Analystin Monika Rosen: „Wir haben seit Juli den Aktienanteil übergewichtet“

UniCredit-Private-Banking-Chefanalystin Monika Rosen über positive Bilanzzahlen und verbleibende Risiken.

Format: Die Börse scheint seit 9. März nur noch einen Weg zu kennen – nach oben. Was war ausschlaggebend für das spektakuläre Comeback?
Monika Rosen: Bei Finanztiteln waren die Kurse nach der Lehman-Pleite so extrem tief gefallen, weil die Anleger um den Fortbestand der Unternehmen gefürchtet haben. Als US-Finanzminister Timothy Geithner klarmachte, dass kein zweites systemrelevantes Institut fallen gelassen wird, begann die Erholung.
Format: Die Halbjahresbilanzen gaben weitere Schubkraft. Waren die Ergebnisse wirklich so gut?
Rosen: Die Gewinne sinken jetzt schon seit zwei Jahren. Auch die Zahlen des ers­ten und jetzt auch des zweiten Quartals waren nicht berauschend, aber – was wesentlich ist – nicht so schlecht wie befürchtet. US-Analysten erwarteten für das zweite Quartal im S&P 500 einen Gewinnrückgang von 35 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2008. Tatsächlich waren es dann aber nur minus 28,3 Prozent. Das hat die Kurse weiter beflügelt.

"USA kommt schneller aus der Krise als Europa"
Format: Ist das Wachstum nachhaltig?
Rosen: Das ist noch ungewiss. Es gab bei den jüngst veröffentlichten Halbjahresbilanzen so gut wie kein Umsatzwachstum. Die positiven Überraschungen bei den Ergebnissen beruhten vor allem auf Kostensenkungen. Wenn man es optimis­tisch sehen möchte, sind die Unternehmensstrukturen jetzt schlanker – und wenn die Wirtschaft wieder richtig anspringt, wirkt sich das doppelt positiv auf die Gewinne aus. Außerdem ist der schwache Dollar positiv für US-Exportunternehmen – während umgekehrt Ausfuhren aus der Eurozone belastet werden. Generell glauben wir, dass die USA
schneller aus der Krise kommen als Europa.

"Ökonomen sprechen von zweitem Konjunkturpaket"
Format: Welche Wirtschaftsdaten könnten das Wachstum noch einmal gefährden?
Rosen: Ein Sektor, der jetzt im Fokus steht, ist der amerikanische Einzelhandel. Heuer wird es noch wichtiger als früher, wie sich das US-Weihnachtsgeschäft entwickelt. Der Konsument trägt in Amerika traditionell zu zwei Dritteln des Wirtschaftswachstums bei. Die weitere Entwicklung des Arbeitsmarkts spielt deshalb eine ganz entscheidende Rolle. Wenn Menschen aus Angst um ihren Arbeitsplatz wenig konsumieren, wirkt sich das negativ auf die Wirtschaft aus. Die Er­holung im Jahr 2010 wird deshalb eher holprig sein. Es gibt bereits Ökonomen, die von der Notwendigkeit eines zweiten Konjunkturpaketes sprechen, um längerfristig den Aufschwung sicherzustellen, denn der kann nur durch Privatkonsum getragen werden.

"Staatsanleihen haben teilweise negative Entwicklung"
Format: Soll man jetzt noch Aktien kaufen?
Rosen: Eine zu konservative Veranlagung kostet Performance. Staatsanleihen haben im Unterschied zu 2008 heuer teilweise eine negative Entwicklung. Auch die weiteren Aussichten für die nächsten 6 bis 12 Monate sind für Aktien besser als für Anleihen. Wir haben deshalb im Privat Banking der UniCredit im Juli Aktien auf Übergewichten gesetzt. Selbstverständlich vernachlässigen wir nicht die Risiken, aber die sehr niedrigen fixverzinslichen Renditen unterstützen das positive Szenario für Aktien. Wir haben im S&P seit ­Jahresbeginn in Euro gerechnet zehn Prozent plus. Ich rechne bis Jahresende mit einer insgesamt noch höheren zweistelligen Performance.

Von Martin Kwauka, Carolina Burger

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