Anlegen wie die Profis

Österreichs Dachfonds investieren in 1.150 Einzelfonds. FORMAT zeigt die zehn Favoriten der Anlage-Experten, die auch für Privatanleger einen Blick wert sind.

Anlegen wie die Profis

Wenn Österreichs Dachfondsmanager den Morgan Stanley Global Brands zu ihrem absoluten Liebling erklären, muss schon was dran sein. Laut der aktuellen "Dachfondsstudie Österreich 2012“ des Info-Dienstleisters e-fundresearch.com ist der Morgan-Stanley-Konsumgüteraktienfonds mit einem eingesetzten Volumen von 93 Millionen Euro die Nummer eins unter allen ausländischen Subfonds.

Für die Kunden der Dachfonds hat sich die Entscheidung bezahlt gemacht. In den vergangenen drei Jahren legte der Fonds, der in Aktien global tätiger Markenartikler investiert, insgesamt um 79 Prozent zu. Auch beim Engagement in die Nummer zwei und drei, den Wall-Street-Aktienfonds Allianz US Equity sowie den Inflationsschutz-Anleihenfonds LGT Global Inflation Linked, hat sich die akribische Subfonds-Auswahl gerechnet (siehe Charts links) Die Favoriten der Profis (siehe Tabelle ) sind deshalb auch für Privatanleger einen Blick wert.

Dabei wird es für Einzelfonds immer schwerer, an die Spitze vorzustoßen. Mittlerweile buhlen 124 ausländische Fondsgesellschaften um die Gunst der Dachfondsmanager , die Zahl der verwendeten Einzelfonds wuchs Jahr für Jahr auf inzwischen 1.150.

Nestlé im Depot

Der Morgan Stanley Global Brands setzt auf starke Marken wie Lucky Strike, HB und Gitanes des Tabakkonzerns British American Tobacco oder die des Schweizer Nahrungsmultis Nestlé. Dieser Mix hat den Fonds seit der Auflage im Oktober 2000 zu einem Klassiker gemacht. Bernhard Saringer, der als Dachfondsmanager der Schoellerbank unter anderem für den "All Trends“ zuständig ist: "Wir überprüfen jeden Fonds genau, bevor er eingesetzt wird. Innerhalb der Weltaktienfonds hat der Global Brands eine ganz eigene Anlagephilosophie. Mit seiner Konzentration auf Basiskonsumgüter kam er aus der Krise nach 2008 gestärkt hervor und profitiert von der wachsenden Mittelschicht in den Schwellenländern.“

Einziger Haken: Der inzwischen 8,4 Milliarden Euro Dollar schwere Global Trends, der schon wiederholt von FORMAT empfohlen wurde, ist bald wegen Erfolgs geschlossen. Neue Anteile können nur noch bis Ende Oktober gekauft werden, wer noch zuschlagen möchte, sollte sich also beeilen. Der Verkauf bleibt aber auch danach möglich.

Wenn die Dachfondsmanager auf die Wall Street setzen wollen, ist der Allianz US Equity erste Wahl. Eva Polly, die unter anderem den Raiffeisenfonds-Ertrag betreut: "Diesen Allianz-Fonds halten wir schon lange als Basisinvestment, das Management ist sehr gut.“ Auswahlkriterium sind für Polly nicht kurzfristige Höchsterträge, sondern ein langer Atem und ein Management, das auch für Anfragen und Informationen verfügbar ist - nur so hat sie die Gewissheit, keine negativen Überraschungen zu erleben.

Mit 63 Millionen Euro Dachfonds-Volumen ist der LGT Bond Fund Global Inflation Linked die Nummer drei. Der auf Inflationsschutzanleihen spezialisierte Fonds der Liechtensteiner LGT-Bank ist unter anderem in Dachfonds der Erste Bank vertreten. Produktexperte Werner Wiedenbrig: "Der Fonds ist lange sehr gut gelaufen, auch wenn das letzte Quartal weniger überzeugte. Zwar hat sich die Sorge vor einer stark steigenden Inflation derzeit beruhigt. Aber sobald Anleger wieder mehr Angst bekommen, steigen umgehend auch die Kurse von Inflationsschutz-Papieren.“

Flotte Flaggschiffe

Wie gut die österreichischen Dachfondsmanager arbeiten, zeigt die Bilanz der wichtigsten Produkte. FORMAT hat 15 wichtige österreichische Publikumsdachfonds unter die Lupe genommen, die in Summe knapp 3,4 Milliarden Euro an Kundengeldern verwalten.

Die Bilanz: Acht der 15 Dachfonds-Flaggschiffe konnten in den vergangenen zehn Jahren den Durchschnitt von Fonds derselben Kategorie durchwegs übertreffen, die anderen zeigen teils Stärken, teils Schwächen und landeten im Mittelfeld.

So schnitt etwa der flexible Euro-Anleihen-Mischfonds Espa Select Bond ( AT0000660592 ), der 674 Millionen Euro verwaltet, sowohl auf Ein-, Drei-, Fünf- und Zehnjahressicht besser ab als vergleichbare Produkte. Das gleiche Kunststück gelang dem von Managerin Polly gesteuerten defensiven Mischfonds Raiffeisenfonds-Sicherheit ( AT0000822630 ), der 475 Millionen Euro für die Kunden anlegt. Dass es sich dabei um keine Eintagsfliege aus dem Hause Raiffeisen handelt, zeigt auch der Raiffeisenfonds-Ertrag (AT0000818919; Volumen 416 Millionen Euro), der die unterschiedlichen Marktzyklen der vergangenen Jahre sehr gut im Griff hatte. Der Raiffeisenfonds-Wachstum ( AT0000811617 ; Volumen 184 Millionen Euro) kam ebenfalls durchwegs besser über die Runden als vergleichbare Fonds.

Das trifft darüber hinaus auch auf die von Fondsmanager Leo Willert mittels eines elektronischen Handelssystems gelenkten C-Quadrat Arts Total Return Dynamic (AT0000634738; Volumen 333 Millionen Euro) und auf den C-Quadrat Arts Total Return Balanced ( AT0000634704 ; Volumen 192 Millionen Euro) zu. Willert sucht mittels Computermodellen nach Kurstrends. Seine Fonds laufen dann besonders gut, wenn die Börsen längere Zeit eine klare Richtung einschlagen (und zwar unabhängig davon, ob die Kurse steigen oder fallen). In Zeiten von starken Trendwechseln zeigen die Arts-Dachfonds dagegen Schwächen, bis eine Umpositionierung greift. Mit dem relativ aggressiven Mischfonds Pioneer Master Fonds dynamisch ( AT0000801809 ; Volumen 179 Millionen Euro) hat auch die Fondsgesellschaft der Bank Austria ein Vorzeigeprodukt am Laufen.

Fazit: Wer sich die Einzelfonds-Auswahl ersparen will, kauft gleich eine Dachfondslösung und damit alle aktuellen Favoriten im Paket.