Auf lange Sicht punkten Fondspolizzen durch KESt-Freiheit

Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen fallen hohe Anfangskosten an, langfristig wiegt die Steuerbefreiung der erzielten Gewinne den Startnachteil auf.

Die neue KESt auf Wertpapiergewinne mischt die Karten im Match zwischen der Direktanlage in Fonds und den fondsgebundenen Lebensversicherungen neu. Klaus Pekarek, Chef der Raiffeisen-Versicherung: "Je länger die Laufzeit, desto attraktiver werden fondsgebundene Lebensversicherungen.“ Außerdem gilt: Je höher die erzielten Erträge, desto heftiger schlägt die KESt zu, und desto mehr zahlt sich eine Versicherungshülle aus. Dazu eine Modellrechnung, die die Schoellerbank, also ein durchaus neutraler Marktteilnehmer, für einen Einmalerlag errechnet hat. Wer 15 Jahre lang 200.000 Euro investiert, bekommt bei drei Prozent Fondsrendite in der Direktveranlagung nach Abzug von Kosten und Steuern 239.765 Euro netto ausbezahlt. Beim gleichen Investment in Form einer Fondspolizze bleiben 248.106 Euro, also gut 8.000 Euro mehr übrig. Bei sechs Prozent ergibt sich am Ende sogar ein Nettovorteil von rund 50.000 Euro.

Vermögensaufbau in Raten

Allerdings hängt die tatsächliche Ersparnis stark davon ab, wie hoch die Kosten beim Abschluss der Polizze ausfallen. Pekarek: "Die Spesen sind bei Einmalerlägen niedriger als bei Fondspolizzen mit laufender Prämie.“ Wie sich die relativ hohen Nebenkosten auswirken, zeigt ein Polizzenvergleich des Versicherungsmaklers EFM für einen 30-jährigen Mann, der 30 Jahre lang monatlich 100 Euro in eine Fondspolizze einzahlt. Bei einer angenommenen jährlichen Rendite von sechs Prozent werden aus der Gesamteinzahlung von 36.000 Euro bei der HDI-Gerling 81.449 Euro, während bei der Nürnberger mit 74.558 fast 6.000 Euro weniger herauskommen (siehe Tabelle). Zwar bietet die Nürnberger eine höhere Versicherungssumme im Ablebensfall, das erklärt diesen Unterschied aber nur zum Teil. Tipp: Wer einen höheren Ablebensschutz benötigt, sollte lieber eine eigene, günstigere Risikolebenspolizze abschließen.

Kritik an den Kosten

EFM-Chef Josef Graf (Bild): "Ganz generell besteht bei Fondspolizzen noch Handlungsbedarf, die Kosten zu senken. Schließlich verdienen die Versicherungen auch an Rückflüssen von den Fondsgesellschaften, den sogenannten Kick-backs.“ Bei Aktienfonds holen sich die Assekuranzen so einen Zusatzgewinn von 0,5 bis 0,75 Prozent des insgesamt gehaltenen Fondsvolumens (die Banken übrigens auch).

Außerdem, so Graf, seien Polizzen für die Kunden günstiger, bei denen die Abschlussprovision für den Verkäufer nicht am Anfang, sondern während der gesamten Laufzeit anfällt. Einen derartigen Tarif führt die Skandia gerade unter dem Namen Grand Select ein. Hier werden von jeder laufenden Prämie zehn Prozent Kosten abgezogen (vier Prozent für die Versicherungssteuer und sechs Prozent als eine Art von Ausgabeaufschlag). Dazu kommt eine Jahresgebühr von 1,3 Prozent vom Fondsvolumen. Im Gegenzug werden den Versicherten alle Kick-backs gutgeschrieben. Skandia-Vorstand Gerhard Hopfgartner: "Unter dem Strich liegen die Kosten ähnlich wie bei den bisherigen Tarifen, aber die Abrechnung ist transparenter, und außerdem wird schon zu Anfang ein höherer Teil der Prämie veranlagt. Das spricht auch Anleger an, die bisher die Fonds auf einem Bankdepot gehalten haben und jetzt nach einer KESt-sparenden Lösung suchen.“ Kommentar von EFM-Makler Graf: "In diese Richtung sollte es gehen.“

Wer nicht warten will, bis die Gesellschaften ihre Tarife entsprechend umstellen, kann jetzt zumindest versuchen, Kosten zu sparen und entweder die Provision des Vermittlers herunterzuhandeln oder in der Zentrale der jeweiligen Versicherung nach einer "provisionsfreien Direktionspolizze“ fragen. Ein erster Kontakt ist unter Angabe der persönlichen Daten, der genauen Angabe des gewünschten Produktes und der Prämienhöhe auch per E-Mail möglich.

Fonds à la Carte

Die Höhe der Kosten ist zwar ein zentraler Aspekt bei der Auswahl einer Lebensversicherung, mindestens genauso wichtig ist aber die Zahl und die Qualität der zur Verfügung stehenden Einzelfonds. Die größte Palette hat derzeit die Uniqa beziehungsweise das nahezu idente Produkt der Raiffeisen Versicherung. Helvetia, Skandia und Wiener Städtische stehen der Uniqa aber mit jeweils über 100 Fonds nur wenig nach. Vor Vertragsabschluss ist es wichtig, die jeweilige Fondsauswahl zu untersuchen und vor allem auch auf Hochertragsprodukte, die zum Beispiel in Schwellenländern investieren, zu achten.

Offensive Fonds mit Torjägerqualitäten sind nur die halbe Miete. In schlechten Börsenzeiten sind Fonds gefragt, die das erreichte Vermögen gegen Verluste verteidigen. Interessante Lösungen bieten hier die Tarife FlexSolution der Uniqa und "Meine flexible Lebensvorsorge“ der Raiffeisen Versicherung, ein Zwitter aus klassischer Lebensversicherung mit garantierter Mindestverzinsung und Fondspolizzen. Pekarek: "Anleger können den Anteil zwischen klassischer und fondsgebundener Lebensversicherung laufend variieren.“ Der Anteil der Fonds darf im Extremfall zwischen zehn und 100 Prozent des Versicherungsvermögens ausmachen. Zusatzvorteil: Kunden ersparen sich mit diesem Hybridprodukt einen späteren teuren Wechsel in eine andere Lebensversicherung mit mehr Chancen oder mehr Schutz.

Mitte April kommt die Wiener Städtische mit einem vergleichbaren Angebot, "United Funds of Success Premium“, auf den Markt. Wiener-Städtische-Vorstand Ralph Müller: "Für den Teil, der im klassischen Deckungsstock liegt, gilt eine Kapitalgarantie plus eine Mindestverzinsung von zwei Prozent, die sich aktuell durch die variable Gewinnbeteiligung auf 3,25 Prozent erhöht. Außerdem bieten wir auch ein Modell der jährlichen Abschichtung, bei der Fondserträge, die fünf Prozent übersteigen, in den sicheren Deckungsstock umgeschichtet werden. Das führt dazu, dass gegen Ende der Laufzeit automatisch der sicher veranlagte Anteil steigt.

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