Baulöwe Hans Peter Haselsteiner übernimmt das Ruder bei conwert

Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner übernimmt überraschend die Kontrolle bei der börsennotierten Immo-Gesellschaft conwert von Petrus Advisers. Was wirklich hinter der Machtübernahme steckt.

Er liebt uns, und wir lieben ihn“: Klaus Umek (Bild unten) war sichtlich bemüht, sämtliche Gerüchte über ein Zerwürfnis zwischen seiner Investmentgesellschaft Petrus Advisers und Bautycoon Hans Peter Haselsteiner (Bild oben) vom Tisch zu wischen. Aber von einer Seite zumindest war die Liebe zu diesem Zeitpunkt - vor zwei Wochen - bereits abgekühlt. Denn nur wenige Tage später wurde bekannt, dass Haselsteiner die Kontrolle über die Immobiliengesellschaft conwert von Petrus Advisers an sich ziehen werde. Der Strabag-Boss nimmt ab sofort die Fäden bei der 20-Prozent-Beteiligung selbst in die Hand, er wird alleiniger Herr im Haus. Und dieser Kontrollwechsel dürfte alles andere als amikal vonstatten gegangen sein.

Schalten und Walten

Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Ziemlich genau vor zwei Jahren war die Investmentgesellschaft Petrus Advisers rund um Klaus Umek und den späteren conwert-Verwaltungsratschef Johannes Meran (Bild mitte) als neuer Kernaktionär mit 17 Prozent bei conwert eingestiegen. Mit Abstand größter Finanzier dieses Kaufes war die Haselsteiner Privatstiftung. Die Gründer des Unternehmens Johann Kowar und Günter Kerbler wurden rausgekauft und gingen wenig später ihrer Managementfunktionen verlustig. Viele conwert-Mitarbeiter sprachen damals von einer feindlichen Übernahme. Nahezu das gesamte Management wurde in den darauf folgenden zwei Jahren ausgewechselt, aber "HPH“, wie ihn seine Freunde nennen, ließ die Petrus-Leute weitgehend schalten und walten.

Denn sie stellten ihrem Investor eine unglaubliche Wertsteigerung in Aussicht. Etliche Immobilien sollten zu Geld gemacht werden, die Kosten sollten radikal reduziert werden, und in nur wenigen Jahren sollte der Aktienkurs der conwert den NAV, den inneren Wert des Unternehmens, überflügelt haben, versprachen Meran und Umek.

Golden Share

Heute scheint es, dass Haselsteiner den Petrus-Leuten zu sehr freie Hand gelassen hat. Wie FORMAT aus dem Umfeld des Strabag-Chefs erfahren hat, hatten diese versucht, sich über eine in Malta domizilierte Gesellschaft mit Namen Albona Ltd. eine Art "Golden Share“ an conwert zu sichern. Sprich: Haselsteiner war zwar Hauptfinanzier, hätte aber deutlich weniger Mitsprache in "seinem“ Unternehmen gehabt als Petrus Advisers. Haselsteiner sei, als die Sache vor einigen Wochen aufflog, fuchsteufelswild gewesen, berichten Insider. Er fühle sich von Umek, den er seit dem Strabag-Börsengang besser kennt, über den Tisch gezogen.

Doch dieser Vorfall dürfte das Fass nur zum Überlaufen gebracht haben. Auch frühere Aktionen des Petrus-Mannes und früheren Goldman-Sachs-Bankers Umek, der für seinen polternden Geschäftsstil bekannt ist, sorgten bei Haselsteiner für Unmut. So sei der Baulöwe einige Male mit Personalwünschen für conwert eiskalt abgeblitzt.

Auch das kürzliche Vorpreschen der Petrus-Leute am Flughafen habe dem Bautycoon nicht geschmeckt, ist zu hören. Umek & Co hatten im Februar ein Angebot für die Flughafen-Immobilien gelegt und sich als Flughafen-Aktionär mit "substanziellem Anteil“ geoutet. Das trug Haselsteiner zumindest ein erbostes Telefonat von Flughafen-Aufsichtsratschef Erwin Hameseder ein, der auch im Strabag-Kontrollgremium sitzt und jeglichen Anschein von "Freunderlwirtschaft“ am Flughafen vermeiden will.

Auch mit einem Insiderverfahren der FMA - das im Übrigen bis heute nicht abgeschlossen ist - sorgten die Petrus-Leute im Unternehmen für Unruhe. Auffällige Kurssprünge der Eco-Business-Aktie im Vorfeld der Übernahme durch conwert geben den Ermittlern bis heute Rätsel auf.

Streitereien mit amtierenden und ehemaligen Verwaltungsräten (siehe " conwert zerrt früheren Verwaltungsrat vor Gericht ") sind auch nicht gerade dazu angetan, den Unternehmenswert in luftige Höhen zu treiben.

Vielleicht ist auch deshalb der von Petrus in Aussicht gestellte Erfolg bei conwert - trotz groß angelegter Immobilienverkäufe - bis heute nicht eingetreten. Heute liegt der conwert-Kurs genauso weit vom NAV entfernt wie beim Einstieg der Haselsteiner-Gruppe. Meran, der zuversichtlich ist, seinen Verwaltungsratsjob behalten zu dürfen, rechtfertigt seine Performance: "Unser Investmenthorizont beträgt drei bis fünf Jahre. Für heuer war eine derartige Wertsteigerung noch gar nicht geplant.“ Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger räumt immerhin ein: "Viel schlechter als ihre Vorgänger konnten es die Petrus-Leute gar nicht machen. Sie haben sicher einiges aufgeräumt.“

- Angelika Kramer

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