Aktien: Die Rückkehr der goldenen Bilanzen

Die Semesterzeugnisse der Börsenkonzerne fallen weltweit spektakulär aus. FORMAT beschreibt, wo die Gewinne weiter sprudeln werden und ob jetzt die Börsenrally startet.

Die Berichtssaison der Börsen­konzerne verläuft fast wie ein Wunschkonzert. Gewinn­steigerungen von über 100 Prozent gegenüber 2009 sind keine Ausnahmen. Den Vogel schoss der japanische Autobauer Honda ab, der diese Woche beim Quartals-Nettogewinn einen Anstieg um sagenhafte 3.532 Prozent verkündete.

Mit dem Feuerfestkonzern RHI und der OMV stehen zwei Vertreter des österreichi­schen Leitindex ATX auf der Seite der ­Sieger, die meisten Austro-Unternehmen berichten allerdings erst in den nächsten drei Wochen. Wenngleich RHI beim Gewinn wesentlich kleinere Brötchen bäckt als internationale Großkonzerne, spielt man doch beim prozentualen Anstieg des Gewinns ganz vorne mit. In Zahlen: Der Feuerfestkonzern steigerte den Halbjahres-Nettogewinn im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2009 von 2,3 auf 49,1 Millionen Euro. Das ergibt unterm Strich einen Zuwachs um 2.035 Prozent. Die OMV profitierte vom gestiegenen Ölpreis, höheren Raffineriemargen und dem schwächer gewordenen Dollar. Auch die deutschen Autobauer BMW und Volkswagen kamen mit Vollgas aus der Autokrise, VW peilt nun für das Gesamtjahr einen neu­en Rekordgewinn an. Unter den ­Banken wartete Anfang dieser Woche das britische Großinstitut HSBC mit einer Jubelmeldung auf. Im ersten Halbjahr wurde mit einem Nettogewinn von 7,25 Milliarden Dollar das Ergebnis vom 1. Halbjahr 2009 um 94 Prozent übertroffen.

Auch bei dem amerikanischen Technologiekonzern Apple klingeln weiter die Kassen. Zwischen April und Ende Juni wurde mit dem Absatz von 3,5 Millionen Mac-Computern ein neuer Quartalsrekord aufgestellt. Zusätzlich gingen 8,4 Millionen iPhones, rund 9,4 Millionen iPods und 3,3 Millionen iPads über den Ladentisch. Das ließ zur Freude von Apple-Gründer Steve Jobs den Gewinn gegenüber dem zweiten Quartal 2009 um 78 Prozent in die Höhe schnellen. Jetzt stellt sich für Anleger die Frage, ob angesichts solch exzellenter Unternehmensergebnisse der seit Anfang Juli wehende Rückenwind an den Börsen weiter stark blasen wird, ob die Kurse mittelfris­tig sogar wieder auf das Niveau von 2007 klettern können oder ob es sich bei den jüngsten Jubelmeldungen nur um Eintagsfliegen handelt.

Europäische Unternehmen: Kurse um 30% gestiegen  

In Summe übertreffen die jüngsten Konzern-Zwischen­bilanzen jedenfalls die ohnehin optimis­tischen Erwartungen der Analysten. Bis Anfang der Woche hatten 40 Prozent ­der europäischen Unternehmen des Stoxx-600-Index ihre Ergebnisse veröffentlicht. Davon konnten 60 Prozent bei Gewinn und Umsatz positiv überraschen.

Christoph Stanger, Leiter des Österreich-­Investment-Bankings von Goldman Sachs: „In Europa werden die Gewin­ne weiter wachsen. Ich rechne für das Gesamtjahr 2010 mit einem Plus von 32 Prozent, im nächsten Jahr könnten die Profite im Schnitt um weitere 19 Prozent nach oben klettern.“ Das lässt bei Experte Stanger Euphorie aufkommen: „Ich traue dem breit gestreuten europäischen Stoxx-600-Index innerhalb der nächsten zwölf Monate einen Anstieg von 30 Prozent zu.“
Zu den Hoffnungsträgern von Goldman Sachs zählen etwa Unternehmen aus dem europäischen Gas- und Ölsektor, aus dem Rohstoffbereich, der Autoindustrie sowie Konsumgütererzeuger. Auch Alois Wögerbauer, Chef der 3-Banken-­Generali-Fonds, unterscheidet nach Branchen: „Ich rate bei Bankaktien weiter zur Vorsicht. Dagegen sind Anleger bei dividendenstarken Papieren von Unternehmen wie dem Lebensmittelkonzern Nestlé und dem Pharma­riesen Novartis aus der Schweiz gut aufgehoben.“

Noch besser als in Europa fällt der aktuelle Ergebnisreigen jenseits des großen Teichs aus. Bis Mitte der Woche haben drei Viertel der im amerikanischen S& P 500 vertretenen Konzerne besser ­abgeschnitten als von Experten erwartet. Vertraut man de­ren Schätzungen, könnte es in einer ähn­lichen Tonart weitergehen. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg rechnen Analysten damit, dass die größten 500 US-Konzerne das Jahr 2010 mit einem Gewinnplus von 34 Prozent abschließen werden. Für 2011 wird das durchschnittliche Profitwachstum auf 17 Prozent taxiert. Wenn sich die Vorhersagen bewahrheiten, ­handelt es sich um das stärkste Gewinnwachstum innerhalb von zwei Jahren seit 1995.

Generell schüren solche Gewinnprogno­sen berechtigte Hoffnungen der ­Inves­to­ren. An den Börsen von Deutschland, den USA oder Österreich wird bis inklusive 2011 mit weiter ansteigenden Gewinnen gerech­net. Trotzdem bleibt Experte Wögerbauer Realist: „Der ATX ist noch rund 50 Prozent von seinem 2007 erzielten Hoch entfernt, der deutsche DAX 22 Prozent, der amerikanische S& P 500 um 39 Prozent. Es kann noch zwei bis drei Jahre dauern, bis diese Niveaus wieder in Reichweite kommen.“ Skeptischer ist Thomas Neuhold, Leiter des Österreich-Aktien-Research von UniCredit: „Die Margen, die viele Konzerne jetzt verdienen, sind im historischen Vergleich hoch. Die Gewinndynamik wird sich ab 2012 abschwächen. Deswegen werden die Börsenindizes ihre Höchststände von 2007 in den nächsten Jahren nicht erreichen.“

Ostfantasie, Teil 2

Österreichs Börse war bis zur Finanzkrise von der ­Ostfantasie beflügelt. Nun kommt den heimischen Titeln zugute, dass sich die Nebel, die über der Wirtschaftsentwicklung Osteuropas liegen, bereits lichten. Goldman-Sachs-Experte Stanger: „Die Wachstumszahlen werden ständig nach oben korrigiert. Laut den jüngsten Schätzungen wird die osteuropäische Wirtschaft heuer um 2,6 Prozent und nächstes Jahr um 4,1 Prozent zulegen. Das Bruttoinlandsprodukt der Euroland-Staaten wird dagegen heuer nur um 1,4 und nächstes Jahr um 2,2 Prozent ­steigen.“
Wenn sich Osteuropa tatsächlich fängt, stehen zum Beispiel die Zeichen für die Immofinanz günstig, die am 26. August die Bilanz legt. UniCredit-Experte Neuhold: „Es könnte ähnlich laufen wie im Jahr 2006, als Immobilienpreise und Mieten stiegen. Noch dazu notiert die Aktie an der Börse aktuell mit einem Abschlag zum Nettoinventarwert in Höhe von 52 Prozent.“

Zusätzlich ist die Wiener Börse günstig bewertet. Fondschef Wögerbauer: „Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis oder am Kurs-Buchwert-Verhältnis, sind die ­Papiere der Wiener Börse um rund 25 ­Prozent billiger als Aktien internationaler Börsen.“ Das wird etwa am heimischen Ölkonzern OMV deutlich. Wögerbauer: „Die OMV-Aktie notiert an der Börse unter dem Buchwert. Alleine die Dividende zwischen 3,5 und 4 Prozent bringt mehr als die Verzinsung einer zehnjährigen Staatsanleihe.“

Robert Winter, Katharine Reading

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