Aktien-KESt: Bis 1. April gratis spekulieren

Am ersten Aprilsonntag geht die Steuer auf Wertpapiere endgültig live. Künftig werden von jedem Gewinn aus Aktien, Fonds oder Zertifikaten 25 Prozent Steuern abgezogen.

Betroffen sind grundsätzlich alle Wertpapiere, die ab dem 1. Jänner 2011 gekauft wurden. Doch es gibt eine überraschende Ausnahme: Alle erzielten Gewinne aus der Vorbereitungsphase zwischen Anfang Jänner 2011 und Ende März werden neutralisiert und bleiben unbesteuert. Das gilt auch für Spekulationen, die jetzt noch in letzter Minute vorgenommen werden.

Beispiel: Im September 2011 wurde eine Aktie zum Kurs von 70 Euro gekauft und steht am 1. April (also de facto mit dem Schlusskurs 30. März) bei 100 Euro. Die Differenz von 30 bleibt steuerfrei. Falls die Aktie Ende 2012 zum Kurs von 120 verkauft wird, unterliegen nur die neuen 20 Euro Gewinn der KESt, es werden also bloß fünf Euro abgezogen.

Hintergrund: Die Banken wenden ein gesetzlich erlaubtes vereinfachtes Verfahren an. Es wird nicht der echte Kaufkurs herangezogen, sondern ein sogenannter gemeiner Wert, nämlich der Kurs zum 1. April 2012. Das Finanzministerium will nach dem letzten Stand auch auf den ursprünglichen Plan verzichten, diesen gemeinen Wert durch einen generellen Korrekturfaktor an die bisherige Börsenentwicklung anzupassen.

Kehrseite dieses Verfahrens: Manche Anleger werden sogar für Verluste KESt zahlen müssen. So wurde zum Beispiel im April 2011, als die Börsen auf Höhenflug waren, eine Aktie um 50 geordert. Am 1. April 2012 steht sie nur noch bei 40 Euro und wird irgendwann in Zukunft um 48 Euro verkauft. Folge: Man muss für diese acht Euro Differenz zwei Euro KESt zahlen, obwohl tatsächlich ein Verlust von zwei Euro entstanden ist.

Die einzige Chance, dieser Steuer auf Verluste zu entgehen, ist die Aufrollung in der Einkommenssteuererklärung. Haken: Dort muss man alle Positionen offenlegen, man kann sich nicht einzelne Rosinen herauspicken. Außerdem ist das Verfahren kompliziert. Wahrscheinliche Folge: Viele Verlierer werden gute Miene zum bösen Spiel machen und auf die Rückerstattung verzichten.

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