"Apple erfüllt die Ethik-Kriterien nicht"

Wenn der Vatikan eine Veranlagungsempfehlung abgibt, müsste eigentlich etwas dran sein. Die Sache hat nur einen Haken: Der Tipp-Geber Karol Józef Wojtyła, besser bekannt als Papst Johannes Paul II., ist bereits seit 2005 tot, und der im Jahr 2002 vom kirchlichen Oberhaupt empfohlene Ethik-Fonds Mellon European Ethical Index-Tracker wurde 2009 liquidiert.

Die Panne lässt sich verschmerzen, denn die Anzahl der Börsenkonzerne und der Emittenten von Anleihen, die sich nachhaltiges Wirtschaften auf ihre Fahnen heften, steigt ebenso wie die Zahl verfügbarer Ethik- und Nachhaltigkeitsfonds. Nichtsdestotrotz besteht weiter Nachholbedarf. Laut der deutschen Ratingagentur oekom research folgen 57 Prozent von 3.100 weltweit untersuchten Börsenkonzernen keiner oder nur einer mangelhaften Nachhaltigkeitsstrategie (s. Tabelle). Und genau diese Konzerne sind es, für die Investoren immer weniger gern Geld lockermachen, weil oft Umweltverschmutzung, Rüstung, Atomenergie, Alkohol, Korruption, Pornografie oder sogar Blutgold und Kinderarbeit im Spiel sind.

Mit Idealismus allein ist es dann aber doch nicht getan. Unterm Strich soll sich auch engagierte Geldanlage als gutes Geschäft erweisen. Anleger stehen nun vor zwei entscheidenden Fragen: Wo gibt es einschlägige Informationen, ob ein Börsenkonzern, ein Staat oder ein Fonds zu den Guten oder zu den Bösen zählt? Und ist der Spagat zwischen nachhaltiger Veranlagung und ausreichend guter Rendite in der Praxis zu schaffen?

Elisabeth Höller, Chefin von Invera, einer Schweizer Agentur für Ethik-Rating: "Es gibt keine einheitlichen Standards für nachhaltige Geldanlage. Viele Anbieter einschlägiger Produkte tun bloß so, als hätten sie den Stein der Weisen entdeckt.“ Eine gute Orientierung bietet zum Beispiel die Einstufung von Einzelaktien der deutschen Agentur oekom research, die rund 3.100 weltweite Börsenkonzerne auf die Einhaltung ethischer und nachhaltiger Prinzipien abklopft.

Dabei kommen bekannte Unternehmen wie Apple, BASF, Coca-Cola, Microsoft, RWE sowie Walt Disney nicht besonders gut weg. Auch für die Invera-Expertin kommt der Kauf der Apple-Aktie aus ethischen Gründen nicht infrage. Wolfgang Pinner, der für die Sparinvest-Fondsgesellschaft der Erste Bank mehrere Nachhaltigkeitsfonds leitet: "Apple steht nach wie vor wegen Arbeitsrechtsverletzungen beim chinesischen Zulieferer Foxconn in der Kritik.“

Saubermänner und Muffel

Trotzdem haben sich Anleger mit der Apple-Aktie schon seit geraumer Zeit eine goldene Nase verdient. Auf Jahressicht stieg der Kurs in Dollar gerechnet um 85 Prozent. Investoren, die bereits vor zehn Jahren eingestiegen sind, blicken sogar auf ein sagenhaftes Plus von 4.820 Prozent.

Obwohl Apple bei oekom research mit der Note "C+“ nur bedingt für ethisch orientierte Anleger infrage kommt, mangelt es bei Aktien nicht an Alternativen. Robert Haßler, Vorstand von oekom research: "IBM steht mit einer Einstufung von B deutlich besser da.“ Zur Erklärung: Die Bewertung erfolgt generell auf einer Skala von "A+“ als Bestwert bis hin zu "D-“ für Nachhaltigkeitsmuffel. Wie IBM ist auch der deutsche Konzern Henkel mit "B“ gut bewertet und Klassenbester unter den weltweiten Haushaltsartikelherstellern. Fondsmanager Pinner: "Das Unternehmen gibt sowohl bei den bei der Erzeugung verwendeten Rohstoffen als auch beim Recycling den Takt vor.“ An der Börse hat sich Henkel ebenso als gute Wahl erwiesen, auf Jahressicht liegt die Aktie 24 Prozent im Plus.

Öl-Primus

Erfreulich für heimische Anleger: Mit einer Einstufung von "B“ ist der heimische Mineralölkonzern OMV der weltweite Branchenprimus im Nachhaltigkeitsranking der Öl- und Gaskonzerne. Bei der Aktie besteht durchaus noch Aufholbedarf. Auf Jahressicht liegt der Kurs um 13 Prozent unter Wasser.

Dieser Verlust ist im direkten Vergleich zu den Notierungen der saubersten Börsenkonzerne, die durchwegs in der Branche Alternativenergie tätig sind, ein Klacks. Beim Solarenergie-Unternehmen Solarworld gingen seit April des Vorjahres sogar vier Fünftel des Einsatzes den Bach runter, Q-Cells ging sogar pleite.

Nur unwesentlich besser, kam die Aktie von Vestas Wind Systems, der globalen Nummer 1 bei der Herstellung von Windkraftanlagen, mit einem Kursverlust von 76 Prozent über die Runden. Zum Trost: Zumindest im Nachhaltigkeitsrating sind die Solarworld und Vestas Spitze. oekom-research-Experte Haßler: "Das Top-Rating A erhalten praktisch nur Unternehmen der Branche erneuerbare Energie.“ Das teils schwache Abschneiden an der Börse zeigt, dass Anleger bei grünen oder nachhaltigen Investments darauf zu achten haben, welcher Branche sie sich zuwenden. Vor allem Alternativenergie-Betreiber haben das Problem, dass sie am Gängelband öffentlicher Förderungen und politischer Entscheidungen hängen. Darüber hinaus werden sie an der Börse auch wegen der häufig relativ geringen Kapitalisierung oft zum Spielball der Spekulanten.

Licht ins Dunkel

Deshalb ist es auch bei ethischen Investments unerlässlich, auf breite Streuung zu setzen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht alle Fonds, bei denen "grün“, "sozial“, "ethisch“ oder "nachhaltig“ im Fondsnamen auftaucht, sich auch völlig an die strengen Anlagekriterien halten. Tipp: Investoren, die wissen wollen, ob ihr Fonds wirklich sauber ist oder ob es sich um eine Mogelpackung handelt, werden auf der Homepage des Kärntner Finanzdatendienstleisters software-systems ( www.software-systems.at) fündig.

Dort können Aktien-, Anleihen- und Mischfonds nach mehreren Nachhaltigkeitskriterien gefiltert werden. Das Maximum von 100 EDA-Punkten - das Kürzel EDA steht für "ethisch dynamischer Anteil“ - gibt es nur, wenn alle Fonds-Positionen den Anforderungen der ethischen Korrektheit gerecht werden.

Die schlechte Nachricht: Viele der als ethisch gut eingestuften Fonds erfüllten das Renditebedürfnis der Anleger nicht. Unter den 52 Aktienfonds, die im Nachhaltigkeitstest zwischen 90 und 100 EDA-Punkte erreichen, schneidet nur ein Viertel der Depots besser ab als der Durchschnitt vergleichbarer Fonds, die nicht dezidiert ethisch veranlagen. Über die Hälfte der Aktiendepots hinken sogar teils eklatant hinter der Wertentwicklung ihrer Vergleichsgruppe oder dem Vergleichsindex hinterher.

Unter jenen Fonds, bei welchen Anleger weder bei der Nachhaltigkeit noch bei der Rendite Abstriche machen müssen, findet sich etwa der Swisscanto Water Invest (ISIN LU0302976872). Seit Anfang April 2009 brachte der Fonds, der in Aktien der Wasserbranche investiert, einen Gesamtertrag von 63 Prozent und wies damit den Durchschnitt vergleichbarer Fonds um mehr als 18 Prozent in die Schranken (s. Chart). Durchaus erfreulich fällt auch die Abrechnung beim Ökologie-Aktienfonds Vontobel Clean Technology (ISIN LU0384405600) und dem Austro-Aktiendepot 3 Banken Österreich-Fonds (ISIN AT0000662275) aus.

Stichwort Österreich: In der Bewertungsliste von software-systems finden sich gleich acht Österreich-Aktienfonds unter den 52 Aktiendepots mit mehr als 90 EDA-Punkten. Richard Lernbass, Mastermind von software-systems: "Nachhaltigkeit wird bei vielen österreichischen Konzernen ernst genommen.“ Zu den Vorreitern zählen laut oekom research der Stromerzeuger Verbund, Kartonhersteller Mayr-Melnhof, OMV, Hirsch und Teak Holz International. oekom-Experte Haßler: "Diese Unternehmen sind gleichzeitig auch die besten ihrer Vergleichsgruppe.“

Robert Winter, Carolina Burger