert gehandelt. Ein bewährtes Produkt ist auch der von Fondsmanager Michael Sjöström gelenkte Aktienfonds Pictet Biotech, der trotz Börsenkrise auf Dreijahressicht noch um 7,8 Prozent im Plus liegt. Bei den Ertragschancen für 2009 bleiben die Experten realistisch. Fondsmanager Sjöström: „Biotech-Aktien sind jetzt günstiger bewertet als vor zehn Jahren. Papiere des Sektors werden sich wie 2008 gut halten. Wenn es an der Börse weiter bergab geht, werden auch Biotech-Aktien verlieren.“ Ähnlich argumentiert Fondsmanager Leitner: „Ich weiß nicht, ob die Jahre 2009 und 2010 Kursgewinne bringen. Im Verhältnis zu anderen Sektoren wird Biotechnologie aber wieder besser abschneiden.“

Von Robert Winter

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