Anlage: Nach langen fetten Jahren ist für Fondsmanager der Sparkurs angesagt

Nach Milliarden-Abflüssen setzt die Fondsbranche den Rotstift an, plant, viele Fonds zusammenzulegen, und will mit einfacheren Produkten die Kunden zurückgewinnen.

Das Jahr 2008 war für die Fondsbranche rabenschwarz. Der Wert der Aktienfonds schmolz wie Schnee in der Sonne. Staatsanleihenfonds stiegen zwar im Wert, aber die hohen Sparbuchzinsen waren eine teilweise übermächtige Konkurrenz. Insgesamt verlor deshalb die lange Jahre erfolgsverwöhnte Branche fast 40 Milliarden Euro, das sind 23 Prozent des Fondsvolumens österreichischer Banken. Ein ähnliches Bild zeigt sich europaweit. In Luxemburg, dem wichtigsten Fondsdomizil Europas, summierten sich die Rückflüsse bis Ende ­November auf 450 Milliarden Euro, ein Minus von 22 Prozent.

Krisenzerzauste Raiffeisen
Ziemlich heftig erwischte es in Österreich den Branchenprimus Raiffeisen, der gleich 31 Prozent als Resultat von Kursverlusten und Fondsverkäufen abgeben musste. Schlechter schnitten nur Constantia, Meinl und Anglo Irish ab, deren Mutterbanken besonders von der Finanzkrise gebeutelt wurden, die Anglo-Irish-Fonds mussten sogar an die Schweizer Valartis verkauft werden. Ursache war bei Raiffeisen vor allem ein Rückfluss bei Großanlegerfonds. Jetzt steht sogar die Nummer eins auf dem Spiel. Da die Ringturm-Fonds der Wiener Städtischen heuer an die Erste Bank verkauft werden, liegen Espa und Ringturm gemeinsam nur noch mit hauchdünnem Abstand hinter dem Branchenführer.

Hoffnungsträger Zinssenkung
Jetzt hofft Raiffeisen-Fondschef Mathias Bauer ( im Bild ) auf das neue Jahr: „Die stark sinkenden Zinsen – wir erwarten einen Rückgang auf unter zwei Prozent – werden wieder zu erhöhten Zuflüssen in Fonds führen.“ Diese hätte die Branche auch bitter nötig. Angesichts weitgehend fixer Kosten für Fondsmanagement und -verwaltung, aber sinkender Einnahmen aus dem verwalteten Volumen herrscht überall Krisenstimmung. Im Durchschnitt verdienen Fondsgesellschaften mit Ma­nagement­gebühren für Aktien- und Anleihenfonds etwa 0,8 Prozent pro Jahr. Die Hälfte davon wird an die Vertriebspartner als Bestandsprovision weitergereicht. Es bleiben also 0,4 Prozent des Volumens übrig. Bei 40 Milliarden Minus, davon überpropor­tional viel bei hochmargigen Aktienfonds, fehlen also 160 Millionen Euro, das entspricht etwa dem Jahresgehalt von fast 2.000 Fondsmanagern.

Personalabbau unausweichlich
Zwar will die Branche vor allem bei Sachaufwendungen wie etwa Bloomberg-Terminals sparen und auf Nachbesetzungen verzichten. Alois Steinböck, Chef der Bawag-PSK-Fonds, überlegt die Kooperation mit Mitbewerbern: „Man könnte die technische Infrastruktur gemeinsam nutzen.“ Auch mit anderen Finanzinstituten soll stärker zusammengearbeitet werden. Raiffeisen-Fondschef Bauer plant zum Beispiel, mit der Raiffeisen-Versicherung Synergieeffekte zu erzielen. Trotzdem wird es auch zu Personalabbau kommen, das gilt genauso für die Österreich-Büros ausländischer Fonds. So hat zum Beispiel die österreichische Vertriebsgesellschaft des Hamburger Schiffsfondsanbieters MPC derzeit mit 12 Mitarbeitern zwei Drittel weniger als noch 2007.

Ausdünnung der Fonds-Landschaft
Dazu wird auch die Zahl der Fondsgesellschaften abnehmen. Raiffeisen-Fonds-Boss Bauer: „Die Dichte an Fondsgesellschaften kann so nicht bestehen bleiben. Auch im Sinne der Qualitätssicherung wird die Krise zu strategischen Übernahmen führen.“ Selbst internationale Mega-Fusionen sind nicht ausgeschlossen. Die Zahl der Produkte wird ebenfalls sinken. Bawag-Fondschef Steinböck: „Lukrativ wird ein Fonds erst ab 20 bis 30 Millionen Euro Volumen.“ Hunderte Fonds erreichen heute nicht einmal mehr zehn Millionen Euro. Erste-Sparinvest-Chef Heinz Bednar: „Wir haben schon Anfang 2008 begonnen, die Produktpalette zu bereinigen – vor allem bei überlappenden Themen.“

Fusionswelle ab 2011
Zu einer massiveren Fusionswelle könnte es ab 2011 kommen, wenn neue EU-Regeln namens Ucits 4 auch grenz­überschreitende Fusionen erlauben. Das wird zum Beispiel für die Pioneer-Austria-Fonds zum Thema werden, die es oft auch in einer deutschen und luxemburgischen Version gibt. Ziel von Ucits 4 ist es auch, die Spesen für Fondsanleger zu senken (siehe hierzu auch Fondsspesen: Die Gesamtkosten steigen ). Raiffeisen-Fondschef Bauer: „Langfristig rechne ich bei Ausgabeaufschlägen und Verwaltungsgebühren mit geringeren Kosten.“

Neue Produkte gefragt
Handlungsbedarf hat die Branche auch bei den Produkten. In den vergangenen Jahren kamen zahlreiche Themen in Mode, die sich nicht als krisenfest erwiesen haben. So wurden zum Beispiel „Geldmarkt plus“-Fonds kreiert, die vor allem Großanlegern wie etwa Pensionskassen oder Versicherungen etwas höhere Erträge versprachen als mit klassischen Geldmarktfonds, die in kurzfristige, liquide Anleihen investieren. Bei den Plus-Varianten wurde die höhere Ertragschance oft über Papiere erkauft, die in marode US-Hypotheken investierten und bis heute teilweise sogar unverkäuflich sind.

Trend zur neuen Einfachheit
In Zukunft heißt das Motto deshalb: „Keep it simple“. Statt in komplizierten Konstruktionen namens Total Return auf stabile Erträge zu setzen – was oft genug schiefging und in der Praxis eher zu einem „Total Verlust“ führte, wie Spötter anmerken, wird man jetzt wieder den Fokus auf klassische Anleihen-, Misch- und Aktienfonds legen. JPMorgan-Chef May: „Bei Aktienfonds wird man ganz einfach wieder versuchen, die bes­ten Aktien auszuwählen – und Punkt.“

Von Martin Kwauka, Ingrid Krawarik und Anneliese Proissl

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Service

Die Suche nach dem besten Konto

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik

Geld & Service

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik