Aktien im Fokus: Solang die Konjunktur floriert, sind feuerfeste Materialien von RHI gefragt

Solange die Konjunktur floriert, ist die Nachfrage nach den feuerfesten Materialien von RHI intakt. Profitieren kann der Konzern vor allem vom Engagement in den Schwellenländern China, Indien und Brasilien.

Der Feuerfestkonzern RHI hat das erste Halbjahr mit Bravour gemeistert. Der Nettogewinn der ersten sechs Monate stieg von 2,3 Millionen auf 49,1 Millionen Euro – das ist ein rekordverdächtiges Plus von 2.035 Prozent. Exchef Thomas Fahnemann leistete ganze Arbeit, stellte ein 100 Millionen Euro schweres Restrukturierungsprogramm auf Schiene und zog das China-Investment aus dem Sumpf. FORMAT analysiert, wie es weitergeht.

Doppeltes Standbein

Hauptgeschäftstreiber von RHI ist die Stahlproduktion: Öfen und Aggregate werden mit Feuerfestmaterial ausgekleidet, um extremer Hitze standzuhalten. Knapp 60 Prozent der RHI-Produkte gehen an Stahlerzeuger.

Generell gilt: Je höher die Temperaturen, desto häufiger muss der vorwiegend aus Magnesit hergestellte Schmelzschutz erneuert werden. Der höchste Bedarf an den Hightech-Produkten entsteht bei der Fertigung von Elektrostahl. Für eine Tonne werden 6,5 Kilogramm Feuerfestmaterialien benötigt. Aber auch bei der Glas-, Zement- oder Keramikerzeugung ist der Schmelzschutz unabdingbar. Dabei müssen die Produkte Temperaturen bis über 2.000 Grad aushalten.

Das zweite Standbein ist die Rohstoffproduktion. In Österreich besitzt RHI drei Minen, aber auch in China, Italien und der Türkei werden Magnesit und Dolomit abgebaut. 50 Prozent der benötigten Rohstoffe kann RHI so im Schnitt mit eigenen Vorkommen abdecken, der Rest wird zugekauft. Dabei gelingt es nicht immer, die Preise an die Kunden weiterzureichen. Erste-Bank-Analyst Franz Hörl: „Im zweiten Quartal konnte RHI die stark gestiegenen Rohstoffpreise nicht weitergeben, aber der Konzern ist langfristig durchaus dazu in der Lage. Auf jeden Fall ist die Aktie mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,5 günstig bewertet. Wir erwarten heuer einen Gewinn pro Aktie von 2,81 Euro.“

Solange die Wirtschaft floriert, braucht sich das RHI-Management nicht zu sorgen. Dann brummen nämlich auch die Industrieöfen der wichtigsten Kunden – darunter Arcelor Mittal und Tata Corus.

Asiatischer Zündstoff

Eine zunehmende Rolle spielt der Absatz in den Schwellenländern – allen voran China, Indien und Brasilien. RCB-Analyst Klaus Küng: „Vor fünf Jahren wurden 60 Prozent der Feuerfestprodukte in Europa produziert. Heute fertigt der Konzern mehr als die Hälfte seiner Produkte außerhalb Europas. Langfristig spielt die Urbanisierung in China der RHI das Geld in die Hände.“

Wolfgang Matejka, Chef von Matejka & Partner, steht einem Kauf der RHI-Aktie dennoch skeptisch gegenüber: „Der Konzern hat hohe Erbschulden aus vergangener Zeit.“ Im Zuge eines US-Konkurses der ehemaligen RHI-Tochter ANH kam der Konzern im Jahr 2000 existenziell stark unter Druck. Nun könnte es zu einer Einigung zwischen dem einstigen ANH-Eigentümer Halliburton und der RHI kommen. Küng: „Bei einem Vergleich würde automatisch eine 40-Millionen-Dollar-Zahlung an RHI erfolgen.“

Ob Fahnemanns Nachfolger Henning Jensen den Konzern ebenso gut im Griff hat wie sein Vorgänger, wird sich erst zeigen. Die Aktie ging jedenfalls nach Bekanntgabe des Managementwechsels auf Talfahrt. Strategisch plant der neue Chef jedenfalls keine Veränderung, es sollen aber teure Berater eingespart werden.

– Carolina Burger

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