Aktien-Boom: Jetzt richtig anlegen

Aktien-Boom: Jetzt richtig anlegen

Die Notenbanken Europas, Japans und der USA fluten die Wirtschaft mit billigem Geld. Die Kurse an den Börsen steigen rasant. FORMAT zeigt, warum Sie jetzt Aktien kaufen sollten, wann die nächste Blase droht und welche Fehler Anleger vermeiden sollten.

"Wir erleben das jetzt öfter", erzählt Franz Witt-Dörring, Vorstand der auf gehobene Privatkundschaft spezialisierten Schoellerbank, "dass ältere Herrschaften zu uns in die Bank kommen und ein wenig verunsichert fragen, ob das auch alles noch normal sei, was da im Augenblick an den Börsen passiert?“ Witt-Dörring spricht nicht von ängstlichen Rentnern, sondern von zumeist ehemaligen Unternehmern, die jetzt ihr Geld für sich arbeiten lassen. "Wir sagen unseren Kunden ganz klar, dass Aktien derzeit die einzige Alternative für ihre Geldanlage sind. Bei jeder anderen Veranlagung verliert man im Moment Geld.“

Was nicht nur die Kunden der Schoellerbank so verwundert, ist die Tatsache, dass die wichtigsten Börsenindizes schon wieder beinahe ihre Höchststände erreicht oder sie schon übertroffen haben. Der deutsche Leitindex DAX kratzt hart an der 8.000-Punkte-Marke. Der Dow-Jones-Index hat sein All Time High von 14.000 Punkten aus dem Jahr 2007 bereits übertroffen. Auch der Nikkei 225, der Index der wichtigsten Unternehmen Japans, zeigt sich in Höchstform. All das in Zeiten, in denen die Wirtschaft in Deutschland, Europa oder den USA nur minimal wächst.

Und dennoch gilt die Veranlagung in Unternehmensbeteiligungen, also Aktien, derzeit als das einzig sinnvolle Investment. Thomas Loszach, Leiter für Österreich und Osteuropa der weltgrößten Vermögensverwaltungsgesellschaft BlackRock: "Anleger müssen sich vergegenwärtigen, dass sie dafür zahlen, wenn sie ihr Geld nur auf Sparbüchern oder in Anleihen parken.“ Die Zinsen von Sparbüchern oder die Renditen von Staatsanleihen liegen derzeit unter der Inflationsrate. Für das vermeintlich sichere Gefühl, den nominalen Betrag seines Vermögens zu erhalten, muss man also einen Realwertverlust in Kauf nehmen.

Aber wie sicher ist der Aufschwung an den Aktienbörsen? Ist er von längerer Dauer oder nur ein Strohfeuer? Sollte man den Boom an den Börsen nutzen oder trotz allem lieber sein Geld am Sparbuch bunkern? FORMAT analysiert in dieser dreiteiligen Titelgeschichte, worauf das Kursfeuerwerk an den Weltbörsen beruht, wie sich die Aktienmärkte vermutlich weiterentwickeln werden und ab wann Vorsicht angesagt ist.

Der DWS-Chefstratege Asoka Wöhrmann drückt im Interview seine Meinung aus, wie groß die Gefahr einer Blasenbildung an den Börsen ist und wie von den Notenbanken versucht wird, diese gefährliche Entwicklung zu verhindern. Tipps, wie Sie die häufigsten Fehler vermeiden, die von Geldanlegern generell begangen werden, lesen Sie hier .

Ein Fehler wäre, aus Verunsicherung jetzt zu viel Geld auf Sparbüchern oder dem Girokonto liegen zu lassen. Es wäre aber ebenso ein Fehler, seine Investments nicht gegen mögliche Verluste abzusichern (Stop-Loss-Grenzen) oder aufgrund von Gier nicht zwischendurch immer wieder schon ein paar Gewinne mitzunehmen.

Die Ursache des Booms

Beharrlich kauft die US-Notenbank Fed Monat für Monat langfristige US-Staatsanleihen im Ausmaß von 85 Milliarden US-Dollar. Ähnlich agiert die Bank of Japan. Und die EZB ist weiterhin bereit, unbefristet Anleihen von in Not geratenen EU-Staaten zu kaufen. Diese Liquiditätsschwemme ist für den aktuellen Börsenboom verantwortlich. "Durch die Aktionen der Notenbanken ist sehr viel Geld am Markt. Und das fließt in Aktien. Denn bei vielen Papieren ist die Dividendenrendite bereits höher als die Rendite von Staatsanleihen. Und die KGVs der Unternehmen sind noch immer moderat“, erklärt RBI-Chefanalyst Helge Rechberger den aktuellen Run auf amerikanische, europäische oder japanische Aktien.

Bei der Bewertung schneiden europäische Aktien derzeit noch eine Spur besser ab als US-Papiere. Liegt das durchschnittliche KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) im DAX und im ATX derzeit bei elf, beträgt es bei US-Titeln im Schnitt 14. Die Unternehmen sind immer noch um zehn Prozent niedriger bewertet als zu Beginn der Finanzkrise 2007. Zudem lassen die Gewinnprognosen vieler Konzerne weltweit auf ordentliche Zuwachsraten hoffen.

Manche Analysten gehen von einer Aufwärtsbewegung an den Börsen aus, die die kommenden fünf bis zehn Jahre anhalten könnte. Ob das tatsächlich eintritt, hängt wohl vom Ausstiegsszenario der Notenbanken aus ihrer Politik des billigen Geldes ab. Derzeit sollten Anleger aber die Gunst der Stunde nutzen und einen überwiegenden Anteil ihrer Mittel in Aktien stecken. Gegen Ende 2013 sollte dann größere Vorsicht Platz greifen.

Beste Aktienmärkte

Europäische und da vor allem deutsche Werte stehen bei den Analysten aktuell am höchsten im Kurs. Während der DAX aber sein All Time High beinahe erreicht hat, liegt der ATX erst bei der Hälfte seines Höchststandes von 5.000 Punkten im Jahr 2007. Aktien aus Österreich haben also noch ein besonderes Aufholpotenzial. Der Nikkei Index hat in den vergangenen zwei Monaten um 27 Prozent zugelegt - so viel wie der DAX im Jahr 2012. Doch natürlich stellt der niedrige Yen-Kurs ein Problem für Euro-Anleger dar. Eine Währungsabsicherung ist bei einem Investment in japanische Aktien unabdingbar. Die besten Aktienfonds für die Börsen in Österreich, Deutschland, Europa, Amerika und Japan finden Sie hier .

Langfristige Entwicklung

Der Ausblick an den Börsen für 2013 ist also sehr gut. Für den DAX rechnen Experten heuer mit einem Wert von 8.500 Punkten. Der ATX soll zumindest auf 3.000 Punkte steigen. Für den Dow Jones werden heuer Höchstwerte zwischen 15.000 und 17.000 Punkten prognostiziert. Und der Nikkei soll zwischen 14.000 und 15.000 Punkte erreichen. Natürlich sind kurzfristige Rückschläge von zehn, 15 Prozent immer möglich. Nur wenn die Kursrückgänge die 20-Prozent-Marke überschreiten, dürfte es doch wieder zu einer längerfristigen Konsolidierungsphase kommen.

Bedeutet die durch die Notenbanken getriebene Aufschwungphase an den Börsen Europas, der USA und Japans nun, dass es auf den anderen Märkten weniger Zuwächse geben wird? Haben Emerging Markets ihren Reiz verloren? RBI-Chefanalyst Rechberger: "Schwellenländer sind oft schon relativ weit entwickelt. Man sollte daher eher von Ländern mit höheren Wachstumschancen sprechen. Als solche sind sie natürlich für Anleger interessant.“ Auf der Suche nach Renditen werden sich die großen Ströme des Anlegerkapitals aber im kommenden Jahr primär auf die entwickelten Märkte konzentrieren. Dort finden sie Aktien solider Unternehmen, die Potenzial auf große Kurssteigerungen bieten.

Doch jede Rallye findet einmal ein Ende. Sobald die Gewinne und Umsätze bei namhaften Unternehmen wie Novartis, IBM oder McDonald’s nicht mehr steigen, wäre das ein Zeichen, dass sich der Aufschwung dem Ende zuneigt.

Aber zumindest für heuer ist damit noch nicht zu rechnen. RBI-Chefanalyst Rechberger: "Der Boom wird ziemlich sicher bis Ende 2013 weitergehen.“ Deshalb gibt Schollerbank-Chef Witt-Dörring selbst für seine extrem vorsichtige Kundschaft die Devise aus: "Wer noch keine Aktien hat, sollte das jetzt schnell ändern.“

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