"Am Ende werden Portugal und Griechenland nicht mehr zur EU gehören"

FORMAT: Bankaktien sind immer noch günstig bewertet. Viele Privatanleger denken über einen Einstieg nach. Glauben Sie, dass Kreditinstitute mit dem vielen Geld der EZB wieder so gut verdienen werden wie vor der Finanzkrise 2009?

Bernhard Felderer: Nein. Das ist auch der Grund wieso Aktienkurse von Banken seit Anfang 2012 etwas weniger gestiegen sind, als Papiere aus anderen Sektoren. Investoren haben verstanden, dass Kreditinstitute aufgrund der verschärften Regulierungen mit Basel III künftig viel sorgfältiger mit Geld umgehen müssen. Die hohen Gewinne aufgrund von sehr riskanten Spekulationen wird es so nicht mehr geben.

Sind die Basel-III-Regelungen eine gute Idee?

Ja, das war die einzig richtige Entscheidung. Wie die Praxis zeigt, werden die meisten Banken, die sieben prozentige Eigenkapitalquote, die bis 2018 vorgeschrieben ist, schon viel früher erreichen.

Kreditinstitute werden gerne als Sündenböcke für die Schuldenkrise herangezogen. Was können Sie dieser Aussage abgewinnen?

Die Bankenkrise ist sehr eng mit der Staatsverschuldung verknüpft. Ohne der Lehmenpleite 2009 hätten wir heute kein Staatsschuldenproblem. Die Regierungen haben weltweit ihre Hemden ausgezogen, um den Bankensektor zu stabiliesieren. Österreich hat rund 1,5 Milliarden Euro bis jetzt gebraucht, um heimische Kreditinstitute vor dem Kollaps zu retten – da hab ich die Rettung der Bad Bank von der Kommunalkredit noch gar nicht dazugerechnet. In Österreich stiegen die Schulden in den letzten drei Jahren von 60 auf heute 72 Prozent der Wirtschaftsleistung. 2012 wird der Wert sogar auf 85 Prozent klettern. Die Eurozone ist mit 90 Prozent des BIP verschuldet, die USA sogar mit über 100 Porzent.

Stichwort Kommunalkredit: Es ist schwer vorzustellen, dass Österreich auf rund einem Drittel aller ausständigen Hellenen-Ausfallsversicherungen sitzt. Was ist da schief gelaufen?

Das Management der Kommunalkredit hat sehr schwere Fehler gemacht. Wenn man für die Risikoeinschätzung so wenig Seriösität aufbringt, ist zu erwarten, dass die Bad Bank noch viel mehr Geld vom Staat brauchen wird, um nicht in die Pleite zu schlittern.

Kommen wir zu Europa zurück. Der renomierte US-Ökonom "Ken" Rogoff sagt, dass sich Länder, die mit 90 Prozent des BIP verschuldet sind, nicht mehr aus eigener Kraft entschulden können. Wie dramatisch ist die Situation?

Die Folgen sind überschaubar. Am Ende werden Portugal und Griechenland nicht mehr zur EU gehören. Portugal ist das nächste Griechenland. Das Problem sehe ich aber nicht in der hohen Verschuldung, sondern in den Politikern die nicht handlungsfähig sind. Wie prekär die Situation ist, zeigen die Zinsen für portugiesische Bonds, die in den letzten Wochen gewalltig in die Höhe getrieben wurden. Ich sehe in der Krise aber auch eine große Chance für die Eurozone, weil das erste Mal über gemeinsame Politik nachgedacht wird.

Ist eine Portugal-Pleite schon an den Börsen eingepreist?

Nein, das denke ich nicht.

Können Italien und Spanien ihre Schulden wieder in Griff bekommen?

Ja. Alles deutet darauf hin, dass Italien den Turnaround schafft. Die Regierung hat glaubwürdige Sparpakete präsentiert und setzt diese auch um.

Interview: Carolina Burger

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