Aktientipp: Diese Firmen sind noch immer erfolgreich im Web

Aktientipp: Diese Firmen sind noch immer erfolgreich im Web

1989 wurde das World Wide Web erfunden. Crash folgte auf Boom. Eine Handvoll Unternehmen hat aber allen Rückschlägen getrotzt. Diese Aktien sind nach wie vor interessant.

Für die einen beginnt die Schöpfungsgeschichte mit einem Wort, für andere mit dem Urknall, für wieder andere mit Timothy Berners-Lee, Techniker beim legendären Teilchen­beschleuniger CERN. Der Mann hatte vor 25 Jahren die Idee, ein Computer­netzwerk zu errichten. Er selbst hat diesen Schöpfungsakt später – verkürzt – folgendermaßen beschrieben: „Und, ta-daaa, das Internet war da.“

Die erste Website entstand 1991 ebenfalls mit CERN-Technologie. Alles in ­allem „ein Akt der Verzweiflung“, wie der im Jahr 2004 zum Ritter geschlagene Brite meinte. Denn bis dahin war der Austausch komplexer Daten schwierig. „Dabei war alles, was man für das Web brauchte, schon erfunden. Ich musste es nur noch zusammenfügen.“

Was damals niemand für möglich ­gehalten hätte: Das Legen der ersten ­Leitungen im Jahr 1989 entsprach einem digitalen Urknall. Das Bit-und-Byte-Universum breitete sich mit atemberaubender Geschwindigkeit aus. Mittlerweile nutzen 2,5 Milliarden Menschen das Netz, die unfassbare Menge von knapp einem Zettabyte an Daten wird in­zwischen jährlich ausgetauscht. Das ist das Datenvolumen von einer Milliarde ­gängiger Festplatten mit einem Speicher­volumen von jeweils einem Terabyte.

Halt den Mund und nimm mein Geld

Was der Schöpfung folgte, war die Dotcom-Hysterie der 90er-­Jahre. Denn 2,5 Milliarden User sind vor allem auch eines: 2,5 Milliarden ­potenzielle Kunden. Also wollte jeder ins Netz. Denn jeder hatte eine Geschäftsidee. Venture Capital hatte seine erste große Blüte. „Halt den Mund und nimm mein Geld“ wurde zu einem nicht immer ironisch gemeinten Slogan. Neue Märkte wurden erschaffen. Zum Teil im wörtlichen Sinn: Der 1997 aus der Taufe gehobene und 2003 geschlossene Neue Markt Index in Frankfurt listete nur ­Internetaktien. Die Wunderkennzahl dieser neuen Kultur lautete Ebitda. Das entspricht dem Ergebnis vor ­Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Das KGV – also das Verhältnis zwischen Kurs und Gewinn – kam außer Mode, schlicht, weil es die meisten Unter­nehmen niemals in die Gewinnzone schafften.

Aufgeblähtes Wachstum, jede Menge Verluste und im Jahr 2000 auch noch die größte Fusion aller Zeiten zwischen dem damaligen Internetgiganten AOL (ISIN US00184X1054) und dem Medientitan Time Warner (ISIN US8873173038): 350 Milliarden Dollar war die Übernahme von Time Warner schwer. Nachdem durch operative Verluste binnen kürzester Zeit 90 Milliarden Dollar an Wert ­vernichtet worden waren, zog man die Reißleine. Der Konzern wurde aufgesplittet, AOL herausgeschält und 2009 neu an die Börse gebracht. Time Warner desinvestiert übrigens immer noch: Time Warner Cable (ISIN US88732J2078) ist nur eine der erfolgreichen Töchter und im Kabel- und Pay-TV aktiv.

Die Blase platzte aber nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und in ­Österreich. Update.com, Yline, Austronaut – Unternehmen, die im besten Fall ein obskures Weiterleben abseits des ­öffentlichen Interesses führen. Im unangenehmeren Fall kam es zu spektakulären Pleiten. Im schlimmsten Fall haben Strafprozesse für das Management wie etwa für Yline-Chef Werner Böhm gerade erst begonnen.

Dotcom-Überlebende

Doch nicht alle Dotcom-Unternehmen waren erfolglos. Als ­Paradebeispiel für ein erfolgreiches Start-up der ersten Internet-Welle muss Amazon (ISIN US0231351067) gelten. CEO Jeff Bezos brachte das Unternehmen im Jahr 1997 an die Börse. Der damalige Ausgabepreis einer Aktie lag bei 18 Dollar. Inzwischen sind es trotz der jüngsten Kursabschläge 330 Dollar. Ein Plus von 1.700 Prozent.

Doch was unterscheidet ein erfolgreiches Internetunternehmen von einem potenziellen Pleitekandidaten? Die Antwort: Ein schwer nachahmbares Geschäftsmodell, starke Marktpräsenz, die erwiesene Fähigkeit, Gewinne zu erwirtschaften, und die Bereitschaft, sich in kurzen Intervallen immer wieder neu zu erfinden. Zu Firmen dieser Art gehört auch Yahoo! (ISIN US9843321061), ­obwohl es lange so ausgesehen hat, als fehle dem Unternehmen die wichtigste Eigenschaft zum Erfolg: die der Anpassungsfähigkeit. Allerdings hat man sich 2012 in einem mutigen Schritt dazu entschlossen, Marissa Mayer von Google (ISIN US38259P5089) abzuwerben und zum CEO zu machen. Mayer, die davon überzeugt ist, „dass die virtuelle Welt ein Abbild der physischen Welt ist“, bringt den Laden gemäß diesem Credo auf ­Vordermann und schreckt auch vor ­unpopulären Maßnahmen wie dem Streichen von Homeoffice-Jobs nicht zurück. Inzwischen gehört die Aktie im Vergleich zu Konkurrenz zu den günstigsten Titeln und sollte bei dieser Kennzahl im Jahr 2015 sogar den Hauptgegner Google schlagen.

Operativ bleibt der Suchmaschinen-Primus in seinem Segment aber nach wie vor das Maß aller Dinge. Das Unternehmen verfolgt eine Unmenge an ­Visionen. Das ist natürlich mit Kosten verbunden. Google verfügt aber über Cashbestände im Bereich von 50 Milliarden Dollar, kann sich Rückschläge also leisten. Im Gegenzug sind die Multiplikatoreffekte enorm, sobald eines der Projekte – wie vielleicht die neue ­Internetdrohnentechnologie – tatsächlich Marktreife erlangt.

Platzhirsch

Um die Liste der markt­beherrschenden Internet-Urgesteine vollständig zu machen, sollte man noch einmal zu Amazon zurückkehren. Die Aktie ist zuletzt wie der gesamte Sektor unter Druck geraten. Dazu ist der Titel alles andere als billig. Trotzdem: Amazon ist Marktführer in Sachen Onlinehandel. In einer Netzwerkökonomie, die dazu neigt, kleinere Netze auszulöschen, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Dazu kommt, dass der weltweite Onlinehandel laut einer Studie der Boston Consulting Group im vorigen Jahr um 20 Prozent auf rund eine Billion Euro gestiegen ist. Das Onlinebusiness macht aber immer erst fünf Prozent des gesamten Einzelhandels aus. An anderer Stelle derartiges Zukunftspotenzial zu finden, fällt schwer.

Doch auch die jungen Wilden der Onlinevideothek Netflix (US64110L1061) sollte man nicht vergessen. Das Unternehmen ist von seiner Ausrichtung her ein Frischling. 2013 ist man groß ins Streamen von Filmen eingestiegen. Diese Technologie macht es möglich, Filme und Serien online zu sehen, ohne die ­damit einhergehenden hohen Datenmengen auf den eigenen Computer ­herunterladen zu müssen. Damit stehen die Inhalte ohne Zeitverzögerunge zur Verfügung und blockieren auch keinen Speicherplatz. Netflix ist bei diesem Service Marktführer. Mit der Produktion eigener Serien wie „House of Cards“ hat man sich außerdem ein zweites, lukratives Standbein geschaffen und greift Platzhirsche wie den Bezahlsender HBO an.

Unterschätzt

Erst im Vorjahr ist Facebook (ISIN US30303M1027) an die Börse gegangen. Die Enttäuschung war nach einem Kurseinbruch und den ­damit einhergehenden technischen Pannen im Tradingprozess hoch. Nicht wenige wurden an das Platzen der ersten Dotcom-Blase erinnert – diesmal fokussiert auf ein einzelnes Unternehmen. Inzwischen ist das Papier aber mit 65 Prozent im Plus. Jüngste Prognosen sind zum Teil sehr optimistisch. Credit-Suisse-Analyst Stephen Ju wirft dem Markt sogar vor, „das Geschäftsmodell von Mark Zuckerberg bislang unterschätzt zu haben“. Demnach seien mit jedem neuen Marketingprodukt „die Resultate besser geworden“. Das sei 2011 mit der Einführung von „Sponsored Stores“ ebenso gewesen wie ein Jahr später mit „Mobile App Install“. Im ­Videobereich und über die zugekaufte Fotoplattform Instagram werden ­derzeit neue Werbemodelle getestet. Ergebnisbeiträge aus diesen Produkten erwartet Ju ab 2015 und verstärkt für das Jahr 2016. Credit Suisse hat deshalb die Umsatzprognosen pro User für 2016 nach oben revidiert.

Insgesamt gilt: Die Rückschläge, die die Internetindustrie zuletzt hinnehmen mussten, werden einmal mehr die Spreu vom Weizen trennen. Kurzfristig kann das auch für die hier als Investment empfohlenen Papiere zu weiteren Kursverlusten führen, langfristig sollte ihnen eine Marktbereinigung auf Kosten kleinerer Konkurrenten aber nützen.

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