Bausparen: Wenig Zinsen, 3% staatliche Prämie

Bausparen bringt wenig Zinsen und nur drei Prozent staatliche Prämie. FORMAT zeigt, wo Bausparer noch am meisten erwarten können und wo Sonderaktionen locken.

Rund 5,5 Millionen Österreicher haben bereits unterschrieben. Bis Jahresende werden wohl noch Hunderttausende dazukommen, die sich mit einem neu abgeschlossenen Bausparvertrag die staatliche Prämie in Höhe von drei Prozent nicht entgehen lassen wollen. Manfred Url (Bild), Chef der Raiffeisen Bausparkasse: „Bei den Abschlüssen neuer Verträge liegen wir deutlich über Plan. Zwar liegen die Zinsen derzeit relativ niedrig. Es gibt aber trotzdem keine Sparform, bei der man für das regelmäßige Einzahlen von 100 Euro im Monat so hohe Zinsen bekommt.“

Tatsache ist, dass sich derzeit bei allen Anbietern die variablen Zinsen von Altverträgen mit einem Prozent am unteren Ende des Zinskorridors bewegen. Auch bei den staatlichen Prämien ist mit drei Prozent das untere Ende der Fahnenstange erreicht, daran wird sich auch 2012 nichts ändern. Immerhin, so Url, ergäbe das während der sechsjährigen Laufzeit eine Gesamtrendite, die der eines Sparbuches mit 2,3 Prozent vor KESt entspricht.

Zwar besteht die Hoffnung, dass sich Zinsen und Prämie automatisch erhöhen, wenn das allgemeine Zinsniveau wieder ansteigt. Derzeit ist das allerdings eine eher vage Hoffnung. Die Zinsindikatoren, nach denen sich die variablen Zinsen richten, zeigen Werte noch deutlich unter der Grenze des Zinskorridors an. Allerdings sind sechs Jahre eine lange Zeit, und da könnte sich doch noch einiges tun. Schließlich gilt: Ob sich ein variabel verzinster Bausparvertrag lohnt, entscheidet sich nicht am Anfang, wenn erst wenige Hundert Euro eingezahlt wurden, sondern am Schluss, wenn über 7.000 Euro am Konto liegen können.

Die Alternative sind Fixzinsverträge. So zahlt die ABV fix 2,25 Prozent während der gesamten Laufzeit plus Prämie, Raiffeisen sogar 2,4 Prozent, aber nur bei Einmalerlägen, wo gleich der Gesamtbetrag eingezahlt wird. Die s Bausparkasse zahlt im ersten Jahr 3,4 Prozent, danach glatte zwei. Ob fix oder variabel letztlich besser ist, lässt sich angesichts der Unsicherheit jeder Zinsprognose nicht vorhersagen.

Auf den ersten Blick scheint es jedenfalls vielen Kunden verlockender, zu variablen Zinsen zu greifen. Bonieren dabei doch die vier heimischen Bausparkassen im ersten Jahr durchwegs deutlich höhere Zinsen als bei den Fixtarifen. So gewährt etwa die s Bausparkasse bei der Variante „Plus-Bausparen“ Neueinsteigern drei Prozent Zinsen zuzüglich einem Jubiläumszinsaufschlags von 2,1 Prozentpunkten. In Summe werden also im ersten Vertragsjahr 5,1 Prozent Verzinsung gutgeschrieben.

Anleger sind aber gut beraten, einen solch hohen Einstiegszinssatz nicht zu überschätzen. Dazu ein Beispiel: Wer sich für das „Plus-Bausparen“ der s Bausparkasse entscheidet, kassiert im kommenden Jahr bei der maximal möglichen Einzahlung von 1.200 Euro Zinsen in Höhe von 61,2 Euro. Anleger, die in einen Vertrag der Volksbank-Tochter ABV einsteigen, erhalten 2012 beim variablen Startzins von drei Prozent 36 Euro. Bleibt unterm Strich zwischen dem Bestbieter s Bausparkasse und der ABV eine durchaus vernachlässigbare Differenz in Höhe von 25,2 Euro. Dieser Betrag verringert sich noch weiter, wenn man nicht den gesamten Betrag eines Jahres auf einmal einzahlt, sondern monatlich anspart.

Onlinebonus und Vignettengeld

Stärker ins Gewicht fallen können da aktuelle Aktionen, mit denen neue Kunden umworben werden, die ihren Vertrag heuer noch unterschreiben. So zahlt die s Bausparkasse bis zu 40 Euro Bonus, wenn der Vertrag online abgeschlossen wird. Bei der ABV erhöht sich der Einstiegszinssatz auf vier Prozent, wenn der Vertragsabschluss im Internet per Mausklick erfolgt. Ab Mitte November ist der Einstieg in ABV-Verträge auch über den Kooperationspartner livebank.at, die Onlineplattform der Volksbank, möglich. Dabei werden 40 Euro als Startbonus gewährt. Der Wiener Makler Adler & Erber, der Bausparverträge von Raiffeisen und s Bausparen anbietet, macht für die Werbung neuer Kunden mit dem sogenannten „Vignettenbonus“ 80 Euro locker, die direkt auf das Konto überwiesen werden (Infos unter Telefon 0800/20 27 97).

Anleger, die noch heuer bei Wüstenrot mit dem Bausparen beginnen, erhalten statt drei Prozent staatlicher Prämie vier Prozent gutgeschrieben. Die erhöhte Prämie wird in weiterer Folge auch für die Jahre 2012 und 2013 garantiert, wenn die maximal mögliche Zahlung von 1.200 Euro pro Jahr bis zum Vertragsende eingehalten wird.

Die ABV hat auch eine Lösung für jene parat, die noch bei anderen Bausparkassen gebunden sind, aber umsteigen wollen. Bis zum Ablauf des bestehenden Vertrages werden bei der ABV zusätzliche Einzahlungen mit 3,25 Prozent verzinst.

Übrigens: Die Guthabenzinsen auf Bausparverträge fallen derzeit zwar mager aus. Dafür schlägt sich das tiefe Zinsniveau sehr positiv bei den Bauspar-Darlehen nieder. Diese können nicht nur für den Hausbau, sondern auch für Sanierungen, die Pflege oder zur Finanzierung von Weiterbildung verwendet werden. Und selbst wenn die Zinsen mittelfristig wieder steigen sollten, bleibt noch immer die Gewissheit, dass die Darlehenszinsen mit maximal sechs Prozent gedeckelt sind.

– Robert Winter

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Service

Die Suche nach dem besten Konto

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik

Geld & Service

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik