AWD: Geschädigte Anleger wollen ihr Geld zurück, Klagen sind nicht ausgeschlossen

Tausende geschädigte Anleger laufen wegen Fehlberatungen Sturm. FORMAT zeigt, welche Wege Betroffenen offen stehen.

Beim Verein für Konsumenteninformation VKI läuft seit Wochen das Faxgerät heiß. Immer mehr ­Immofinanz-Anleger schicken ihre Unterlagen in der Hoffnung auf Schadenersatz zur Überprüfung ein. Der Strukturvertrieb AWD hatte ihnen in den vergangenen Jahren den Griff zur mittlerweile an der Börse abgestürzten Immo­finanz-Aktie empfohlen. VKI-Rechtsleiter Peter Kolba: „Wir bearbeiten rund 1.500 Fälle. Es gab bereits ein Gespräch mit dem Strukturvertrieb AWD.“ Über die Ergebnisse wurde Stillschweigen vereinbart.

Musterprozess gegen FMA
Das Dilemma rund um die Immofinanz ruft auch Exjustizminister und Rechtsanwalt Dieter Böhmdorfer auf den Plan. Böhmdorfer: „Neben Kleinanlegern haben viele Wirtschaftstreibende ihr Geld verloren.“ Grund genug für Böhmdorfer, diese bei möglichen Klagen zu vertreten. Ein eigens dafür mit einem Uni-Professor erstelltes Gutachten steht knapp vor der Fertigstellung. Mit der Causa Immofinanz beschäftigt sich auch der diese Woche aus der Taufe gehobene „Verein für Finanzmarktausgleich“. Der für den Verein tätige Jurist Georg Vetter: „Bei uns ­haben sich bereits Hunderte geschädigte Anleger gemeldet. Der Verein kümmert sich einerseits um Beratungsfehler. ­Andererseits bereiten wir Klagen und Musterprozesse gegen die Finanzmarktaufsicht FMA vor. Denn es kann nicht sein, dass, wie kürzlich beschlossen wurde, es für Aufsichtsfehler der FMA keine Haftung mehr gibt. Das ist die Rückkehr in den Absolutismus.“ (Siehe hierzu auch FMA mit beschränkter Haftung .)

Auswege für Geschädigte
Wer daran denkt, sich das wegen eines Beratungsfehlers oder wegen rechtswidrigen Vorgehens einer Gesellschaft verlorene Geld zurückzuholen, hat mehrere Optionen. Eine kostengüns­tige Variante ist die Konsultation des VKI. Im Einzelfall wird festgestellt, wie die Chancen stehen, den Schaden ersetzt zu bekommen. Rechtliche Vertretung kann der VKI aber nicht anbieten. Dafür kann man einen Anwalt oder Prozessfinanzierer beauftragen. Der Vorteil für jene, die an den Verein für Finanzmarktausgleich oder an Advofin – beide sind Prozessfinanzierer – herantreten: Die Gefahr, dass ein Prozess verloren geht und damit neben dem bisherigen Schaden auch noch Verfahrenskosten zu tragen sind, fällt weg. Der Nachteil: Entschei­det die Justiz für den Geschädigten, streichen die Prozess­finanzierer abhängig von der Höhe des Schadens bis zu 30 Prozent der erstrittenen Wiedergutmachung als Honorar ein.

Versicherung als Joker
Wer seinen Anwalt einschaltet, sollte Chancen und Risiken des Falles genau bewerten. Der steirische Advokat Erich Holzinger, der für mehrere Hundert AvW-Geschädigte aktiv ist: „Die erste Datenerhebung ist gratis. Die Kosten für rechtliche Schritte sind von der Höhe des Schadens abhängig. Sie sollten sich aber klar unter dem normalen Anwaltstarif bewegen.“ Keine Sorgen um die Kosten für Rechtsbeistand und Gerichtsverfahren plagen jene, die eine Rechtsschutzversicherung haben. Der Wiener Anwalt Benedikt Wallner: „Viele vergessen, dass bei manchen gewöhnlichen Haushaltsversicherungen der Rechtsschutz inkludiert ist.

Von Robert Winter

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