Anleihen-Match Schwellenländer gegen Industriestaaten

Die Schwellenländer gehen gestärkt in das Match gegen die Industriestaaten. FORMAT analysiert, wie Staatsanleihen-Investoren davon profitieren.

Am 10. August musste sich die brasilianische Seleção im Fußball-Freundschaftsspiel gegen Deutschland mit 2:3 knapp geschlagen geben. Beim Match der Staatsanleihen wäre Brasilien der klare Favorit. Während die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen aktuell bei 2,2 Prozent liegt, zahlt die Regierung des fünffachen Fußballweltmeisters ihren Gläubigern mehr als das Fünffache.

Geht es rein nach der Papierform, läuft aber Deutschland Gefahr, in die Abseitsfalle zu tappen. Während sich die Relation von Staatsschulden zur Wirtschaftsleistung im aufstrebenden südamerikanischen Staat seit 2005 um knapp drei Prozentpunkte verbesserte, ist der Schuldenberg der Deutschen seither um 12,5 Punkte gestiegen. Auch bei den Schätzungen der Neuverschuldung des Gesamtjahres 2011 zeigt Brasilien die bessere Formkurve.

Die wirtschaftliche Aufholjagd ist freilich nicht auf das Ländermatch der beiden Fußball-Großmächte beschränkt. So legen etwa China, Indien und Indonesien, die unter den bevölkerungsreichsten Staaten der Erde Platz eins, zwei und vier halten, bei vielen Kennzahlen deutlich mehr Spritzigkeit an den Tag als der Großteil der Industrienationen. Bereits seit Jahren spielen die Emerging Markets beim Verhältnis von Staatsverschuldung zur Wirtschaftsleistung um den Aufstieg. Laut Währungsfonds IWF ist die Relation von Verschuldung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Schwellenländern seit dem Jahr 2000 im Schnitt von 49 auf knapp über 40 Prozent gefallen.

Rob Drijkoningen, weltweiter Chef für Schwellenländer bei ING Investment: „Das Verhältnis von Staatsschulden zu BIP liegt in den Industriestaaten inzwischen deutlich über 90 Prozent. Das Bild hat sich komplett gewandelt. Früher galten die Industriestaaten als sicher, jetzt stehen die Schwellenländer besser da. Vor allem, weil das Wirtschaftswachstum in den aufstrebenden Regionen deutlich höher ist.“ Geht es nach den Prognosen der Deutschen Bank, könnte sich die Formkrise der westlichen Schuldner bis 2020 noch weiter verschärfen, während die Schwellenländer ihre finanzielle Lage weiter verbessern.

Auch bei den Devisenreserven sind die aufstrebenden Länder Tabellenführer. Christian Gaier, Fondsmanager von Schwellenländeranleihen der Erste Sparinvest: „Die großen Währungsreserven bilden für die rasch wachsenden Staaten einen Krisenpuffer. China hält 32 Prozent der weltweiten Devisenreserven. Russland, Südkorea und Brasilien zählen zu den Top 10 der Erde. Die Schweiz liegt mit Rang zehn zwei Plätze vor der Eurozone.“

Die Transferzeit nutzen

Damit ist der Ball nun bei den Anlegern. Sie können bei ihren Investments weiterhin auf ausdauernde Innenverteidiger setzen. Österreichs Papiere haben gegenüber deutschen den Vorteil, bei gleicher Bonitätsnote deutlich höhere Zinsen zu zahlen. Im Moment ist aber trotzdem ein Verlust vorprogrammiert, weil die Rendite nach Abzug der KESt und unter Berücksichtigung der Inflation in die Verlustzone grätscht.

Alternativ dazu können für den Anleihenanteil etwa Legionäre aus Asien und Lateinamerika verpflichtet werden. Dazu hat sich jedenfalls Bill Gross, Gründer des weltgrößten Anleiheninvestors Pimco, entschlossen. Bereits im Mai postulierte Gross in seiner gewohnt bildhaften Ausdrucksweise: „Anleger, die auf Anleihen etablierter Staaten vertrauen, können den Aufstand wagen, weil die Regierungen der Industrieländer auf finanzielle Unterdrückung in Form von negativen Realzinsen umschalten. Deshalb sollte man Schwellenländeranleihen in Lokalwährung umarmen.“

Stichwort Lokalwährung: Neben der deutlich höheren Verzinsung, die Papiere der aufstrebenden Staaten im Vergleich zu Anleihen von AAA-Staaten bieten, locken Zusatzgewinne, weil manche Währungen der Exotenstaaten Aufwertungspotenzial haben. ING-Experte Drijkoningen zählt dabei etwa die indonesische Rupie und den mexikanischen Peso zu seinen Favoriten. Der brasilianische Real, bis vor kurzem extrem ansteigend, blieb 2011 zurück.

Hans Köck, Produktstratege bei Pioneer Investments: „Heuer brachte Lateinamerika unterm Strich Verluste, weil die Währungen stark vom US-Dollar abhängen. Sollte der Dollar fester werden, sind asiatische und südamerikanische Anleihen wieder zu favorisieren.“ Nichtsdestotrotz sollten Anleger jetzt nicht alles auf eine Karte setzen. Robert Senz, Anleihenchef der Raiffeisen-Fondsgesellschaft: „Staatsanleihen von Indonesien, Malaysia und Peru sind eine gute Wahl. In Summe sollten aber nicht mehr als 20 Prozent des Geldes, das in Anleihen investiert wird, in Schwellenländeranleihen gelangen.“

Beim Einstieg ist zu bedenken, dass der Kauf einzelner Exoten-Anleihen für Privatanleger schwierig oder gar unmöglich ist. Abhilfe schaffen Fonds wie etwa der BNP Paribas Bond World Emerging Local (ISIN LU0251280011), der mit Schwellenländerpapieren in Lokalwährung seit Ende August 2006 in Summe 57 Prozent Rendite erzielte. Aktuell sind im Fonds Staatspapiere der Türkei, Ungarns, Polens und Malaysias hoch gewichtet. Wie breit das Spektrum ist, zeigt auch der Raiffeisen EmergingMarkets Rent (ISIN AT0000636733, siehe Chart), der unter anderem Anleihen von Russland, Ungarn, Polen, der Türkei und Bolivien hält.

Die Besonderheit: Maximal 20 Prozent der im Fonds befindlichen Papiere dürfen in Lokalwährung begeben sein. Erst Anfang des Vorjahres ist der unter der Ägide von Anleihenchef Drijkoningen geführte ING Renta Fund Emerging Debts (ISIN LU0546915645) gestartet. Seither erwirtschaftete der Fonds mit Staatspapieren von Singapur, Mexiko, Ungarn und Taiwan einen Gesamtertrag von 17 Prozent.

– Robert Winter

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