Angst vor der Explosion: Wie versucht wird, das Bankensystem vor dem Kollaps zu retten

Mit allen Mitteln wird versucht, das Bankensystem vor dem Kollaps zu retten. Österreich garantiert sogar sämtliche private Spareinlagen, um eine Kapitalflucht zu verhindern.

Unsere Nachbarn haben es uns vorgemacht: Um zu verhindern, dass von der Bankenkrise verunsicherte Sparer in dieser Woche die Geldinstitute stürmen und ihre Sparbücher plündern, versprach Bundeskanzlerin Angela Merkel kurzerhand, sämtliche privaten Spar- und Giroeinlagen in unbegrenzter Höhe zu garantieren. Der deutsche Staat steht demnach notfalls für rund 1.000 Milliarden Euro gerade. Um ein Abfließen der österreichischen Spareinlagen über die Grenze zu verhindern, folgte Vizekanzler Wilhelm Molterer dem deutschen Vorbild. Am Mittwoch wurde im Ministerrat ein Rettungspaket durchgewunken, das rückwirkend ab 1. Oktober alle Einlagen privater Kunden in voller Höhe absichert. Statt bisher maximal 20.000 Euro pro Kunde sind künftig selbst Millionenbeträge vom Staat garantiert.

Schutz mit Lücken
Der umfassende Schutz aller privaten Guthaben auf Spar-, Bauspar- und Girokonten löst aber nicht alle Probleme. So profi tieren zum Beispiel Besitzer von Bankanleihen ebenso wenig von der Staatsgarantie wie Inhaber von Zertifi katen. Deshalb macht es für viele Kunden weiterhin Sinn, einen Blick auf die Bilanzdaten ihrer Bank zu werfen. Zu übertriebener Sorge besteht allerdings kein Anlass: Die österreichischen Institute weisen zum Beispiel in puncto Eigenkapital solide Werte aus.

Betriebsvermögen kaum gesichert
Grund zur Vorsicht haben auch Unternehmer. Betriebliche Vermögen sind nämlich kaum gesichert. Einlagen von Firmen sind weiterhin nur bis zu 20.000 Euro geschützt – und im Worst Case werden obendrein nur 90 Prozent davon ausgezahlt. Möglicherweise profitieren Unternehmen von der Anfang der Woche beschlossenen EU-weiten Anhebung der Mindesteinlagensicherung auf 50.000 Euro. Allerdings bleibt hier der genaue Text der geplanten EU-Richtlinie abzuwarten. Aber selbst eine Anhebung auf 50.000 Euro wäre im Ernstfall häufig nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Unternehmer speziell gefährdet
Die Wirtschaftskammer fordert deshalb eine Gleichbehandlung der privaten und betrieblichen Einlagen, also einen ebenfalls 100-prozentigen Schutz in unbegrenzter Höhe. Schließlich leiden die Unternehmer oft stärker unter der Finanzkrise als private Kunden. Die Auftragslage geht zurück, die Kredite wurden in den vergangenen Monaten spürbar teurer, und außerdem werden die Banken angesichts knapper Liquidität auch bei der Finanzierung neuer Investitionen deutlich restriktiver. Dazu kommen noch Sonderfaktoren wie die vorübergehende Einfrierung von Firmen-Guthaben in einigen Geldmarktfonds. Sollte jetzt noch eine Bank umfallen, könnte das für viele Unternehmen das Aus bedeuten.

Fremdwährungskredite mit Krisenpotenzial
Selbst wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass österreichische Banken wegen rein innerösterreichischer Probleme in Schwierigkeiten kommen, birgt die vielfältige Verbindung mit der gesamten Finanzwelt kaum abschätzbare Probleme. Ein potenzieller Krisenherd, der auch die Nationalbank beunruhigt, sind die vielen Fremdwährungskredite. Einerseits liegen viele der Tilgungsträger, mit denen die Franken-Darlehen künftig zurückgezahlt werden sollen, derzeit unter Wasser (siehe Häuselbauern droht Nachschuss wegen Börsenkrise ). Andererseits sind die Banken bei der Lieferung der nötigen Franken auf wenige ausländische Institute wie etwa die UBS oder die Credit Suisse angewiesen.

350-Millionen-Euro-Panne
Schon die laufend nötigen Devisentransaktionen in Millionenhöhe sind ein potenzielles Risiko. Wegen einer Überweisungspanne bei einem Devisengeschäft mit der insolventen US-Bank Lehman Brothers entstand bei der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau ein Schaden von 350 Millionen Euro. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass auch einer österreichischen Bank Ähnliches passiert. Wenn zum Beispiel ein Devisengeschäft in Franken glattgestellt wird, überweist das heimische Institut die Franken zurück ins Ausland, und im Gegenzug bekommt man eine Gutschrift der entsprechenden Euro-Summe. Diese erfolgt manchmal ein paar Stunden später – ein potenzielles Risiko, falls der Geschäftspartner plötzlich kracht. Tim Geißler, Treasury-Chef von Raiffeisen NÖ-Wien: „Die Gefahr ist letztlich sehr gering, aber es wäre möglich, auf diese Weise Geld zu verlieren.“ Die Angst vor einer Explosion im Bankensektor wird also noch eine Weile die Finanzwelt, ihre Kunden und die Politik beunruhigen.

Von Martin Kwauka

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