Banken haben Zinsen kräftig aufgeblasen:
Nur wer vergleicht, finanziert noch günstig

Die Zins-Indikatoren haben ein Zehnjahrestief erreicht. Neukredite bleiben aber teuer, da die Banken die Margen massiv erhöht haben. FORMAT zeigt, wo es jetzt die besten Konditionen gibt.

Für Kreditnehmer sollte derzeit eigentlich eine Zeit zum Jubeln sein. Schließlich notiert der 3-Monats-Euribor, jener Satz, der oft als Indikator für Kreditzinsen herangezogen wird, mit 0,86 Prozent auf einem Zehnjahrestief. Während Alt­kredite tatsächlich von diesen günstigen Konditionen profitieren, sieht für Neu­kreditnehmer die Welt lange nicht so rosig aus. Der Zinssatz für Konsum- und Hypothekarkredite sank nämlich seit Oktober 2008 deutlich langsamer als die allgemeinen Zinsindikatoren ( siehe Grafik: 3-Monats-Euribor ). Es ist geradezu offensichtlich, dass die Banken die Margen kräftig angehoben ­haben. Die Zeiten von Zinsspannen von einem Prozent für an den Euribor gebundene Hypothekardarlehen, die es noch vor zwei Jahren gab, sind vorbei. Nur die Bausparkassen haben weiterhin niedrige Spannen, die ABV sogar von 1,0 Prozent. Peter Wageneder, Geschäftsführer der AAA Strategic Finance: „Die Banken verrechnen bei neuen Hypotheken mittlerweile Aufschläge von 1,5 bis drei Prozent oder darüber. Mich wundert, dass es da von Kundenseite keinen massiveren Widerstand gibt.“

Zinsen für Wohnkredite leicht gestiegen  
Die durchschnittlichen Zinsen für neue Privatkredite lagen laut Statistik der Oesterreichischen Nationalbank im Juni bei 4,95 Prozent. Für Wohnbaudarlehen wurden im Mittel 3,82 Prozent verrechnet, die Konditionen sind seit Mai 2009 sogar leicht gestiegen – und das trotz weiter sinkender Indikatorzinsen. Dazu kommt, dass etwa 94 Prozent der Kredite privater Haushalte variabel sind. Das bedeutet, dass nur sehr wenige Kredit­nehmer gegen allfällige Zinssteigerungen abgesichert sind. Finanzierungsexperte Wageneder: „Wenn die EZB den Leitzinssatz in den nächsten Jahren wieder auf zwei bis drei Prozent anhebt, sprechen wir von Kreditzinssätzen von bis zu sieben Prozent. Welche Häuslbauer können dann noch den Kredit zurückzahlen?“ Auch für die Arbeiterkammer (AK) ist die säumige Weitergabe des gefallen Zinsniveaus inakzeptabel. Harald Glatz, Leiter der AK-Konsumentenschutzabteilung: „Für Kunden wird es auch zunehmend schwieriger, mehrere Anbote einzuholen. Die Banken verlangen, dass Kunden alle ihre Daten offenlegen, bevor sie ihre Konditionen bekannt geben.“

Liquidität teurer  
Die Banken wehren sich gegen die Angriffe und beteuern, Zinssenkungen sehr wohl an Kunden weitergegeben zu haben. Der all­gemeine Tenor lautet, dass die Geldbeschaffung teurer geworden ist. Manfred Aschauer, Privatkundenexperte der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien: „Wir haben die Zinssätze für Neukredite sehr wohl gesenkt. Allerdings sind die Risikokosten in den letzten eineinhalb Jahren angestiegen. Da passen wir das Neugeschäft an.“ Während die RLB NÖ-Wien Kunden mit bester Bonität Hypothekarkredite mit variablen Zinssätzen ab 2,5 Prozent offeriert, verlangt die Bank Austria mit einer variablen Verzinsung für Wohnbaudarlehen ab 3,75 Prozent ( siehe Tabelle: Wohnkredit ). Michael T. Landschau, Produktmanager der Bank Austria: „Das Vertrauen zwischen den Banken ist noch immer nicht hergestellt, die Geldbeschaffung daher teuer. Wir haben die Zinsen in dem uns möglichen Ausmaß gesenkt.“

Aufschlagserhöhung nicht gerechtfertigt
Dem Argument der gestiegenen Liquiditätskosten kann Finanzierungsexperte Wageneder allerdings nur wenig abgewinnen: „Wenn man bedenkt, wie niedrig der EZB-Leitzinssatz derzeit steht, zu dem sich die Banken Geld ausleihen können, und das massiv gestiegene Sparvolumen einbezieht, dann haben die Banken derzeit viel und billiges Geld zur Verfügung. Eine Erhöhung der Aufschläge ist einfach nicht gerechtfertigt.“ Die Erste Bank schlägt bei der Wohnbaufinanzierung eine Marge von 1,75 ­Prozent auf den 3-Monats-Euribor auf und zählt im aktuellen Vergleich von ­FORMAT mit einem variablen Zinssatz von 2,6 Prozent zu den günstigeren Anbietern. Bestbieter ist die Hypo Vorarlberg, die eine Zinsspanne von 1,5 Prozent auf den 3-Monats-Euribor verrechnet. Übrigens: Wageneder bietet seinen Kunden Hypo­thekarkredite mit variabler Euribor-Zins­bindung um knapp über zwei Prozent – inklusive einer Marge von 1,125 Prozent.

Bearbeitungsgebühren vergleichen
Bei Konsumkrediten wird der Referenzzinssatz meist aus mehreren Indikatoren gebildet. Bei der Erste Bank setzt sich die Zinsgleitklausel aus 3-Monats-Euribor und Sekundärmarktrendite (SMR) zusammen, was aktuell einen Basissatz von 1,99 Prozent ergibt. Katja Fries, Finanzierungsexpertin der Erste Bank: „Die SMR ist höher als der Euribor, nicht so volatil und steigt und fällt daher langsamer.“ Mit Kreditzinsen ab 6,5 Prozent ist die Erste Bank bei Privatfinanzierungen der teuerste Anbieter. Fries: „Im Konsumbereich sind die Kredite oft Blankofinanzierungen, bei denen es keine Besicherung gibt. Da sind die Refinanzierungskosten einfach höher.“ Vergleichen zahlt sich übrigens auch bei den Bearbeitungsgebühren aus, die sich zwischen ein und vier Prozent be­wegen ( siehe Tabelle: Konsumkredit ).

Überziehungszinsen in Stein gemeißelt  
Praktisch keinen Spielraum gibt es bei den Kontoüberziehungssätzen, die an keinen Referenzzinssatz gekoppelt sind und sich seit Jahren nicht verändert haben. AK-Konsumentenschützer Glatz: „Da gibt es eine Bandbreite von 4,5 bis 13,25 Prozent. Die Banken bewegen sich da nicht, weil wegen einem Überziehungsrahmen selten das Institut gewechselt wird.“ Wie so oft, zählt da das persönliche Gespräch zwischen Kunden und Bankberater, der sich durchaus erweichen lässt und für Kunden mit guter Bonität ein paar Prozent nachlassen wird.

Von Ingrid Krawarik

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