Aktie im Fokus: Warum der Verbund wie ein Perpetuum mobile funktioniert

Die Verbund-Aktie leidet unter den tiefen Großhandelspreisen für Strom. Wenn die Konjunktur wieder anzieht und die türkischen Kraftwerke fertig sind, wird der Verbund zur Cashcow.

Die Aktionäre des Verbunds haben schwere Zeiten hinter sich. Vom Höchstkurs von 57,77 Euro im Juni 2008 ist der Stromversorger heute meilenweit entfernt. Die aktuelle Notierung von rund 26 Euro erreicht nicht einmal die Hälfte des damaligen Niveaus. Auch der Ausblick für heuer ist nicht berauschend. Der Nettogewinn soll im Gesamtjahr 2010 rund 25 Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr. Steht der Aktie also eine wei­tere Talfahrt bevor? FORMAT analysiert die Stärken und Schwächen des Verbunds.

Gesunkene Strompreise  

Das Hauptproblem des Verbunds ist die Abhängigkeit von den konjunkturabhängigen und heftig schwankenden Großabnehmerpreisen für Elektrizität. Zwar verkauft der Stromkonzern einen Großteil der Produktion im Vorhinein zu Fixpreisen, aber das kann das Auf und Ab nur dämpfen. Nachdem der ­Verbund für eine Megawattstunde Ende 2008 noch 76 Euro bekam, waren es heuer im Frühjahr nur 53 Euro. Da die ­Produktionskosten für den Strom aus Wasserkraft weitgehend konstant sind, macht sich die Preisreduktion im Ergebnis und auch im Börsenkurs deutlich bemerkbar.

Doch das ist für Börse-Wien-Experte Wolfgang Matejka Schnee von gestern: „Die Strompreise haben seit ihrem Tiefststand wieder 20 Prozent zugelegt. Da der Verbund den Strom etwa 1,5 Jahre im Voraus verkauft, sind steigende Gewinne nur eine Frage der Zeit. Derzeit ist der Konzern an der Börse der billigste Stromtitel in Europa. Wenn die Industrie wieder mehr Strom nachfragt und die Preise ihr früheres ­Niveau erreichen, wird der Versorger zur echten Cashcow.“

Der besondere Vorteil: Die Speicherkraftwerke des Verbunds können tagsüber Energie zum Spitzenpreis abgeben und nachts, wenn der Strom billig ist, das abgelassene Wasser wieder günstig hochpumpen. Matejka: „Das ist fast wie ein Perpetuum mobile.“

Internationale Expansion
 
Dazu baut der derzeit viertgrößte Wasserkraftkonzern ­Europas seine Erzeugungskapazität laufend aus. Im Vorjahr wurden in Bayern 13 Innkraftwerke erworben, kürzlich erfolgte der Startschuss für ein neues Flusskraftwerk in Albanien. Am vielversprechendsten ist das Engagement in der Türkei. Zusammen mit der dortigen Sabanci-Gruppe will man bis 2015 zur Nummer eins auf dem türkischen Strommarkt werden. Intern rechnet der Verbund dann mit einem zusätzlichen Gewinn von rund 150 Millionen Euro. Ein beachtli­ches Zubrot: Für heuer rechnet Erste-Bank-Analyst Christoph Schultes mit einem Netto­gewinn von insgesamt 498 Millionen Euro, für 2011 mit 613 Millionen und für 2012 mit 813 Millionen.

Darin sind bereits steigende Gewinne aus der Türkei ein­gerechnet, der entscheidende Faktor sind aber höhere Strompreise. Im Jahr 2012 erwartet Schultes einen Gewinn pro Aktie von 2,64 Euro. Angesichts des aktuellen Aktienkurses entspräche das einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von ziemlich genau zehn. Das ist niedrig angesichts des konservativen Geschäftsmodells und der hohen Dividendenrendite von 3,87 Prozent (bezogen auf die kürzlich gezahlte Ausschüttung).

Die Verbundaktie ist für Alois Wögerbauer, Chef der 3Banken-Generali-Fonds, auf längere Sicht „unglaublich ­attraktiv“. Einziger Haken sei die Abhängigkeit vom Strompreis und die Tatsache, dass im ­Moment keine Meldungen ­vorliegen, die den Aktienkurs kurzfristig nach oben drehen ließen. Fazit: ein konservativer Wert für alle, die Zeit haben, bis die Aktie wieder abhebt.

Martin Kwauka

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