Bei welchen Aktien sich der Einstieg trotz starker Börsenschwankungen rechnen kann

Mutige Investoren können nach dem Börsencrash vom Sommer günstig zukaufen. FORMAT beschreibt, bei welchen Aktien Schnäppchenjäger jetzt auf ihre Rechnung kommen.

Kaufen, wenn die Kanonen donnern – verkaufen, wenn die Violinen spielen“, so lautete das Credo von Carl Mayer von Rothschild, Spross der legendären Bankerdynastie. Wohl klänge sind an den Börsen derzeit seltener zu vernehmen, seit der zweiten Julihälfte dominiert ohrenbetäubendes Donnern. Der deutsche Leitindex DAX sackte alleine im August um 19,2 Prozent ab. Der Crash ging in die Annalen ein, handelte es sich dabei doch um den zweitgrößten Monatsverlust seit dem Jahr 1959.

Das Kursdebakel blieb nicht auf die Börse Frankfurt beschränkt – in den vergangenen zwei Monaten kamen so gut wie alle wichtigen Börsen rund um den Globus unter die Räder. In der Sechs-Monats-Bilanz traf es übrigens österreichische Aktien besonders hart, während Papiere der Wall Street noch relativ glimpflich über die Runden kamen.

Nun stehen Anleger also vor der Frage, ob sie den legendären Spruch des 1855 verstorbenen Bankiers Rothschild beherzigen sollen und mitten im Donnergrollen beginnen, sich zu billigen Preisen mit Aktien einzudecken. Wie bereits in den vergangenen Monaten muss man zwar weiterhin große Kursschwankungen auf seiner Rechnung haben. Das betonte etwa Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Engle am Rande des „Pioneer Investments European Colloquia 2011“: Er wies darauf hin, dass sich die Risiken an den Finanzmärkten auch weiter verändern könnten (siehe Substory ).

Aktien zum Diskontpreis

Mit guten Nerven ausgestattet, spricht aber einiges für den Einstieg in Aktien. Die Bewertung der Börsen ist seit dem Crash vom August sehr günstig. Das trifft auf den amerikanischen S&P-500-Index, den deutschen DAX und die größten europäischen Börsenkonzerne des Eurostoxx-50-Index ebenso zu wie auf Aktien des Wiener ATX.

Bei diesen Börsenbarometern liegt das für die nächsten zwölf Monate geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Alois Wögerbauer, Chef der 3Banken-Generali-Fondsgesellschaft: „Aktuell notieren die Aktien des ATX im Schnitt unter dem Buchwert des Eigenkapitals der Unternehmen. Das hat es in den vergangenen 15 Jahren nur ein weiteres Mal gegeben, und zwar nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008.“

Zu den aktuellen Anlagefavoriten des Fondsmanagers zählt etwa das Papier des Ölkonzerns OMV. Wögerbauer: „Die Aktie ist, gemessen an sämtlichen Kennzahlen, einfach zu billig. Der Buchwert je Aktie liegt mit 34 Euro deutlich über dem aktuellen Kurs.“ Auch bei Raiffeisen Bank International wird der Geldverwalter seine Positionen aufstocken. Wögerbauer: „Jetzt ist der Punkt erreicht, wo so gut wie alle Horrorszenarien inklusive der Maßnahmen Ungarns bei Fremdwährungskrediten schon eingerechnet sind.“ Weil viele Staaten in Zukunft auf höhere Mauteinnahmen nicht verzichten können, bleibt auch Kapsch TrafficCom in der Gunst des Fondsmanagers.

Aus dem Bett gefallen

An der Börse Frankfurt bleiben US-Investoren das Zünglein an der Waage. Henning Gebhardt, Leiter für deutsche Aktien der Fondsgesellschaft DWS: „Bis Juli hat niemand gedacht, dass wir aus dem Bett fallen. Internationale, besonders amerikanische Anleger haben sich in weiterer Folge wegen der unübersichtlichen Situation von Investments in der Eurozone abgewendet.“ Da die Lösung der europäischen Schuldenproblematik auf sich warten lässt, werden internationale Großanleger ihr Pulver wohl weiter trocken halten. Die Folge: Einen Börsenboom wird es in Frankfurt in naher Zukunft nicht spielen. Aber wer Zeit hat, kann viel gewinnen.

Ausgewählte Aktien haben intakte Chancen auf Kursgewinne. Besonders bei Papieren der Autobranche, des Elektronikkonzerns Siemens und des Chemieriesen BASF ortet Fondsmanager Gebhardt nach dem starken Rückschlag Aufholbedarf. Auch die Befürchtung, dass die Aktie von Siemens bei Analysten nach dem Ausstieg aus dem Atomenergiebereich in Ungnade fällt, hat sich bislang nicht bestätigt. Darüber hinaus rechnet Gebhardt damit, dass Aktien des internationalen Gesundheitskonzerns Fresenius sowie der ebenfalls im Leitindex DAX vertretenen Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care ihre bereits im Sommer gezeigte Stabilität weiter behalten.

Amerikanische Aktien kamen trotz der großen Hektik seit Juli ziemlich gut über die Runden. Aus Sicht eines Euro-Anlegers fiel der Rückschlag des Aktienindex S&P 500 seit Mitte April mit zwei Prozent deutlich moderater aus als an anderen etablierten Börsen. Die Aktie des Computerkonzerns Apple blieb trotz des Rückzugs von Mastermind Steve Jobs in der Gunst der Investoren und Analysten – und bietet weiterhin Potenzial. Obwohl der Kurs, in Euro gerechnet, seit Mitte Juli 37 Prozent zulegte, empfehlen 51 von 55 Analysten die Aktie weiterhin zum Kauf.

Kursfantasie hat auch die Aktie der globalen Hamburger-Kette McDonald’s. Zusätzlicher Vorteil: Der Konzern ist aktionärsfreundlich – seit 2006 wurde die Dividende jährlich um 24 Prozent erhöht. Grant Bughman, US-Aktienexperte der Schweizer Großbank UBS, traut neben Apple auch Wachstumsaktien von Amazon und Google Kurssprünge zu. Sie sind jedoch nicht so billig zu haben wie europäische Aktien.

Auch bei Papieren des Goldminensektors kann der Lohn der Angst fürstlich sein. Alfred Grusch, Fondsmanager des Pioneer Gold Stock, der seit September 2006 insgesamt 71 Prozent Ertrag brachte: „Die Lücke zwischen Goldpreis und den Kursen von Minenaktien ist nach wie vor groß.“ So hinken die Notierungen von New mont Mining und Barrick Gold, den beiden Top-Positionen im Pioneer-Goldaktienfonds, der Goldpreis-Hausse auf Jahressicht deutlich hinterher. Noch dazu kann das Goldangebot mit der Nachfrage – vor allem aus Indien und China – nicht mithalten. Grusch: „Newmont Mining gab bekannt, die Dividenden an den Verlauf des Goldpreises zu koppeln. Das wird Schule machen.“ Wenn der Goldpreis weiter steigt, winkt damit ein erfreuliches Zubrot.

– Robert Winter

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