Biotech boomt wieder: Immer mehr Biotech-Medikamente werden zum Verkaufsschlager

Die Biotech-Branche bringt immer mehr Blockbuster auf den Markt und schreibt zunehmend Gewinne. Nach Jahren der Kursflaute beginnen die Werte zu steigen, sind aber noch extrem billig.

Die Biotech-Branche kann einen neuen Durchbruch vermelden. Hepatitis C, bisher eine unheilbare, über Jahre quälende Krankheit, soll in 75 Prozent der Fälle kurierbar sein. Das Medikament stammt aus dem US-Biotech-Konzern Vertex, ist seit Mai in den USA zugelassen und deutlich nebenwirkungsärmer als bisherige Methoden.

Das Potenzial ist riesig. Weltweit sind 170 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert, jährlich sterben 300.000 daran. Analysten schätzen, dass Incivek, so der Name der neuen Wunderpille, in Spitzenjahren fünf Milliarden Dollar in die Kassa spülen könnte. Auch bei den Investoren kommen solche Nachrichten gut an. Die Aktie ist seit November um 44 Prozent gestiegen. „Damit wird nicht nur das Unternehmen in eine neue Liga katapultiert, auch der gesamte Biotech-Markt bekommt einen Schub“, glaubt Christian Lach, Manager des Lacuna-Biotech-Fonds.

Milliarden-Bestseller

Der Sektor könnte in den nächsten 24 Monaten noch kräftige Kurszuwächse verbuchen. Das liegt nicht nur am Zugpferd Incivek. „Rund ein Dutzend neuer Biotech-Medikamente, die vor kurzem zugelassen wurden, haben das Potenzial für einen Blockbuster, also ein Produkt mit über einer Milliarde Dollar Jahresumsatz“, so Pictet-Fondsmanager Michael Sjöström. Insgesamt über 100 Pillen, die im Vorjahr vor der klinisch letzten Hürde vor der Zulassung standen, dürften heuer auf den Markt kommen. Klassische Pharmakonzerne haben magere 25 Pillen mit neuen Wirkstoffen in der Pipeline.

Für Investoren bietet das Umfeld eine ideale Gelegenheit für einen Einstieg. „Nachdem die Anleger die Branche seit dem Crash vor rund zehn Jahren meiden, sind die Titel billig wie nie, und das obwohl die Branche boomt“, so Rudi Van den Eynde, Fondsmanager des Dexia Equities Biotechnology. So liegt das durchschnittliche KGV aktuell bei sieben, die jährlichen Wachstumsraten aber in zweistelliger Höhe. Heuer soll sogar erstmals die Umsatzschwelle von 100 Milliarden Dollar überschritten werden. Die ersten Anleger steigen bereits ein. Der Biotech-Index kletterte in den vergangenen zwölf Monaten um 16,6 Prozent. Der Pictet-Biotech-Fonds, der beste seiner Kategorie innerhalb eines Jahres, stieg um 29,8 Prozent.

Auslaufende Pharmapatente

Eine gute Chance, weitere Marktanteile zu gewinnen, bieten die zahlreichen Patentabläufe in der klassischen Pharmabranche, die heuer den Höhepunkt erreichen. 2011 laufen Patente für Pillen mit einem Umsatzvolumen von 45 Milliarden Dollar aus. Bis 2015 sind Präparate mit einem Gesamtumsatz von 200 Milliarden Dollar betroffen.

Immer mehr Firmen profitabel

Ein wesentlicher Unterschied zur Biotech-Branche von vor zehn Jahren ist, dass heute viele Unternehmen bereits Gewinne schreiben und noch viel mehr kurz davor stehen, in die Gewinnzone zu gelangen. „Wir bevorzugen Aktien von Unternehmen, die mehrere Produkte in der dritten klinischen Testphase haben, deshalb hohes Wachstum versprechen und demnächst Gewinn abwerfen“, erläutert Pictet-Manager Sjöström seine Auswahlkriterien. So dürfte etwa Vertex 2012 erstmals in die schwarzen Zahlen kommen.

Onyx, das auf die Bekämpfung von Krebs spezialisiert ist, schreibt schon Gewinne, dürfte diese aber noch kräftig steigern. Die US-Firma hat mit Nexavar ein Präparat entwickelt, das sich als Therapie für Leberzell- und Nierenzellkarzinom als äußerst wirksam erwiesen hat. Als noch stärkerer Wachstumstreiber gilt Stimuvax, eine kurz vor der Zulassung stehende Therapie gegen Lungenkrebs.

Auch Amgen, der weltgrößte Biotech-Konzern, wird nach einer Innovationsflaute wieder die Neuentwicklung wichtiger Wirkstoffe zugetraut. Demnächst dürften wieder Pillen mit Blockbuster-Potenzial auf den Markt kommen, etwa Xgeva, ein Mittel zur Eindämmung von Knochenmetastasen. „Da bei fast jeder Art von Krebs Gefahr droht, dass sich Knochenmetastasen bilden, ist das Einsatzgebiet groߓ, erläutert David Heinrich, klinischer Professor der Medizin vom Pennsylvania-Spital in Philadelphia. „Xgeva ist eine wichtige neue Möglichkeit, diese Komplikation zu verhindern“, so der Professor. Die kanadische Investmentbank RBC Capital Markets hat für die Aktie bereits eine starke Kaufempfehlung ausgegeben.

Doch trotz zahlreicher Infos, die auch Privatanleger etwa via Internet über einzelne Biotech-Firmenkunden beziehen können, ist es nicht zu empfehlen, sich als Laie auf dieses schwierige Investment-Terrain zu begeben. „Auf diesem Gebiet zählt Erfahrung besonders“, so Sjöström. FORMAT hat daher drei Biotech-Fonds mit erfahrenem Management ausgewählt, die auf lange Sicht überdurchschnittliche Erträge erzielten, etwa der Dexia-Fonds, der seit Juli 2008 über 23 Prozent per annum gewann.

● Pictet Biotech

Der Fonds wird seit 1994 von Michael Sjöström gemanagt. Er sitzt in den USA, wo die meisten erfolgreichen Biotech-Firmen arbeiten. Bei der Titelselektion bevorzugt Sjöström Aktien von Unternehmen, die mehrere Medikamente in der letzten, dritten klinischen Zulassungsphase haben und in absehbarer Zeit Gewinne erwirtschaften. Seine Top- Werte sind die Krebsspezialisten Amgen und Onyx sowie Novo Nordisk, spezialisiert auf Diabetes. Der Fonds ist währungsgesichert.
Rendite: 29,8% (1 Jahr) / -3,2% (3 Jahre) / 5,5% (5 Jahre)
ISIN: LU0190161025

● Dexia Equities Biotechnology

Fondsmanager Rudi Van den Eynde versucht, mit der Auswahl von kleinen und mittelgroßen Biotech-Schmieden eine bessere Performance als der Durchschnitt zu erzielen. Das gelang ihm in den vergangenen fünf Jahren auch häufi g. Er erzielte sogar in den letzten, schwierigen Jahren Topergebnisse.
Rendite: 22,8% (1 Jahr) / 23,4% (3 Jahre) / 10,4% (5 Jahre)
ISIN: LU0108459040

● Lacuna Biotech

Christian Lach managt den Fonds seit zehn Jahren. Der studierte Naturwissenschaftler bevorzugt solide große Werte mit einer vielversprechenden Produktpipeline. Er setzt auf Werte wie Pharmasset, die an einem Hepatitis-C-Präparat forschen, das eine noch höhere Erfolgsquote verspricht als das Vertex- Produkt. Lach hält auch Vertex für chancenreich.
Rendite: 23,7% (1 Jahr) / 6,2% (3 Jahre) / -2,7% (5 Jahre)
ISIN: LU0095994793

– Anneliese Proissl

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