Banken fordern von Fremdwährungs-Schuldnern mehr Sicherheiten

Schuldner mit Fremdwährungskrediten werden vom stark gestiegenen Franken-Kurs zusehends erdrückt. Nun fordern Banken mehr Sicherheiten und wollen Schulden in Euro konvertieren. FORMAT zeigt, wie sich Kreditnehmer dagegen schützen und welche Anlaufstellen helfen.

Vielen Kreditkunden, die ein Schweizer-Franken-Darlehen zurückzahlen, wird derzeit von Bankberatern die Pistole an die Brust gesetzt: Entweder wird der Kredit in Euro konvertiert, oder es ist ab sofort eine höhere Zinsspanne zu zahlen. In manchen Fällen wird sogar der dreifache Aufschlag auf den Basiszinssatz, an dem sich die Kreditzinsen orientieren, verlangt. Dass diese Forderungen in vielen Fällen unzulässig sind, ist nicht allen Kunden bekannt. Aus purer Angst lassen sie sich zum Umstieg auf einen Euro-Kredit überreden. Das bringt sie jedoch vom Regen in die Traufe. Schließlich steigt dadurch die Schuldenlast um 10 bis 20 Prozent, weil der Franken derzeit im Verhältnis zum Euro sehr teuer ist. FORMAT zeigt, warum eine Konvertierung im Moment nicht sinnvoll ist und wie sich Schuldner gegen Begehren der Banken am besten zur Wehr setzen.

Laut Schätzungen des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) haben etwa 300.000 Österreicher einen Fremdwährungskredit laufen. Gesamtvolumen: 30 Milliarden Euro. In der Regel handelt es sich dabei um endfällige Kredite mit einer Laufzeit von 15 bis 30 Jahren. Der Großteil davon ist in Schweizer Franken, der von seinem Tief Ende 2007 stark gestiegen ist: Damals erhielt man für einen Euro noch rund 1,70 Franken, heute sind es nur noch 1,35 Franken. Diese Entwicklung hat im Frühjahr sowohl die Finanzmarktaufsicht FMA als auch die Nationalbank auf den Plan gerufen, da sich durch den stark gestiegenen Schweizer Franken das zurückzuzahlende Kreditvolumen deutlich erhöhte. Eine Neuvergabe von Schweizer-Franken-Krediten ist nun praktisch verboten, zusätzlich wurde der Druck auf Banken erhöht, das Volumen der Fremdwährungsdarlehen deutlich nach unten zu bringen.

Glaubt man den Prognosen heimischer und deutscher Institute, wird sich der Kurs in einem Jahr im Schnitt bei 1,46 Franken einpendeln. Michael Rottmann, Währungsexperte der UniCredit: „Bis dahin wird er zwischenzeitlich aber vielleicht sogar noch stärker.“ Allerdings wird irgendwann auch die Schweiz selbst gegen einen zu hohen Franken intervenieren, da etwa 70 Prozent ihrer Exporte nach Europa gehen. In der Folge würde sich die Situation für Kreditnehmer verbessern, weil ihre Schulden parallel zum Franken niedriger würden.

Unzulässige Praktiken  

Doch die heimischen Banken ticken anders, da sie das gestiegene Kreditvolumen mit mehr Eigenkapital hinterlegen müssen. Damit die Fremdwährungskredite für sie nicht zum Nullsummenspiel werden, versuchen die Finanzinstitute die erhöhten Refinanzierungssätze an die Kunden weiterzugeben und fordern zusätzliche Sicherheiten. Peter Wageneder, Chef der Finanzberatung AAA Strategic Finance: „Falls die Bank wegen des gestiegenen Kreditrisikos mehr Sicherheiten will, müsste sich ja die Bonität verschlechtert haben. Das ist bei 98 Prozent der Kreditnehmer aber nicht der Fall. Im Gegenteil, sie hat sich meist verbessert: Immobilien haben an Wert gewonnen, und das Gehalt ist gestiegen. Das allein sollte schon ausreichen.“ Gute Argumente gegen das Begehr der Banken! In dieselbe Kerbe schlägt Michael Holzer von der Wirtschaftskammer Niederösterreich, die aktuell eine große Anzahl an Kunden betreut, die Probleme mit ihren Fremdwährungskrediten haben: „Die Bank darf aufgrund von Kursschwankungen keine Nachbesicherungen verlangen, weil dieser Umstand bereits bei Abschluss des Kredits bekannt war.“ Ebenso unzulässig sind Ankündigungen von Zwangskonvertierungen. Wer sich darauf einlässt, in Euro umzuschulden, ist mit höheren Zinszahlungen konfrontiert. Der Zinsvorteil des Frankens gegenüber dem Euro, der lange Zeit bei rund 1,5 Prozent lag, ist zwar gesunken, beträgt aber immer noch 0,77 Prozent.

Problemkind Tilgungsträger  

Den Kreditinstituten sind besonders jene Kunden ein Dorn im Auge, deren Tilgungsträger zu 100 Prozent aus Aktien besteht, in Österreich leider häufig Immofinanz-Papiere. Finanzierungsexperte Johann Massenbauer schätzt, dass etwa 90 Prozent der Tilgungsträger auf Wertpapierbasis laufen, nur 10 Prozent haben auf eine klassische Lebensversicherung gesetzt. Massenbauer: „99 von 100 Tilgungsträgern haben nicht die erwartete Rendite gebracht. Jene, die Wertpapiere hinterlegt haben, mussten in zehn Jahren zwei Krisen aussitzen.“

Genau hier können Kreditnehmer aber einhaken. Manfred Ketzer, Bankrechtsexperte der Kanzlei Hausmaninger Kletter: „Wenn eine Bank einen Tilgungsträger empfiehlt, muss dieser einen endfälligen Kredit bedienen können. Sonst kommt die Bank in Erklärungsnot, wenn sie zusätzliche Sicherheiten fordert.“ Einen Schritt weiter geht VKI-Rechtsexperte Thomas Hirmke: „Jemand, der sich falsch beraten fühlt, sollte eine mögliche Klage innerhalb von drei Jahren ab Kenntnis von Schaden und Schädiger abklären.“

Wichtig ist, einen unabhängigen Berater zur Seite zu haben. Wageneder: „Der evaluiert den Kredit und bringt notfalls den Bankberater zur Raison.“

Carolina Burger, Ingrid Krawarik

Die sieben wichtigsten Fragen und Antworten zur Konvertierung von Fremdwährungskrediten lesen Sie im aktuellen FORMAT Nr. 29 ab Seite 60

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