Betrug der Superlative: 2,1 Mrd Euro könnten im Bank Austria-Umfeld verloren sein

Mit einem Schaden von 50 Milliarden Dollar ist der Fall Madoff der größte Finanz­betrug aller Zeiten. Bank Austria und ihren Töchtern drohen bis zu 2,1 Milliarden Euro Verlust.

Milliardenzocker Bernard Madoff erlebt den Fluch der Karibik hautnah. Die Bilanz des Mannes, der den Reichen dieser Welt eine stetige Vermehrung ihres Wohlstands versprach, besteht nur aus verbrannter Erde.

50 Mrd Dollar versenkt
Der Miterfinder und ehemalige Chef der US-Technologiebörse Nasdaq versenkte mit seinem extrem kleinen Team – mit nur einer Sekretärin und einem Buchhalter – 50 Milliarden Dollar auf den Cayman Islands. Einer ­Inselgruppe, die zwar nur 262 Quadratkilometer umfasst und von rund 50.000 Menschen bevölkert wird, aber 75 Prozent aller Hedgefonds beherbergt. Die Liste der Verlierer ist ebenso lang wie prominent. Bei der spanischen Santander-Bank fehlen 2,33 Milliarden Euro, die britische HSBC-Bank hat rund eine Milliarde Dollar investiert, das Unternehmen MAN, selbst im Hegefondsbereich eine Größe, bangt um 360 Millionen Dollar.

Milliardenspur nach Österreich
Halbwegs unbeschadet kam die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit davon. Im Eigenbesitz des Bankkonzerns lagen Madoff-Papiere in der Höhe von „nur“ 75 Millionen Euro. Die Bank Austria gab bekannt, überhaupt kein eigenes Geld investiert zu haben. Das ist allerdings ein schwacher Trost. Die Bank ist nämlich seit Jahren eine mächtige Drehscheibe für den Vertrieb von Madoff-Fonds und hat deshalb gegenüber ihren Kunden erheblichen Erklärungsbedarf. So lagen im 1993 von der BA aufgelegten Primeo Select Fund und drei weiteren Mitgliedern der Primeo-Fonds­familie laut internen Bank-Austria-Quellen zuletzt rund 600 Millionen Euro. Deutlich höher war das Volumen in den ebenfalls von Madoff betreuten Herald-Fonds, die von der Wiener Bank Medici aufgelegt wurden.

Verkaufsschlager Herald-Fonds
Die 25-Prozent-Tochter der Bank Austria (die restlichen 75 Prozent befinden sich in den Händen der Gründerin Sonja Kohn) hatte im Wesentlichen einen Geschäftszweck: den Vertrieb von Herald-Fonds. Nach dem Start im März 2004 erwies sich der vermeintliche Wunderfonds als Verkaufsschlager. Angeblich veranlagte der Fonds, praktisch ident mit der Primeo-Veranlagung, in eine Auswahl von 30 bis 50 Aktien der 100 größten US-Konzerne. Durch eine geschickte Optionenstrategie – so die Werbung – stiegen die Fonds allerdings praktisch ohne Rückschlag. Seit 1997 meldeten die Herald-Papiere jedes Jahr ein Plus zwischen 6,8 und 16,3 Prozent. Selbst der Crash-Monat Oktober 2008 hinterließ angeblich nur ein Minus von 0,52 Prozent. Trotz dreimaliger Kontrolle der Madoff-Firma durch die ameri­kanische Wertpapieraufsicht SEC fiel nicht auf, dass Madoff offenbar das Geld gar nicht investierte, sondern nur im Kreis schob: Wer mit Gewinn aussteigen wollte, bekam ganz einfach das Geld, das neue Kunden investierten.

Bis zu 2,1 Mrd Euro verlustig
Die vermeintlichen Traumrenditen waren ganz nach dem Geschmack der wohlhabenden Klientel, die mindestens 50.000 Euro zum Einstieg auf den Tisch legen musste. Laut einer Fondspräsentation erreichte das Volumen der Herald-Fondsfamilie im September 2008 mehr als 2,6 Milliarden Dollar (siehe Grafik ). Bank-Medici-Direktor Andreas Schindler: „In den letzten Wochen gab es einige Rückflüsse, nach letztem Stand belief sich das Fondsvolumen auf 2,1 Milliarden Dollar.“ Das wären in Euro gerechnet etwa 1,5 Milliarden. Insgesamt könnten also im Umfeld der Bank Austria rund 2,1 Milliarden Euro auf Nimmerwiedersehen verloren gegangen sein.

Privatverluste von 350 Mio Euro
Den Milliarden droht das gleiche Schicksal wie dem einst ruhmreichen italienischen Bankergeschlecht Medici, von dem nichts mehr übrig blieb als ein zweifelhafter Ruf. Übrigens: Die Bank Medici­ mit feinen Räumlichkeiten bei der Wiener Oper hat mit dem italienischen Clan nichts zu tun. Es war die geniale Idee von Bankgründerin Kohn, sich mit dem frei verfügbaren Namen samt goldenem Fantasiewappen zu schmücken.
Die Primeo- und Herald-Anteile finden sich in den Depots Tausender An­leger aus dem In- und Ausland. Die Oesterreichische Nationalbank schätzt, dass bei inländischen Privatkunden rund 350 Millionen ausständig sind. Auf Depots von privaten und institutionellen Kunden der Bank-Austria-Depots waren laut Quellen aus der Bank knapp 150 Millionen Euro in Primeo-Fonds veranlagt.

Trost für Kleinanleger
Auch die deutsche PEH kam durch die Übernahme der Wiener VPM zum Handkuss. Wie groß der Schaden bei PEH Wertpapier mit Sitz in Wien ist, will PEH-Chef Günter Stadler nicht verraten. Sicher ist jedoch, dass das Unternehmen gleich vier Cayman-Fonds von Herald und Primeo verkauft hat und ­zumindest zwei Garantieanleihen auf Herald-Fonds aufsetzte. Eine gute Nachricht für Kleinanleger: In den wichtigsten Dach-Hedgefonds finden sich keine nennenswerten Anteile an einem der von Madoff kreierten Produkte (siehe
Hedgefonds: Wer zahlt die Zeche? ).
Der Klientel, die direkt investierte, bleibt nur die Hoffnung, dass die HSBC, die für einige Fonds als Depotbank fungierte, ersatzpflichtig ist.

Von Martin Kwauka und Robert Winter

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