Absatzrenner: Aktiv gelenkte Komfortfonds für jedes Börsenwetter

Die ab 2011 geplante Wertpapier-KESt ist für Fonds besonders kompliziert geregelt. Es gibt aber einiges an Gestaltungsspielraum. Ab Juli erleichtert die EU den Fondsvertrieb ins Ausland.

Die Wachstumsziffern sind durchaus erfreulich. Nach einem massiven Rückgang im Jahr 2008 wächst das Fondsvolumen wieder wie in alten Zeiten, als jedes Jahr mit einem deutlichen Plus endete. Im Oktober 2010 erreichte das Fondsvolumen, das die österreichischen Fondsgesellschaften betreuten, bereits wieder 144,3 Milliarden Euro. Im Vergleich zu Ende 2008 bedeutet das immerhin eine Steigerung um gut 18 Milliarden Euro – teils aus neuen Fondsabsätzen, teils aus Kursgewinnen.

Doch jetzt, mitten in der Erholungsphase, sorgt die für 2011 geplante neue Wertpapier-KESt in der Branche und bei ihren Kunden für Verunsicherung. „Für die Anleger wird die Besteuerung in der geplanten Form schwer nachvollziehbar sein“, kritisiert Heinz Bednar, Geschäftsführer der Erste Sparinvest (Espa) und Präsident der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften, die geplante Umsetzung in der aktuellen Fassung.

Komplizierte KESt

Anleger werden die komplizierte, auf zwei Ebenen geplante Vermögenszuwachssteuer nur bei einer intensiven Beschäftigung mit den Regeln verstehen. „Es wartet eine Menge an Aufklärungsarbeit im kommenden Jahr auf uns“, prophezeit Werner Kretschmer, Chef der Pioneer Investments Austria.

Die Fakten: Einerseits langt die Finanz schon bei realisierten Kurszuwächsen innerhalb des Fonds zu, andererseits werden auch die Gewinne beim Verkauf der Fondsanteile besteuert. Beide Abgaben werden gegengerechnet, sodass es, so das Finanzministerium, zu keiner Doppelbesteuerung kommt.

Zur Erinnerung: Derzeit werden bereits 20 Prozent der Aktienkursgewinne, die Fonds realisieren, mit der 25-prozentigen KESt versteuert, das macht unter dem Strich fünf Prozent aus. Im Sommer 2011 steigt der Steuerabzug durchgerechnet um 7,5 Prozent an. Bleibt es beim aktuellen Entwurf, dann wird diese „interne“ Steuer bis zum Jahr 2014 unter dem Strich stufenweise auf 15 Prozent angehoben.

Wer ab Jänner Fondsanteile kauft, muss beim Verkauf den darüber hinaus zusätzlich erzielten Gewinn versteuern. Mit anderen Worten: Wer heuer noch Fonds kauft, zahlt maximal 15 Prozent, für Anschaffungen ab Jänner werden 25 Prozent fällig. Nicht nur die Kunden zahlen mehr, die Fondsgesellschaften befürchten auch einen extrem hohen Verwaltungsaufwand. Pioneer-Chef Kretschmer glaubt aber nicht, dass der Kauf von Fondsprodukten künftig teurer wird: „Dazu ist der Wettbewerb viel zu groß.“ Sehr wohl könnte sich aber die laufende Konsolidierung innerhalb der Branche ein wenig beschleunigen, gibt sich Espa-Chef Bednar vorsichtig zurückhaltend: „Für sehr kleine Fonds könnte es dann schon ein wenig enger werden.“

Geringerer Zinseszinseffekt

Je mehr die neue Steuer an den Portfolios nagt, desto weniger Vermögen bleibt letztendlich zum Veranlagen übrig, Anleger müssen auf einen Teil des Zinseszinseffekts verzichten. „Es entsteht deshalb aber sicher kein Nachteil gegenüber einem Direktinvestment in Aktien“, beruhigt Friedrich Strasser, Vorstand der Bank Gutmann. Zwar entgeht man bei Aktienkäufen vor Jahresende der neuen Steuer zur Gänze – und das möglicherweise noch Jahrzehnte. Doch Strasser hält das für Theorie: „Die Kunden kaufen längst keine einzelnen Wertpapiere mehr, um sie jahrelang zu halten. Diese Strategien sind spätestens seit der Krise überholt.

Laufende Gewinnmitnahmen auf privater Ebene sind eine häufige Vorgangsweise.“ Wer Fonds ab Jänner kauft, ist sogar in manchen Punkten gegenüber Einzelpapieren begünstigt: Innerhalb des Fonds entstandene Verluste durch Wertpapierverkäufe können auf die nächsten Jahre übertragen und mit späteren Gewinnen verrechnet werden. Wer als Privatinvestor in einzelne Papiere investiert, hat keine Möglichkeit zum Verlustvortrag.

Mancher Kleinanleger dürfte verlockt sein, verstärkt auf steuerliche Komponenten zu achten und beispielsweise auf fondsgebunde Lebensversicherungen auszuweichen. Denn Fondspolizzen sind von der neuen Steuer auf Kursgewinne ausgenommen, lediglich die Versicherungssteuer von vier Prozent muss bezahlt werden. „Dabei sollte man aber nicht vergessen, auch die Kosten einer Versicherung zu berücksichtigen. Zudem sind Polizzen weniger flexibel, im Notfall kommt man schwerer aus dem Vertrag heraus“, hält Berndt May, Österreich-Chef von JPMorgan und Sprecher der Vereinigung Ausländischer Investmentgesellschaften in Österreich, dagegen. Viel wichtiger sei die Renditeoptimierung, so May, und er hebt dabei Unternehmensanleihen sowie Schuldverschreibungen aus den Emerging Markets als eines der Top-Anlagethemen für 2011 hervor.

Für Fondsmanager könnte es bei letzterem Thema allerdings ein wenig knifflig werden. Oft werden die Währungsrisiken abgesichert und nur die höheren Zinsen kassiert. Doch die neue Besteuerung sieht eine Abgabe auch auf Gewinne von Absicherungsgeschäften vor, die für Espa-Chef Bednar nicht nachvollziehbar ist: „Wenn ein Teil davon als Steuer abgeführt werden muss, wird die Währungsposition nicht gänzlich abgedeckt. Im schlimmsten Fall entsteht ein Verlust.“

Strategien gegen die Inflation

Gutmann-Banker Strasser plant, im kommenden Jahr einen Teil des Rentenportfolios in inflationsindexierte Anleihen aufzuteilen, denn steigende Preise dürften allmählich wieder ein Thema werden, ist der Marktexperte überzeugt. Weiterhin im Fokus bleiben auch die Schwellenländeraktien „und Titel mit hohen Dividendenrenditen“, so Strasser. Für ganz Vorsichtige wird es weiterhin Garantieprodukte geben. „Wir planen laufend neue Fonds in diesem Bereich“, bestätigt Pioneer-Chef Kretschmer. Allerdings muss es nicht immer eine echte Garantie geben, es kann lediglich der Vermögenserhalt im Vordergrund stehen.

Und wer die Anlageentscheidungen gänzlich an die Fondsgesellschaft abtreten will, setzt am besten auf einen Vermögensverwaltungsfonds. Davon ist Mathias Bauer, Chef von Raiffeisen Capital Management, überzeugt: „Komfortfonds, die den Aktienanteil je nach Börsenlage in einer weiten Bandbreite variieren, werden verstärkt nachgefragt“. Wenig Konkurrenz fürchtet der langjährige Marktexperte hingegen von den börsengehandelten ETF-Passivfonds, die auf die spesengünstige Nachbildung von Indizes spezialisiert sind: „Sie eigenen sich primär für kurzfristige Spekulationen. Fonds sind hingegen eine wichtige Basis für den langfristigen Vermögensaufbau“, ortet Bauer praktisch keine Alternativen.

– Raja Korinek

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